Marathon-Geschichte im Sportmuseum Berlin

Veröffentlicht am 26.02.2011 | 6 Kommentare

Vitrine mit Marathon-Trophäen

Am vergangenen Wochenende hatte ich Gelegenheit, beim Tag der offenen Tür des SCC Events auch die Austellung zur Geschichte des Marathon im Sportmuseum Berlin (AIMS Marathon Museum of Running) anzusehen. Für den, der sich für das Laufen und den Marathon interessiert eine feine Sache…

Wandtafel zur Geschichte des Marathon-Laufs

Auf diversen Stelltafeln werden Fotos und Dokumente zur Streckenmessung und den Anfängen der ersten Straßen-Marathons gezeigt.

Büchertitel Jogging und Laufen

Der Beginn der Laufbewegung wird durch Titel diverser Laufbücher aus der damaligen Zeit illustriert, unter anderem von Lauftrainer-Legende Arthur Lydiard. Wie ich später herausgefunden habe, gilt das abgebildete Buch „Jogging“ übrigens mit über einer Million verkaufter Exemplare als Auslöser der Jogging-Welle in den USA. Kein Wunder, warb es doch auf dem Cover mit den Worten: „Reduce the waistline, improve your appearance, help prolong your life“.

Fotos mit Marathon-Laufschuhen

Kurios ist die Stelltafel mit den ersten speziellen Sportschuhen für lange Läufe und auch den Marathon. Neben dem legendären ersten Marathon-Laufschuh „Road Runner“, hergestellt von Eugen Brütting (rechts oben) wurden auch die besonderen Laufschuhe eines Japaners gezeigt – in der Mitte geteilt, in Analogie zu den japanischen Holzsandalen. Dies erinnerte mich sofort an meinen Test der japanischen Marathon-Zehensocken. Bei Laufschuhen hat sich dieses Prinzip aber offensichtlich auf Dauer nicht durchsetzen können…

Wandtafel im Sportmuseum zur Marathon-Zeitmessung

Auf der Schautafel zur Geschichte der Zeitmessung bei Volks- und Marathonläufen kann man lesen, dass die Zeitmess-Chips, die wir heute alle bei vielen Wettkämpfen an den Schuhen tragen, zuerst 1994 in Berlin bei einem Volkslauf getestet und dann gleich beim Marathon im Herbst eingesetzt wurden. Das schlug dann so ein, dass die Lauf-Chips der Firma ChampionChip in der Folge auch bei großen internationalen Straßenläufen eingesetzt wurden.

Volkssport-Zeitmessanlage

Davor wurden die Zeiten der Volkslauf-Teilnehmer zum Beispiel mit der ausgestellten Volkssport-Zeitmessanlage von 1967 gemessen, die aus dem Fertigungsprogramm für Arbeitszeit-Kontrollapparate („Stechuhr“) entstanden war.

moderne Zeitmessanlage im Sportmuseum

Wie die Technik „am anderen Ende“ des ChampionChips heutzutage aussieht, kann man in einer weiteren Vitrine bestaunen.

Schautafel erste Berufs-Läufer

Abgesehen vom technischen Aspekt gibt es in der Ausstellung aber natürlich auch viel über die Geschichte des Laufens zu lesen, zum Beispiel die Tatsache, dass Läufer die ersten „Berufssportler“ waren – als laufender Bote oder im militärischen Bereich.

Die Hieroglyphen auf der abgebildeten Schautafel zeigen den Text der Lauf-Stele des ägyptischen Königs Taharka (etwa 684 v. Chr.), der von einem 100 km langen Lauf zur Überprüfung der Ausdauer einer Gruppe von Soldaten berichtet. Beeindruckend, wenn man in Betracht zieht, dass diese Soldaten sicherlich keine bequemen Laufschuhe gehabt haben und sicherlich auch nicht auf wunderbar asphaltierten Straßen unterwegs waren (vom Marschgepäck mal ganz abgesehen).

Links unten ist übrigens zu sehen, wie ein späterer Berufsläufer einen Wettlauf gegen eine Straßenbahn gewinnt. Über eine Strecke von 20 km benötigte er 1:23 h, während die Bahn in 1:45 h hinterherbummelte.

Schautafel zur Frauen-Lauf-Geschichte

Dass Frauen „erlaubt“ wurde zu laufen ist übrigens noch gar nicht so lange her. Immer wieder kaum zu glauben sind die Szenen, die sich abspielten, als Kathrine Switzer als erste gemeldete Frau (als K.V. Switzer) an einem Marathon teilnehmen wollte und fast von einem erbosten Streckenposten mit den Worten „Get the hell out of my race and give me those numbers!“ von der Strecke geholt worden wäre, wenn nicht ihr Begleiter den Offiziellen einfach zur Seite geschubst hätte.

Statue Jüngling mit Siegerbinde im Sportmuseum Berlin

Die Plastik „Jüngling mit der Siegerbinde“ (1913), die nach dem Vorbild des Mittelstreckenläufers Wilhelm Jahn modelliert wurde und damals auf dem Gelände des Deutschen Stadions – dem Vorläufer des Berliner Olympiastadions – stand, nimmt einen Brauch früher antiker Wagenrennen auf. Der Sieger des Rennens bekam in der Antike eine Wollbinde als Siegeszeichen um das Haupt gewunden und einen Palmzweig überreicht.

Fotos von Dorando Pietri beim London-Marathon 1908

Immer wieder bewegend ist die tragische Geschichte des italienischen Marathon-Läufers Dorando Pietri, der 1908 in London beim Olympia-Marathon als erster ins Stadion einlief, aber auf der letzen halben Runde insgesamt fünf Mal zusammenbrach, bis ihm am Ende Ärzte und Kampfrichter über die Ziellinie halfen. Diese Hilfe führte allerdings prompt zur nachträglichen Disqualifikation.

Die Stelltafel im Sportmuseum Berlin erwähnt, dass auf der bekannten zeitgenössischen Illustration des Zieleinlaufs rechts im Bild der Sherlock-Holmes-Autor Sir Arthur Conan Doyle zu sehen sei. Der Wikipedia-Artikel über Dorando Pietri dagegen stellt fest, dass es sich hierbei um eine Legende handele.

Grafik Marathon-Strecke 1936

Weiterhin ist im Sportmuseum eine Strecken-Skizze für den Marathonlauf der Olympischen Spiele 1936 in Berlin zu sehen. Es ging damals durch den Grunewald und über die Avus, und dort auf einer Pendelstrecke mehrmals an der Tribüne vorbei (interessante Fotos von damals habe ich nicht im Sportmuseum, aber hier gefunden).

Deutsche Marathon-Geschichte: Startnummern und Laufschuhe

In einer Vitrine kommt auch ein Stück deutsch-deutscher Geschichte zum Ausdruck: neben den gesammelten Startnummern eines Läufers aus der damaligen DDR (aus Stoff und natürlich inklusive des Rennsteiglaufs, den wir im letzten Jahr auch zum ersten Mal mitgelaufen sind) kann man die Laufschuhe des ersten Berlin-Marathon-Siegers Günter Hallas bewundern. Das war 1974, in der noch geteilten Stadt.

yyyTrophäen Haile Gebrselassie nach Weltrekord

Aber auch die Lauf-Sieger der neueren Zeit haben ihre Plätze in den Vitrinen des Sportmuseums Berlin bekommen. Es werden die signierten Laufschuhe der Japanerin Naoko Takahashi (Berlin-Marathon-Siegerin 2001 in neuer Weltrekordzeit von 2:19:46, siehe allererstes Bild) und der Kenianerin Mary Keitany (die 2010 in Berlin mit einer Zeit von 1:19:53 über 25 km den Weltrekord um 2 Minuten verbesserte und gerade am 18. Februar 2011 in 1:05:50 einen neuen Weltrekord im Halbmarathon aufgestellt hat) gezeigt. Und selbstverständlich darf auch der amtierende Marathon-Weltrekordler Haile Gebrselassie nicht fehlen!

Grafik Zwischenzeiten Weltrekord Haile Gebrselassie

Beim Betrachten der Grafik mit den Zwischenzeiten seines Weltrekord-Marathons in Berlin kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Unbegreiflich, wie man solche Zeiten über 42 Kilometer laufen kann: Die beigen Kilometer sind mit 3:00 – 3:05 min die „langsamsten“, die dunkelbraunen Kilometer mit 2:49 – 2:51 min die schnellsten. Und der Hammer ist der 41. Kilometer, den Gebrselassie in sagenhaften 2:48 min zurückgelegt hat!

Die Marathon-Ausstellung im Sportmuseum Berlin ist zwar vom Umfang überschaubar, aber für jeden, der sich für das Laufen und besonders den Marathon interessiert auf jeden Fall einen Besuch wert. Der Eintritt für das Olympiapark-Gelände beträgt 1 Euro, die Ausstellung im Sportmuseum Berlin ist kostenlos.

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6 Kommentare zu “Marathon-Geschichte im Sportmuseum Berlin”

  1. Eddy sagt:

    Coole Bilder! Schade, Berlin ist nicht gerade um die Ecke; sonst hätt ich mir diesen Tag der offenen Tür garantiert auch nicht entgehen lassen…

    Schönen Sonntag!

  2. webmaster@startblog-f.de sagt:

    Das Sportmuseum ist aber auch unabhängig vom Tag der offenen Tür zu besuchen. Wenn du also mal in Berlin bist, lohnt sich ein Abstecher schon…

  3. Gerd sagt:

    Dasteht man mal wieder den Vorteil der Großstadt.
    Schöner Beitrag der Lust auf einen Besuch macht!

  4. ultraistgut sagt:

    Sehr interessant diese Ausstellung, würde ich mir auch gerne ansehen, wie lange wird sie zu sehen sein ?

  5. webmaster@startblog-f.de sagt:

    Wenn ich es richtig verstanden habe, handelt es sich um eine ständige Ausstellung. Die Website ist momentan noch etwas karg, enthält aber die Basis-Infos: http://www.sportmuseum-berlin.de/

  6. ultraistgut sagt:

    Danke !

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