Wenn Laufveranstalter den Kopf in den Sand stecken

Veröffentlicht am 30.11.2014 | 6 Kommentare

Website Strausberg-Marathon

Jetzt sitze ich hier mit Wadenproblemen und das einzige, was läuft ist erkältungsbedingt meine Nase. Bleibt also nur, die Zeit für die Laufplanung 2015 zu nutzen. Und da freut es einen natürlich, wenn plötzlich eine Mail mit einem neuen Lauf in der Nähe hereinkommt. Anlässlich des 775-Jahre-Jubiläums der Stadt Strausberg östlich von Berlin wird es einen Marathon geben, der auch noch werbewirksam auf 775 Starter begrenzt wird. Nach Marathon ist mir zwar gerade nicht so, aber neugierig bin ich doch. Und was ich dann zu sehen bekomme, erinnert mich doch sehr an Manus Artikel „11 Tipps, wie man als Laufveranstalter garantiert alle Teilnehmer vergrault“.

Liebe Veranstalter,

wenn ich 42 Kilometer laufen und dafür auch noch 77,50 Euro bezahlen soll, interessiert es mich schon, wo ich überhaupt lang laufe! Von einem schönen Landschaftslauf bis zu 105 Runden auf der Stadionbahn ist schließlich alles möglich. Mindestanforderung ist eine Streckenbeschreibung, Standard sollte aber eigentlich eine aufbereitete Streckengrafik sein. Das einzige, was ich auf der Website erfahre, ist der Start in Berlin am Strausberger Platz (ha!) und das Ziel am Flughafen Strausberg. Google sagt mir, dass es über Bundes- und Landstraßen 40-41,5 km zwischen diesen beiden Punkten sind. Klingt also nicht so spannend, einen Marathon über Ausfallstraßen immer mehr oder weniger geradeaus zu laufen. Hätte ich aber gerne mal im Detail auf einer Karte des Veranstalters gesehen.

Ein Finisher-Shirt kann man übrigens auch zusätzlich bestellen. Gezeigt wird es aber nicht. Hallo? Läufer sind aufgrund des Laufbooms offensichtlich eine solch willige Kundschaft, dass man ihnen nicht einmal mehr die Ware zeigen muss, bevor sie die „symbolischen“ 77,50 Euro zzgl. Shirt (für 7,50 oder ebenfalls 77,50? – ich habe nicht mehr nachgesehen) überweisen. Erstaunlich, dass das Ganze auch noch von keinem kleinen Strausberger Leichtathletikverein geboten wird, sondern vom großen Laufevent-Veranstalter „Berlin läuft“.

PS: Meine Heimatstadt Bremen ist deutlich über 1200 Jahre alt. Ich kann mich aber nicht daran erinnern, dort beim Marathon 120 Euro bezahlt zu haben, es waren eher 50 Euro. Bei Berlin liegt das offizielle Datum der Stadtgründung im Dunkeln. Bei einem vermuteten Datum zwischen 1228 und 1230 liegt die Teilnahmegebühr für den Marathon aber sogar deutlich über einem symbolischen Zehntel des Stadtalters ;-)

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F-Klasse-Laufen, Laufevents

6 Kommentare zu “Wenn Laufveranstalter den Kopf in den Sand stecken”

  1. Running Twin Henrik sagt:

    Es mutet wirklich ein wenig peinlich an, was da „in Strausberg“ versucht wird. Die Idee, von Berlin nach Strausberg zu laufen, finde ich an sich gar nicht so übel. Aber wenn ich als Mitorganisator einer Laufveranstaltung eins gelernt habe, dann ist es, die Streckenführung von Anfang an klar zu kommunizieren. Ich frage mich, wer da eigentlich mitlaufen soll, die Berliner oder die Strausberger? Also ich bin skeptisch, ob sie 77,5 Teilnehmer zusammenkriegen ;).

  2. Andreas sagt:

    @Henrik
    Laut Website haben sie aktuell noch 700 freie Plätze, du könntest also Recht behalten ;-) Ich glaube zumindest nicht, dass das Limit überschritten wird. Diese Strecke mal an einem ruhigen Sonntag zu laufen, kann ich mir auch gut vorstellen – dafür 77,50 Euro zu zahlen allerdings nicht.

  3. Andakawwa sagt:

    Dass die Strecke noch nicht bekannt gegeben wurde, liegt wohl vor allem daran, dass sie noch nicht endgültig feststeht. Den Startpreis finde ich auch ordentlich. Abwaten, bis hier Klarheit bezüglich der Strecke herrscht, scheint wohl nicht nur mein Gedanke zu sein. Nichtsdestotrotz habe ich bei Berlin läuft nicht den Eindruck, es geht allein ums Kasse machen . Bisher sind mir die Veranstalter sympatischer als manch anderer Berliner Organisator von Läufen. Hoffe, es gibt demnächst genaue Details. An sich finde ich die Idee dahinter durchaus interessant.

  4. Andreas sagt:

    @Andakawwa
    Prinzipiell bin ich deiner Meinung was „Berlin läuft“ betrifft. Ich finde allerdings, dass man den Status eines Events kommunizieren sollte. Sprich: Die Strecke ist garantiert schon geplant, es fehlen aber vielleicht letzte Genehmigungen – dann veröffentliche ich die Strecke und sage dazu, dass es noch Detailänderungen geben kann. Wenn nicht einmal eine grobe Strecke feststeht, wäre es sehr fahrlässig, solch ein Event schon zu bewerben.

  5. Laufhannes sagt:

    Bei deinem Screenshot hatte ich zunächst angenommen, dass sie zumindest webdesign-technisch auf der Höhe sind. Aber selbst das stimmt nicht …

    Ein sehr schönes Beispiel für „Wie man es nicht machen sollte“

  6. Andreas sagt:

    @Hannes
    Dabei gehört heute wirklich nicht viel dazu, um als Laufveranstalter im Vorfeld positiv aufzufallen! Mit den meisten Laufevents bin ich am Veranstaltungstag sehr zufrieden. Aber die Informationen im Vorfeld sind oft stark verbesserungsbedürftig…

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