31. Berliner Halbmarathon am 03.04.2011

Veröffentlicht am 05.04.2011 | 8 Kommentare

Läufer am Start des Berlin-Halbmarathon

Am vergangenen Sonntag bin ich beim 31. Berliner Halbmarathon 2011 nicht nur meinen heißesten sondern auch meinen bisher schnellsten Frühjahrs-Halbmarathon gelaufen. Trotz sehr guter Vorbereitung hatte ich mir angesichts der vorhergesagten Temperaturen schon ein wenig Sorgen um den persönlichen Rennverlauf gemacht. Gut, dass ich erst hinterher gelesen habe, dass dieser Wettkampf-Tag der heißeste 3. April seit Beginn der Wetteraufzeichnung war…

Läufer auf dem Weg zum Start

Auf dem Weg zum Startgelände war es bereits angenehm warm und die gute Laune wie immer bei uns – Andreas V., Sabine, Hartmut, Monika, Klaus und mir – gemischt mit leichten Ansätzen von Nervosität.

Medaillen-Tische vor dem Start

Netterweise kamen wir direkt an den Finisher-Medaillen vorbei, die, durch einen Zaun geschützt, für uns unerreichbar auf Tischen in der Sonne lagen. Uns war allen klar, dass man sich diese Trophäen heute etwas härter als sonst würde verdienen müssen…

Kino International und Läufer

Zum ersten Mal sollte der Start wieder an der Stelle stattfinden, an der vor vielen Jahren in der DDR bereits der Friedenslauf gestartet worden war.

Café Moskau

Hier, an der Karl-Marx-Allee, war ich damals mit Andreas II. auf der 3. Buchstabenlauf-Etappe entlang gelaufen und hatte schon damals die DDR-Architektur dieser Prachtstraße bewundert.

Hochhäusern an der Karl-Marx-Allee

Schon ein etwas merkwürdiges Bild, all diese bunten Läufer zwischen den gleichförmigen Wohnblöcken. Aber wahrlich: eine Menge Platz! Insofern waren wir alle spontan angetan von diesem neuen Start-Ambiente.

Café Albert’s

Andreas V., Klaus und ich verabschiedeten uns von Monika und Sabine (die gemeinsam weiter hinten laufen wollten) und Hartmut (der bekanntlich in einer ganz anderen, eigenen Liga läuft), liefen uns ein wenig ein und begaben uns dann in Richtung Startblock.

Blühende Bäume und Hochhäuser

Zwischen all den Hochhäusern und Läufern blühten tatsächlich bereits einige Bäume. Eigentlich könnte man den Tag jetzt genießen, wenn man sich nicht für einen Halbmarathon angemeldet hätte…

Läufer am Start des Berlin-Halbmarathon

Da standen wir also nun im Läuferfeld und die Sonne war bereits deutlich auf dem Rücken zu spüren.

Läufer vor dem Start

Auch hinter uns, in Richtung Strausberger Platz, ein schier endloses Feld wartender Läuferinnen und Läufer.

Läuferfeld nach dem Startschuss

Endlich der Startschuss! Wir drei klatschen uns ab, und los geht es. Im wahrsten Sinne, denn zuerst wird nicht gelaufen. Nicht mal langsam. Wir gehen Schritt für Schritt mit der Masse auf das Starttor zu. Wenige Meter vor der Startlinie endlich fällt die Masse in leichten Trab und dann sind wir endlich im Rennen!

Der Halbmarathon beginnt

Die ersten zwei Kilometer ist es noch ziemlich eng, auch durch eine Baustelle, die das Feld passieren muss. Ich laufe hinter Klaus beim Überholen einiger Läufer direkt an den Absperrungen entlang und mag gar nicht daran denken, wie es ausginge, wenn ich hier über einen Betonsockel der Absperrgitter stolpern würde. Immer wieder versichern wir uns, dass wir alle drei noch beisammen sind. Auf Höhe des Berliner Doms entdeckt Klaus H&M-Girl Gisele Bündchen am Horizont. Der Dame werden wir bei unserem Lauf durch die Stadt heute noch öfter begegnen.

Berliner Dom mit Läufern

Sightseeing auf die harte Tour

Nachdem wir am Alexanderplatz links abgebogen sind, geht es auf der großen Ost-West-Magistrale immer geradeaus – Karl-Liebknecht-Straße, Berliner Dom, Unter den Linden, Brandenburger Tor, Straße des 17. Juni, Siegessäule, Ernst-Reuter-Platz und dann die Otto-Suhr-Allee hinauf zum Schloss Charlottenburg. Für Touristen eine beeindruckende Ansammlung von Sehenswürdigkeiten und historischen Stätten, für den Berliner Halbmarathon-Läufer heute einfach nur 8 Kilometer Asphalt ohne Schatten. Nein, ich übertreibe, schön ist es schon, aber die Umgebung ist jetzt eher zweitrangig, denn die Wärme macht sich nun deutlich bemerkbar.

Auflösungserscheinungen

So kommt es nicht weiter überraschend, dass Klaus irgendwann nach Kilometer 7 oder 8 zart andeutet, dass er das Tempo – wir laufen bisher konstant im Bereich 4:50 bis 4:55 min/km – nicht bis zum Ende durchlaufen wird. Und auch Andreas V. macht die Wärme immer mehr zu schaffen. Mir ist ebenfalls warm, aber im Moment vertrage ich die Temperaturen (am Start waren es ca. 18 Grad, nun steigt das Thermometer stetig höher) noch ganz gut. Bald habe ich die beiden verloren und laufe ab nun alleine weiter – sofern man das in einem Läuferfeld von über 20.000 Startern sagen kann.

Halbzeit

Einige sich offensichtlich vollkommen überschätzende „Jungmänner“ sehe ich bereits nach 8 Kilometern erschöpft am Rande gehen und kann kaum glauben, wie man seine eigene Leistung so schlecht einschätzen kann. Mein erster wichtiger „Meilenstein“ ist der Getränkestand bei Kilometer 10. Ein kleines Gel einnehmen, einen Becher Wasser trinken, einen Becher Wasser über den Kopf kippen und weiter geht es! Ein Blick auf die Uhr: etwas über 49 Minuten, ich bin absolut im Plan. Ab jetzt aber wird es spannend, denn ich weiß nicht, ob ich das Tempo bei diesen Temperaturen bis zum Ende werde laufen können. Da ich mich aber gut fühle, beschließe ich, keinesfalls schneller zu werden, aber vorerst bei knapp unter 5:00 min/km zu bleiben. Mal sehen, wie lange ich es durchhalte.

Laufen mit Autopilot

Wir biegen nun auf den Ku-Damm ab, was den Vorteil hat, dass die Strecke, nach etwas Steigung auf dem vorangegangenen Abschnitt, nun leicht abschüssig ist. Es gibt sogar zeitweise einen Hauch von Erfrischung durch einen leichten Wind. Ich lasse es nun einfach „rollen“, versuche ohne allzuviele Gedanken einfach „automatisch“ zu laufen. Doch schon bald werde ich beim Anblick eines Krankenwagens wieder aus diesem Zustand gerissen, denn schräg dahinter wird gerade ein kollabierter Läufer behandelt. Ich horche kurz prüfend in mich hinein. Nein, mir geht es gut. Mir ist heiß, ich arbeite, ich bin angestrengt, aber ich laufe mein Tempo (relativ) locker.

Laufen nach Noten

Die Zuschauer entlang der Strecke sind schon klasse, besonders hier am Ku-Damm haben sich große Menschenmengen am Straßenrand gesammelt und feuern uns Läufer an. Für Zuschauer ist das Wetter natürlich ideal und so haben sich heute bestimmt noch mehr Menschen als sonst auf den Weg gemacht. Und auch mehr Bands scheint es bei diesem Halbmarathon zu geben. Wer bisher noch nie von der Kraft der Musik gehört hat, dem empfehle ich solch einen Lauf – es ist schon faszinierend, wie sich die Beine plötzlich bei lauter Musik viel leichter bewegen. Leider lässt der Effekt schnell wieder nach ;-)

Es wird immer wärmer

Erstaunt stelle ich kurz hinter dem KM-15-Schild fest, dass sich meine Waden bemerkbar machen. Ein leichtes Ziehen. Das wird doch wohl kein Wadenkrampf werden? Ich beschließe, diese Anzeichen zu ignorieren und konsequent weiter zu laufen. Inzwischen bin ich mir sicher, dass ich mein Ziel – unter 1:45 h zu laufen – heute trotz des heißen Wetters erreichen kann. Immer wieder geht mein Blick zur Uhr, und manchmal stelle ich verwundert fest, dass ich gerade 4:45 min/km laufe und nehme etwas Tempo heraus. Der zweite Erfrischungsstand (km 14) liegt noch nicht so lange hinter mir und der nächste (und letzte) ist noch weit weg. Ich freue mich schon auf die zwei Becher Wasser für Bauch und Kopf. Jetzt wird es wirklich langsam anstrengend.

Heißes Finale

Kurz hinter dem Potsdamer Platz ist es dann soweit und ich genieße die letzte Erfrischung vor der letzten Etappe. Vier Kilometer noch! Das Thermometer ist nun bei fast 25 Grad (in der Sonne sollen es 29 Grad gewesen sein) und nach einem Schlenker über Wilhelmstraße, Kochstraße und Friedrichstraße geht es am Checkpoint Charlie vorbei und dann nach rechts auf die „Zielgerade“. Gedanklich bin ich fast schon im Ziel, aber die Beine haben noch 2 Kilometer zu laufen. Der Anstieg zur Gertraudenbrücke macht mir etwas Sorgen wegen meiner Waden, die sich nun wieder melden. Aber auch das legt sich kurz darauf wieder.

Ganz weit hinten sehe ich ein Hochhaus mit einem roten Markennamen auf dem Dach. Da muss ich hin, dass ist die Sharp-Werbung an der Kreuzung von der wir gestartet sind! Kilometer 20. Das Hochhaus rückt nicht näher, die Strecke zieht sich, ich will endlich ins Ziel! Uff, da ist die Kreuzung, das Läuferfeld vor mir biegt ab, nur noch 100 Meter. Obwohl ich mir einen Endspurt bei solchen Temperaturen eigentlich verboten habe, ziehe ich doch unwillkürlich das Tempo an (laut GPS 4:25 min/km) und laufe erschöpft und glücklich über die Zielmatten. 1:44:36 h – neue Frühjahrs-Halbmarathon-Bestzeit!

Bananen-Ausgabe

Im Ziel gibt es wie gewohnt viele fleißige und freundliche Helfer, die uns Läufer mit Medaillen, Bananen, Wasser und alkoholfreiem Bier versorgen.

Läufer im Ziel

Der erste, der mir begegnet ist Hartmut, der trotz des Wetters lange vor mir mit einer Superzeit ins Ziel gekommen ist. Zufälligerweise läuft mir auch Thomas über den Weg, den ich bereits beim Halbmarathon im letzten Jahr genauso zufällig getroffen hatte. Sachen gibt’s.

Läufer mit alkoholfreiem Bier im Ziel

Gemeinsam mit Hartmut, Andreas V. und Klaus genehmige ich mir mein erstes (alkoholfreies) Bier nach einem Wettkampf, während wir auf die Frauen warten, die bald eintreffen müssen.

Halbmarathon-Finisher

Kurz darauf sind wir dann alle wieder komplett und genießen zum ersten Mal so richtig diesen sonnigen Tag.

Willi Lemke

Für mich als Werder-Fan gab es dann auch noch eine kleine Überraschung: Werder-Aufsichtsrat Willi Lemke kam direkt bei uns vorbei und wurde von Hartmut spontan um ein Foto gebeten. Und er ist tatsächlich lächelnd und bereitwillig stehen geblieben und hat bei ein bisschen Smalltalk gewartet, bis mein Handy endlich – gefühlte Stunden später – das Foto gemacht hatte. Ein durch und durch sympathischer Mann! Aber so sind wir Bremer nun mal ;-)

Bananenschalenberge

Wenn die Bananenberge immer größer werden, weiß man, dass es langsam Zeit für den Aufbruch wird und so machten wir uns schließlich auf zu den Kleider-LKWs.

Kleider-LKWs

Die Organisation des Halbmarathons hat wie gewohnt perfekt geklappt, und mit dem geräumigeren Gelände gab es nicht einmal Gedränge. Wunderbar!

Helferin im Kleider-LKW

Die vielen sympathischen Helfer, ohne die solche Veranstaltungen gar nicht stattfinden könnten, sind jedes Mal eine wahre Freude!

Läufer auf dem Heimweg

Trotz der unwirklich heißen April-Temperaturen also ein absolut gelungener Sonntagvormittag…

Die Statistik

Streckenkarte mit Zwischenzeiten

Die Strecke mit meinen Zwischenzeiten (Klick für vergrößerte Darstellung).

Grafik 1-km-Zwischenzeiten beim Halbmarathon

Meine Zwischenzeiten im 1-km-Raster…

Grafik 5-km-Zwischenzeiten beim Halbmarathon

…und im 5-km-Raster.

PS: Danke an Andreas V. für das Abholen und Nachhausebringen der kompletten Marienfelder Läufertruppe!

Kategorien

F-Klasse-Laufen, Laufevents

8 Kommentare zu “31. Berliner Halbmarathon am 03.04.2011”

  1. Eddy sagt:

    Whow, ein toller Bericht, viele tolle Bilder – und eine absolut tolle Zeit! Gratuliere Dir voller Respekt: so schnell werde ich in diesem Leben wohl nie werden… – Äh, musst Du nicht Deinen Blog umbenennen? Bei solchen Leistungen passt „startblog-f“ doch nicht wirklich… ;-)

  2. Supermario72 sagt:

    Glückwunsch! Klasse! Starke Leistung!

    Sehr schöner Bericht, den ich gut nachempfinden kann, da wir so ziemlich im gleichen „Zeitfenster“ laufen.

    Bin durch die Blogroll bei Eddy auf Deinen Blog gestoßen. Sehr schön gemacht! Da schaue ich doch glatt mal öfter rein! ;-)

    Und übrigens – als Ex-Ossi kann ich Dir versichern – diese Bananen(schalen)berge hätte es früher nicht bei uns gegeben. Daraus hätten wir uns noch mindestens einen Tee gebrüht! ;-D

    Grüße aus Köln!
    Mario

  3. Pierle sagt:

    Da hat Eddy schon recht: Mit solchen Zeiten gehört man nicht in Block F.

    Nochmals Glückwunsch zu der Wahnsinns-Zeit.

    Was für Menschenmassen sind denn da bitte unterwegs? Ich kenn bisher nur Veranstaltungen mit wenigen Hundert Teilnehmern. Diese Dimensionen sind ja unglaublich.

    Ich weiß nur noch nicht, ob ich das spannend oder abschreckend finden soll ;-)

  4. casi-online sagt:

    leute, war das heiß!!!
    unglaublich, wieviele da zusammengebrochen sind… naja, hauptsache angekommen, in 4 wochen gehts in hannover ab!

    :)

  5. webmaster@startblog-f.de sagt:

    @Eddy und Pierle
    Startblog-f bezieht sich auf meinen Marathon-Startblock, beim HM starte ich tatsächlich weiter vorne im Alphabet…
    Wenn du bisher nur familiäre Läufe mitgemacht hast, solltest du solch ein Riesen-Event ruhig mal probieren. Nicht jedermanns Sache, aber schon sehr beeindruckend, vor solcher Kulisse zu laufen.

    @Supermario72
    Würde mich freuen, dich hier öfter zu sehen, zumal wenn du ein „Gleichgesinnter“ bzw. „Gleichläufer“ bist ;-)

    @casi-online
    Ich frage mich auch, wie viele von den offiziell 25.500 Angemeldeten gar nicht erst an den Start gegangen und wie viele „auf der Strecke geblieben“ sind, denn in den Listen stehen gerade mal 20.000 Finisher. Ich hoffe, du bist halbwegs gut durchgekommen.
    Viel Glück beim Hannover-Marathon! Wir starten am selben Tag zu den 25 km von Berlin.

  6. Running Twin Marek sagt:

    Starke Leistung Andreas bei den Bedingungen. Du hast es gut drauf, dein Tempo zu laufen und nicht zu überdrehen. Genau das haben wir nicht gepackt am Sonntag. Ist das sogar ein negativer Split? Mal sehen wie es bei den BIG25 wird – hoffentlich nicht auch so warm. Wir sehen uns (irgendwann bestimmt)! Gruß aus Zeuthen, Marek

  7. webmaster@startblog-f.de sagt:

    @Marek
    Ich bin halt seeehr vorsichtig mit meinen Zielzeit-Schätzungen geworden. Und manchmal klappt es tatsächlich auch noch besser als man denkt ;-)
    Wir sind auch bei den Big25 dabei. Vielleicht sehen wir uns ja mal direkt danach beim Entspannen am Olympiastadion?

  8. ultraistgut sagt:

    Unglaublich, was sich bei einem HM in Berlin für Menschen-Massen in Bewegung setzen, das gibt es nur in einer Großstadt wie Berlin, erstaunlich auch, wie gut alles organisiert ist . Mich persönlich reizen solche Massen-Veranstaltungen nicht mehr, ist mir zu viel Gewühl, wenn man es lange genug erlebt hat, reicht es.

    Du kannst mit dir trotzallem zufrieden sein !

    Ein langer, sehr gründlicher Bericht, danke dafür !

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