Test: Knitido Marathon-Zehensocken (Marathon Toe Socks) aus Japan

Veröffentlicht am 10.02.2011 | 5 Kommentare

Knitido Marathon-Zehensocken

Kürzlich beim Japanfestival in Berlin entdeckte ich einen Stand mit japanischen Zehensocken, darunter auch Marathon-Zehensocken (Marathon Toe Socks), und fand sie zuerst eher lustig. Als ich aber später zuhause in den mitgenommenen Prospekten las, wurde mein Interesse doch etwas stärker geweckt. Die Marathon-Zehensocken versprechen viele Vorteile gegenüber „normalen“ Sockenmodellen und sind daher laut Hersteller derzeit der Hit bei Marathon-Läufern in Japan. Ich habe also das Laufen auf Japanisch mal getestet…

Vorteile der Marathon-Zehensocken

Am besten ich zitiere zu Anfang mal kurz, was der Hersteller an Vorzügen der Zehensocken so auflistet:

Wärmere Füße

Zehensocken stimulieren den Blutfluss – jeder Zeh erhält seine optimale Bewegungsfreiheit.

Hygienische Füße

Die Zehenzwischenräume bleiben trocken und Bakterien wird der Nährboden entzogen.

Aktivierung der Zehmuskeln

Durch größere Bewegungsfreiheit werden die Zehen trainiert und kräftiger – das natürliche Aussehen der Zehen wird gefördert.

Abrollverhalten und Bodengreifgefühl

Alle Zehen werden in den Laufvorgang integriert, der Fuß wird gleichmäßig belastet und die Ganghaltung stabilisiert.

Fußbewusstsein

Schon beim Anziehen werden die Füße massiert und ein neues Lebensgefühl vermittelt.

Alles wohlgemerkt Aussagen aus dem Prospekt. Klingt für den Läufer auf jeden Fall erst einmal gut, denn die Füße sind unser „tragendes Element“, ohne sie „läuft nichts“. Und wer aus diesem Grund zu Recht viel Geld und Gedanken beim Kauf von Laufschuhen investiert, sollte eigentlich ebenso intensiv auch an die Laufsocken denken.

Ich wollte also wissen, warum die japanischen Marathon-Läufer auf „Marathon Toe Socks“ schwören und habe mich in weißen Marathon-Zehensocken von Knitido auf die Laufstrecke begeben.

Läufer-Test der Marathon-Zehensocken

Das morgendliche Anziehen gestaltete sich zuerst einmal etwas umständlicher als gewohnt, aber mit den Hinweisen aus dem Prospekt klappte es wunderbar. Es wird nämlich empfohlen, in der Reihenfolge „großer Zeh, zweiter Zeh, kleiner Zeh, dritter und vierter Zeh“ vorzugehen und den Stoff jeweils kurz in die Zehenzwischenräume zu drücken. Und das funktioniert selbst beim allerersten Mal problemlos. Dann der erste prüfende Läufer-Blick nach unten: sieht lustig aus und fühlt sich lustig an.

Aber nun wurde es ernst, ich startete zum ersten Lauf – 15 Kilometer bei etwa -4 Grad. Auf den ersten Kilometern habe ich natürlich aufmerksam „in die Laufschuhe gehorcht“. Zuerst fiel mir nur auf, dass sich meine Zehen bei Kälte auch nicht anders verhalten als meine Finger: in Fingerhandschuhen friere ich leicht, das war nun bei den Zehen nicht anders. Aber wie bei den Fingern auch, wurden die Zehen durch das Laufen sehr schnell warm. Nach etwa 15 Minuten kam dann die Wirkung der einzeln verpackten Zehen kräftig durch, die Füße fühlten sich spürbar wärmer als sonst an, und auch die Antirutschbeschichtung der Socken machte sich gut, das Laufen in den Zehensocken war angenehm.

Nun sind 15 Kilometer für als „Marathon Toe Socks“ beworbene Laufsocken vergleichsweise kurz, und ich testete die Socken eine Woche später auf einem langen Lauf über 25 Kilometer. Mit 9 Grad war es deutlich wärmer, dafür regnete es leicht. Die Anfangskälte spürte ich dieses Mal nicht, die Füße waren bereits mit den ersten Laufschritten angenehm warm. Leider sind Außentemperaturen von 9 Grad nicht die ideale Voraussetzung für einen Test der beworbenen Schweißabsorption, aber da ich mehrfach durch kleine Pfützen lief, kann ich bestätigen, dass zumindest das Wasser von außen – soweit man das beurteilen kann – etwas besser aufgenommen wird. Meine Füße fühlten sich auf jeden Fall durchgehend warm und trocken an.

Die im Prospekt gepriesene Stützung des Fußgewölbes konnte ich nicht nachvollziehen. Hier ist es wohl wie bei vielen Neuheiten für Läufer: Es mag was dran sein, aber die Effekte sind spontan kaum wahrnehmbar; was nicht ausschließt, dass sie nicht auf längere Sicht zum Tragen kommen. Nach zweieinhalb Stunden im Nieselregen war ich wieder zuhause und ganz zufrieden mit den neuen Socken aus Japan.

Und es fiel mir ein bisher nicht erwähnter positiver Effekt auf: beim Ausziehen der Laufschuhe zaubert der Anblick der Marathon-Zehensocken einem selbst nach einem anstrengenden Lauf noch ein Lächeln ins Gesicht…

Marathon-Zehensocken nach dem langen Lauf

Fazit

Wenn man mal die vom Hersteller angepriesenen Vorteile der Reihe nach durchgeht, würde ich sagen:

Wärmere Füße
Ja, auf jeden Fall (abgesehen von meinen persönlichen 15-Minuten-Startschwierigkeiten bei Temperaturen unter 0 Grad).

Hygienische Füße
Ebenfalls nachvollziehbar wegen guter Nässeaufnahme.

Aktivierung der Zehmuskeln sowie Abrollverhalten und Bodengreifgefühl
Gut möglich, ist aber nach nur wenigen Läufen nicht spür- oder nachweisbar. Ich werde mal den Sommer und die langen Läufe abwarten, um das zu prüfen.

Fußbewusstsein
„Neues Lebensgefühl“ ist eindeutig zu hoch gegriffen, aber alleine durch das Anziehen und den Anblick kommt schon Freude auf. Und, ja, auch ein wenig ein neues Fußbewusstsein.

Wunder darf man also von den Marathon-Zehensocken nicht erwarten, aber eine Bereicherung des Läufer-Alltags sind sie auf jeden Fall!

PS: Besonders zu empfehlen sind die Zehensocken anscheinend für Leute, die extremer Laufen, wie z.B. Crossläufer und Ultraläufer. Mit herkömmlichen Laufsocken haben manche dieser Läufer Probleme, da sich die Socken hin und wieder beim Laufen leicht verdrehen und es so im schlimmsten Fall zur Faltenbildung und daraus resultierenden Blasen kommt. Das kann mit Zehensocken, die zudem noch mit Antirutschbeschichtung versehen sind, so nicht passieren…

Kategorien

F-Klasse-Laufen, Laufservice

5 Kommentare zu “Test: Knitido Marathon-Zehensocken (Marathon Toe Socks) aus Japan”

  1. Pierle sagt:

    Sachen gibt´s…
    Kosten die denn mehr als normale Laufsocken?

  2. webmaster@startblog-f.de sagt:

    @Carsten
    Bewegen sich mit 14-16 Euro im „normalen“ Bereich von guten Laufsocken, wie z.B. von Falke.

  3. ultraistgut sagt:

    Sehen ja schon drollig aus, aber um sie nur auszuprobieren, wären sie mir doch zu teuer, ich glaube, ich würde mich eingeengt fühlen, insbesondere und gerade bei längeren Strecken, obwohl sie unter Umständen ein guter Schutz geben Reibung = Blasen bieten könnten, was erst mal zu beweisen wäre.

    Da klebe ich mir lieber bei langen Läufen jeden einzelnen Zeh ab, das kenne ich, und ich erlebe keine Überraschungen.

    Danke für den Bericht !

  4. webmaster@startblog-f.de sagt:

    @Margitta
    Das mit dem Einengen habe ich zuerst auch befürchtet, aber erstaunlicherweise fühlt es sich doch nach wenigen Kilometern vollkommen „normal“ an.

  5. Chris sagt:

    interessant. Vielleicht landen die mal in meinem Einkaufskorb. Frischer Wind ist immer gut gegen aufkommende Langeweile.

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