Marathon bei Hitze – Gedanken vor dem Start

Veröffentlicht am 19.09.2009 | 6 Kommentare

Temperatur in der Sonne: 33,8°Ich wollte ja ohnehin den morgigen Marathon „sehr sicher“ laufen, d.h. weitab von meiner Bestzeit, um jede Gefahr eines erneuten Umkippens zu verhindern. Aber nach den Wettervorhersagen und einigen Temperatur-Messungen am heutigen Samstagvormittag habe ich auch meine bisherigen, vorsichtigen Zeitziele noch einmal deutlich nach unten korrigiert…

Unter normalen Umständen hätte ich versucht, die im letzten Jahr knapp verpassten 3:45 h zu erreichen. Durch meinen Zusammenbruch bei der City-Nacht hatte ich natürlich davon Abstand genommen und (trotzdem noch ein bisschen ehrgeizig) mir wenigstens die 4-Stunden-Marke zum Ziel gesetzt. Heute, am Vortag, soll es aber 24° warm werden und morgen sogar 26°-27°. Mmh, hört sich schon mal warm an. Aber wie warm wird es denn morgen früh wirklich um die Marathon-Laufzeit?

Wie heiß ist es denn beim Marathon in der Sonne?

Da ich das genau wissen wollte, habe ich einfach abwechselnd (wir haben leider nur ein Außenthermometer) das Thermometer in den Schatten und in die Sonne gelegt. Und das kam dabei heraus:

  • 09:00 Uhr = 13° im Schatten
  • 10:00 Uhr = 15° im Schatten
  • 11:00 Uhr = 17° im Schatten
  • 11:30 Uhr = 29,9° in der Sonne
  • 12:00 Uhr = 19,9° im Schatten
  • 12:30 Uhr = 33,3° in der Sonne
  • 13:00 Uhr = 21,3° im Schatten
  • 13:30 Uhr = 33,7° in der Sonne
  • 14:00 Uhr = 23,1° im Schatten

Ich war richtig platt, als ich die Sonnen-Temperaturen gesehen habe. Klar, es kann Messungenauigkeiten geben, aber morgen soll es ja noch wärmer werden als heute! Soviel steht fest: Wer morgen beim Berlin-Marathon antritt, um eine neue Bestzeit zu laufen, wird bitter enttäuscht werden – und wer es trotzdem versucht, wird eine sehr, sehr harte Zeit haben!

Und dass mir ja keiner mit Haile und Duncan Kibet kommt! Die sind Profis, stammen aus warmen Ländern und haben in der Vorbereitung etliche lange Läufe bei hohen Temperaturen absolviert. Abgesehen davon, hat auch Haile Gebrselassie mal erwähnt, dass für ihn die optimale Marathon-Temperatur bei ca. 16°-18° liege. An eine Verbesserung des Marathon-Weltrekords glaube ich bei den Temperaturen nicht. Was für die beiden wahrscheinlich eine Verschlechterung ihrer Bestzeit um 1-2 Minuten bedeuten kann, sieht für uns Normalsterbliche deutlich anders aus…

Die Beeinträchtigung der Leistung bei einem Hitze-Marathon

Bei Hubert Beck (Das große Buch vom Marathon) kann man nachlesen, dass die Außentemperatur die Ausdauerleistung erheblich beeinträchtigt. Die Pulsfrequenz steige oberhalb  von 18° exponentiell an und der Puls liege bis zu 15 Schläge über Normalniveau. Beck gibt an, dass sich bei einer Temperatur von über 18° die Marathonzeit um ca. 2 Minuten verlangsamt, was bei 28° dann etwa 20 Minuten ausmacht, sofern der Läufer nicht in der Vorbereitung spezielles Hitzetraining (wir sprechen von langen Läufen bei mindestens 30°!) absolviert hat.

Und wie schnell laufe ich nun den Marathon bei solch hohen Temperaturen?

Ja, was bedeutet das für mich? Dass ich wohl mit einer „auf Sicherheit“ gelaufenen Zeit von 4:15 h noch ganz gut bedient wäre und ein Zieleinlauf (gesund und wohlauf) bei 4:30 h auch vorkommen kann. Das ist nicht das, was man sich nach 3 Monaten guter Vorbereitung mit einem ursprünglichen Zeitziel von 3:45 h erträumt hat, aber wie sagte doch Bernd so schön?

Lass dir Zeit und genieße den Lauf!

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6 Kommentare zu “Marathon bei Hitze – Gedanken vor dem Start”

  1. Hannes sagt:

    Die Temperaturen sind derzeit wirklich wieder der Hammer. Hier auf der Insel erträgt man das mit dem Wind noch wunderbar – aber morgen Marathon laufen, in der Stadt – da wird das Wetter wirklich zur Qual.

    Ich bin aber auf jeden Fall stolz auf dich, dass du so vernünftig bist und deine Zeitziele noch einmal runter setzt. Andere werden da sicherlich nur denken: Oh je, so wird das echt hart – das Ziel bleibt aber das Gleiche.

    Alles Gute für morgen!

  2. Sven sagt:

    Hallo Andreas,

    ich bin gespannt auf deinen After-Run-Bericht hier :-) Vorab schonmal meinen Glückwunsch zum erfolgreichen Finish (wenn ich das richtig in der Ergebnisliste gefunden habe…).

    Ich lese hier seit einiger Zeit aufmerksam (und bisher heimlich) mit. Der Grund ist ganz einfach: Beim Halbmarthon im Frühjahr hatte ich ein ähnliches „Erlebnis“ wie du etwas später, ich war sogar ein par Tage in ärztlicher Obhut…

    Deine Gedanken zur Temeperatur vor dem gestrigen Lauf hätte ich mal eher lesen sollen. Ich habe mich vom ehrgeizigen Ziel das Vorjahresergebnis (3:42) zu erreichen erst während des Laufs endgültig verabschiedet, aber umso schmerzhafter. Von genießen keine Spur, aber DURCHHALTEN ist doch auch was. Also, es kommen auch wieder bessere (schnellere) Zeiten.
    Sven

  3. Dieter sagt:

    Andreas, dir und Deinen Mitstreitern herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Berlinmarathon.
    Danke für Deine aufklärenden Worte. Deine Wetter- und Laufprognose hat sich voll auf bestätigt. Ich bin der lebendige Beweis. Anfangs war ich mit meiner gelaufenen Zeit nicht ganz zu frieden. Nachdem ich aber deine Gedanken zum Hitzemarathon las, habe ich mich mit mir sofort wieder ausgesöhnt und bin sehr zufrieden mit meiner Leistung. So gehe ich jetzt frohen Mutes in die nächste Marathonvorbereitung. Im übrigen kommt es beim Marathon nicht darauf an, Haile zu sein, sondern Heile anzukommen

  4. webmaster@startblog-f.de sagt:

    Hallo Sven,

    ja, ich bin gut durchgekommen. Mit einer sehr mittelprächtigen Zeit, aber das war ja auch einkalkuliert bzw. sogar angestrebt. Gut, auch mal von einem Leidensgenossen zu hören. Sanitäter im Wettkampf möchte ich nie wieder von so nahem sehen.

    Schön, dass du es noch geschafft hast gesund ins Ziel zu kommen, es waren ja etliche zu sehen, die sich offensichtlich total verschätzt hatten und denen es gar nicht gut ging…

  5. Mensch Dieter, ich bin ja nur 34 Sekunden vor dir im Ziel gewesen! Da hätten wir doch gemeinsam den Zieleinlauf genießen können! Und nächstes Jahr, bei 17 Grad, laufen wir auch wieder deutlich schneller…

  6. Dieter sagt:

    Andreas, nächstes mal machen wir es besser. 2010 wird der Berlinmarathon mein Jubilee-Lauf (10x) sein und warum nicht gemeinsam durchs Ziel.

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