16. Kondius Marathon-Staffel am 16.11.2008

Veröffentlicht am 18.11.2008 | 3 Kommentare

Startfeld bei der 16. Kondius Marathon-Staffel

Mein letzter Wettkampf für das Jahr 2008 fand gestern, am Sonntag, bei sehr guten Wetterverhältnissen – etwa 11°, wechselnd sonnig und bewölkt, leicht windig – statt. Für das Team der Marienfelder Schleicher ging ich als zweiter Läufer bei der Marathon-Staffel im Berliner Grunewald an den Start…

Teilnehmer der Marathon-Staffel

Die Marathon-Distanz von 42,195 km wird dabei aufgeteilt in 12 km, 10 km, 5 km, 10 km und abschließend 5,195 km von fünf Läufern bzw. Läuferinnen gelaufen. Dieses Jahr waren fast 800 Staffeln am Start und so tummelten sich schon allerhand Leute auf dem Gelände der Julius-Hirsch-Sportanlage, als Hartmut und ich als erste Delegation der Marienfelder Schleicher (die anderen drei durften mal wieder länger schlafen) ankamen.

Die Wartezeit verging wie im Fluge mit Startunterlagen abholen, Gesprächen mit anderen Läufern, umziehen, Toilettengang, warmlaufen und diversen anderen Kleinigkeiten, und ehe wir uns versahen, musste Hartmut als erster Läufer über die 12-km-Distanz an den Start.

Das Rennen beginnt

Start bei der 16. Kondius Marathon-Staffel

Ich bin ja eigentlich sehr zufrieden mit meiner Rolle als Zweiter, aber in diesem Moment war ich doch ein wenig neidisch, denn der erste Läufer hat natürlich den offiziellen Start inklusive der Startmusik, die bei mir immer den Puls schon etwas hochgehen lässt, für sich. Startschuss und ab ging’s… von Hartmut war in dem Getümmel allerdings nichts zu sehen.

12-km-Läufer der Marathon-Staffel

Vor dem Lauf hatte er mir als Durchgangszeit für seine erste Hälfte etwa 25 Minuten angesagt (für 6 Kilometer! andere Liga, sage ich nur) und ich verstand die Welt plötzlich nicht mehr, als er unerwartet bereits nach etwas mehr als 22 Minuten auftauchte. Das konnte nicht sein… (hinterher stellte sich heraus, dass die 1. Runde versehentlich einige hundert Meter kürzer gewesen war)

Für den Moment war ich ziemlich verwirrt: Hartmut war eindeutig auf Rekordkurs und ich musste machen, dass ich rechtzeitig mit dem Umziehen fertig wurde ;-)

Plan von der Strecke der 16. Marathon-Staffel

Mein Einsatz kam immer näher. Leicht aufgeregt wartete ich in der Wechselzone zwischen den anderen Nummer-2-Läufern darauf, dass Hartmut auf der kleinen Anhöhe bei den Zeitmessmatten auftauchen würde. Da kam er schon angerauscht. Ich bahnte mir einen Weg durch die wartenden Läufer, Hartmut rief mir irgendetwas entgegen, was ich nicht verstand, klatschte ab, ich rief im Loslaufen noch ein paar Worte zurück… und schon war ich auf der Strecke (die Kilometermarkierungen auf der Karte – nachgemessen bei Google – stimmen übrigens nicht 100%ig mit denen vor Ort überein, ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob die Strecke exakt eingezeichnet ist).

Zeitverschiebung

Wie üblich, kam mir zu Beginn alles ein wenig zu schnell vor, aber nach ein paar hundert Metern gewöhnte ich mich an das hohe Tempo. Kurz vor dem Schmetterlingsplatz tauchte dann auch schon das Kilometer-1-Schild auf. Ein kurzer Blick auf meine Uhr zeigte an, dass ich sogar etwas zu schnell war: 4:20 Minuten (ein verhängnisvoller Irrtum, wie sich später herausstellte, denn ich hatte die Stoppuhr aktiviert, nachdem Hartmut an mich übergeben hatte; meine offizielle Zeit lief aber natürlich bereits seit er die Messmatte passiert hatte).

Ich fühlte mich also absolut im Soll, denn geplant war, meine 10-km-Bestzeit zu übertreffen und möglichst sogar unter die 45-Minuten-Marke zu kommen. Auffällig auf diesen ersten Kilometern war, dass ich wirklich absolut frei laufen konnte: keine Pulks, kein Gedränge, vor mir immer nur 5-10 Läufer zu sehen. Ich überholte nach und nach einige von ihnen und wurde gelegentlich (glücklicherweise selten) von den superschnellen Läufern mit deutlich höherer Geschwindigkeit überholt.

Tempolimit

Mein Tempo war, nun ja, ambitioniert. Ich spürte deutlich, dass es nicht einfach werden würde, mein Zeitziel zu erreichen. Bei jedem Kilometerschild ein kurzer Blick auf die Uhr, ja, noch etwas unterhalb des Solls. Die erste Runde war nun fast vorüber, ich bog in den Ziel- und Wechselbereich ein. Ungefähr 22:30 Minuten, exakt in der Zeit. Hartmut und Joachim, der inzwischen eingetroffen war, winkten mir zu. Tut gut, aber muss ich jetzt wirklich noch so eine Runde bei dem Tempo laufen?

Jetzt wird es hart für mich. Eigentlich liegen mir diese 2-Runden-Rennen: das Gefühl, exakt zu wissen, was am Ende noch kommt und einen nach dem anderen Restkilometer „abzuhaken“. Aber ab Kilometer 7 muss ich nun ernsthaft kämpfen, um das Tempo zu halten. Ich habe keine Ahnung mehr, ob ich schneller oder langsamer werde. Das Auf-die-Uhr-gucken-und-rechnen ist mir zu mühsam geworden. Die Beine werden allmählich müde.

Gedankenspiele

Ich versuche mich mit den Gedanken an die erfolgreichen Läufe dieses Jahres – die letzten Kilometer des 25-km-Laufs zum Olympiastadion! – zu motivieren, aber es will zuerst nicht so recht gelingen. Komm schon, du willst diese letzte Bestzeit des Jahres, du hast noch Kraft, versuche ich mir einzureden. Fragt mich nicht wie, aber irgendwann hat es dann endlich funktioniert: ich weiß, dass ich müde bin, ich weiß, dass ich das hier eigentlich nicht machen muss – aber ich will jetzt durchhalten, ich will unter diese magischen 45 Minuten laufen!

Auf den letzten 2 Kilometern geht es die endlos lange Teufelsseechaussee entlang, gnädigerweise meist leicht abwärts. Ich schließe wieder zu Läufern vor mir auf. Bleibe ich dahinter? Ist doch eigentlich ein gutes Tempo. Nein, ich werde ja langsamer. Langsam ziehe ich vorbei. Das geht einige Male so, bis ich hinter einer Läuferin lande, die dann doch unüberholbar erscheint. Ich kämpfe, ich will dranbleiben. Mein Atem rast. So laufen wir im Tandem auf die Abbiegung in den Maikäferpfad zu. Meine Uhr zeigt beim 9. Kilometer 40 Minuten + x und ich weiß: ich kann es schaffen, aber nur, wenn ich noch einen Zahn drauflege!

Maikäfer flieg!

Wer die Strecke kennt, weiß, dass der Maikäferpfad nicht gerade geschaffen ist für eine Temposteigerung auf dem letzten Kilometer: es geht auf einem mit vielen holprigen Steinen befestigten Waldweg deutlich bergauf. So hart habe ich noch bei keinem Wettkampf zuvor gekämpft. Ich versuche, noch einmal alles zu geben, überhole endlich die Läuferin vor mir und noch ein, zwei andere Läufer auf dem schmalen Weg.

Meine Beine werden weich, ich laufe nicht mehr sicher. Der Gedanke „Wenn ich jetzt stolpere ist es aus!“ schießt mir durch den Kopf. Endlich, die Leute an der letzten Kurve klatschen. Ich biege auf die Zielgrade ein. Hier stehen viele Zuschauer und bilden eine zum Teil enge Gasse. Ich bekomme nicht mehr alles genau mit, weiß nur, dass ich dem Ziel nahe bin. Der letzte Schlenker durch die Gitterabsperrungen, da vorne sind die Messmatten. Geschafft! Ich will nicht mehr, will nur noch stehenbleiben, aber wo ist Joachim, unser Läufer Nummer 3? Da vorne, er winkt! Ich bin so fertig, das ich nur noch denke „Ich will jetzt keinen Meter weiter. Warum kann er mir nicht ein bisschen entgegen kommen?“ Dann bin ich aber bei ihm, klatsche ab und er läuft los.

Monika und Hartmut nehmen mich in der Wechselzone in Empfang. An ihren besorgten Blicken erkenne ich, dass ich anscheinend so aussehe, wie ich mich jetzt fühle. Ich brauche ein paar Minuten, bis ich wieder ansprechbar bin, aber dann kommt die Freude hoch: Geschafft! Und was auch immer die Uhr angezeigt haben mag – ich hatte im Ziel vergessen zu stoppen – persönliche 10-km-Bestzeit war es auf jeden Fall.

Der Nächste, bitte…

Läufer in der WechselzoneLäuferin in der Wechselzone der Marathon-Staffel

Während ich langsam wieder zu Kräften kam, lief Joachim seine schnelle 5-km-Runde. Ich war kaum umgezogen, da brachen wir schon auf, um Monika zur Wechselzone zu begleiten und Marienfelder Schleicher Nr. 3 in Empfang zu nehmen. Freudestrahlend stellte Joachim fest, dass er auf seiner Runde 83 Läufer überholt hatte und selber von nur 21 überholt wurde. Toll!

Nun war also Monika unterwegs, die offiziell Mannschaftsführerin unseres Männerteams war. Nachdem sie leider vor Wochen den Marathon hatte absagen müssen, war sie – nach einer tollen Marathon-Vorbereitung mit anschließender längerer Pause – erst vor kurzem wieder ins Training eingestiegen und wir waren alle gespannt, wie es ihr auf ihren 10 Kilometern ergehen würde. Die Freude war groß, als sie erschöpft, aber entspannt und zufrieden mit sich, mit einer sehr guten Zeit wieder ins Ziel kam!

Läufer der Marathon-Staffel

Alles hat ein Ende…

Jetzt wurde es spannend. Thomas, unser letzter Läufer, wurde auf die Reise geschickt. Er hatte erst am Abend zuvor von seinem Einsatz erfahren, da unser ursprünglich eingeplanter Schlussläufer krankheitsbedingt nicht starten konnte. So kann es einem ergehen: man ist abends auf einer netten Party und wird plötzlich angesprochen, da wäre doch morgen so eine Marathon-Staffel und es würde dringend ein Läufer für die letzten 5,195 Kilometer gesucht, ob man nicht Lust hätte…? Und ehe man sich versieht, findet man sich rennend im Grunewald wieder!

Läufer mit Wurst und BierBananen für die Läufer

Während also Thomas sein Bestes gab, kümmerten wir anderen uns um die Nahrungsaufnahme. Läufer-Ernährung nimmt ja mitunter ganz unterschiedliche Formen an und so stillten wir den kleinen Hunger nach dem Lauf mit Keksen, Mars, Äpfeln, Bananen und Currywurst und spülten diese Kalorien dann mit Tee und Bier hinunter.

Sieger der 16. Kondius Marathon-Staffel

Es war gerade noch Zeit die Siegerehrung der Männer zu sehen (der Lang- und Laufladen gewann vor den Läufern von JK Running und dem LTC Berlin), da mussten wir auch schon in den Zielbereich. Jede Minute konnte jetzt Thomas um die Ecke kommen.

Läufer vor dem ZielZiel der Marathon-Staffel

Da tauchte er am Ende der Wiese auf. Der Blick auf die Zieluhr ließ uns ganz hippelig werden. Noch nicht mal 3:10 Stunden, ob Thomas noch darunter würde bleiben können? Strahlend lief er an uns vorbei und wir konnten es gar nicht fassen. Klasse! Ein neuer Rekord für die Marienfelder Schleicher: Platz 103 in 3:09:47 Std.!

Marienfelder Schleicher nach der Marathon-Staffel 2008

Ein wirklich gelungener Jahresabschluss des Laufjahres 2008. In euphorischer Stimmung machten wir uns auf den Heimweg. Erst am Abend habe ich durch Hartmut, der im Internet bei den offiziellen Ergebnissen nachgeschaut hatte, erfahren, dass ich mit 45:08 Minuten knapp an meiner Traumzeit vorbeigeschrammt war, aber das tat meiner guten Laune keinen Abbruch mehr. Marienfelder Schleicher, das war ein toller Lauftag mit euch!

Jahr Zeit Platz
2008 3:09:47 103
2007 3:33:01 277
2006 3:16:14 137
2005 3:18:31 129
2004 3:26:39 195
2003 3:41:15 308

Kategorien

F-Klasse-Laufen, Laufevents

3 Kommentare zu “16. Kondius Marathon-Staffel am 16.11.2008”

  1. Hannes sagt:

    Wow! Ein klasse Bericht, macht wirklich Spaß den zu lesen.
    Gratulation natürlich zu dem Erfolg – einerseits dem tollen Marathon als Mannschaft und natürlich auch zur persönlichen Bestzeit.
    In der Ergebnisliste gibt es scheinbar keine Splitzeiten für die einzelnen Läufer – oder weißt du inzwischen deine genaue Bestzeit?

  2. webmaster@startblog-f.de sagt:

    Die Ergebnisdatenbank beim SCC Running ist leider etwas mager, aber bei den Dateidownloads findest du das PDF mit den ausführlichen Zeiten.

    Meine Bestzeit sind tatsächlich die im Bericht erwähnten 45:08 Minuten. Nichts im Vergleich zu deiner 10-km-Bestzeit, wie ich soeben in deinem übrigens auch sehr interessanten Bericht über den Mitternachtslauf in Heiligenhafen gelesen habe. Da ging es dir ja wie mir – nur auf höherem Niveau ;-)

    Wenn ich mich recht erinnere ist übrigens Laufkollege Hartmut diesen Lauf in Heiligenhafen auch gelaufen…

  3. klaus sagt:

    super spannend geschrieben – gratulationen zur bestzeit von dir und von den marienfelder schleichern. müssen wir uns etwa einen neuen namen zulegen?

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