Lauf-Blog für Läuferinnen und Läufer der F-Klasse

Wie laufe ich in Corona-Zeiten?

Veröffentlicht am 29.03.2020 | 4 Kommentare

Rot leuchtende Sonne scheint zwischen Birken am Berliner Mauerweg

Aufgrund der Corona-Pandemie gibt es deutschlandweit Kontaktverbote, sportliche Aktivitäten an der frischen Luft sind aber noch erlaubt. Ich habe euch mal aufgeschrieben, wie ich in dieser besonderen Situation laufe…

Allein

Klar, allein, denn aufgrund des Kontaktverbots ist es nicht gestattet, in Gruppen zu laufen. Das tut weh – die Läufe mit meinen Freunden fehlen mir schon sehr – ist aber nicht zu ändern. Hilfreich ist, dass ich schon immer ganz gut mit der Einsamkeit des Langstreckenläufers (gutes Buch übrigens) zurechtkam. In der Gruppe ist’s aber definitiv schöner. Und das kommt auch wieder. Irgendwann.

Früh

Ich versuche, weitestgehend Leute zu vermeiden. Nicht unbedingt, weil ich Angst vor einer Ansteckung hätte. Hauptsächlich, weil ich niemanden verängstigen möchte, der mir auf einem schmalen Weg begegnet. Übertrieben? Mag sein. Ist aber mein Gefühl. Deshalb laufe ich meist sehr früh. Bin ich allerdings schon immer. Jetzt aber meist noch einen Tick früher.

Weit draußen

Waldweg bei Kleinbeeren

Aus demselben Grund wie gerade eben beschrieben, vermeide ich auch Läufe durch die Straßen. Da wir recht nah am Stadtrand wohnen, bin ich nach einem halben Kilometer im Park, der geht über in einen weiteren Park, dann kommt ein Wäldchen und dann bin ich auf dem Berliner Mauerweg. Perfekt. Die sonstigen Straßenrunden lasse ich aktuell weg. Auch, weil ich aktuell als Läufer immer ein kleines bisschen ein schlechtes Gewissen habe. Ich „darf“ bei schönstem Frühlingswetter draußen sein und nach wie vor meinem Hobby nachgehen, während andere vielleicht sehnsüchtig am Fenster sitzen und Trübsal blasen. Vielleicht mache ich mir da auch zuviel Gedanken. „Weit draußen“ hat mir aber schon immer gefallen, es ist also kein Problem, das auf alle meine Läufe auszudehnen.

Wettkampflos

Die geplanten Wettkämpfe des Frühjahrs sind abgesagt oder befinden sich kurz davor. Es ist mir ein Rätsel, warum sowohl der rbb-Lauf (26. April, letztes Jahr fast 1.800 Teilnehmer) als auch der S25 (3. Mai, letztes Jahr 10.000 Teilnehmer) mit Verweis auf die Behörden bisher nicht abgesagt wurden (Stand heute 29.03., 13 Uhr). Bis zum 20. April darf ich derzeit nicht mal zu zweit durch die Gegend laufen, aber 6 bzw. 13 Tage später an einer Lauf-Großveranstaltung teilnehmen? Wie und mit welcher Begründung soll denn das gehen? Ich habe vollstes Verständnis für die finanzielle Lage der Veranstalter – und es sind definitiv zwei meiner Lieblings-Events – aber das finde ich doch ein wenig zu viel Herumgeeiere. Wir sehen uns im nächsten Jahr, Glienicker Brücke und Olympiastadion!

Sinnlos?

Für manche Läuferin und manchen Läufer stellt sich in diesen Tagen die Sinnfrage: Wenn alle Wettkämpfe abgesagt werden, wofür trainiere ich dann eigentlich noch? Die Antwort darauf muss jeder selber finden. Meine Antwort lautet: Für die Gesundheit, gerade in diesen Zeiten. Und weil man so zu etwas Tageslicht und frischer Frühlingsluft kommt, die auch die trüben Gedanken vertreiben. Es macht wohl keinen Sinn, den Halbmarathon- oder Marathon-Trainingsplan nach wie vor eisern durchzuhalten. Aber es ist auch kein Grund, nur noch lustlos vor sich hinzutraben. Irgendwann wird es wieder Lauf-Events geben, und dann wollt ihr ja nicht wieder bei Null anfangen, oder?

Moderat

Ich mache nach wie vor meine Tempoläufe, allerdings mit etwas weniger Ambitionen und leicht reduzierter Geschwindigkeit und Länge. Warum? Aus demselben Grund, aus dem ich auch Aktionen wie etwa #coronathon nicht nur gut finde: Sportmediziner sind in diesen Tagen ausdrücklich dafür, weiter Sport zu treiben. Es gibt aber auch Warnungen vor dem „Open Window“ (ganz gut hier erklärt). Bei übermäßiger (Wettkampf-)Belastung ist die Immunabwehr des Körpers danach nämlich geschwächt und man fängt sich schneller eine Infektion ein – etwas, das wir in diesen Tagen alle gemeinsam vermeiden wollen. Natürlich treibt auch mich weiterhin ab und zu der Ehrgeiz im Training dazu, etwas schneller zu laufen. Aber ich versuche, es im moderaten Bereich zu belassen. Wozu auch ausgerechnet jetzt Trainingsrekorde aufstellen?

Geschützt?

Brauche ich als Läuferin oder Läufer derzeit besonderen Schutz, eine besondere Ausrüstung? Für meine Läufe ist die Antwort – wegen „Allein“, „Früh“, „Weit draußen“ – nein. Momentan ist es in Berlin, gerade frühmorgens, recht kalt, weshalb ich ohnehin Handschuhe anhabe. Die hatten aber infektionstechnisch nur neulich eine Funktion, als ich die leeren Flaschen eines Trinkgelages am Waldrand etwas aufgeräumt habe. Ein Schlauchtuch oder einen sonstigen Mundschutz trage ich nicht. Zum einen, weil ich mich ohnehin niemandem auf mehr als 3 Meter nähere, und zum anderen, weil ich die Dinger beim Laufen noch nie ertragen konnte. Bereits nach kürzester Zeit sind sie von der Atemluft innen unangenehm feucht und behindern das Atmen. Mal abgesehen davon, dass meines Wissens feuchte Atemmasken auch keinen Schutz gegen Infektionen mehr bieten. Wenn jemand da anderes weiß, wäre ich für eine Info dankbar. Falls ihr mit Mundschutz, Schlauchtuch, etc. lauft, macht das bitte auf jeden Fall weiterhin. Es ist nur so, dass es mir nicht liegt.

Hoffnungsvoll

Bei all dem, was uns derzeit belastet, ist Laufen ein wichtiger Ausgleich. Das möchte ich keinesfalls missen.

Und irgendwann kommt die Zeit, da laufen wir wieder gemeinsam, da trainieren wir wieder mit großen Zielen, da sehen wir uns wieder bei fröhlichen Laufevents. Darauf freue ich mich!

Wie geht ihr mit eurem Lauftraining in der aktuellen Lage um?

Update 04.04.2020

Ich nehme meine o.g. Vorwürfe an die Wettkampf-Veranstalter zurück. In der Zwischenzeit hatte ich Kontakt zu den Organisatoren des rbb-Laufs, die mich auf ein entscheidendes Detail hingewiesen haben: Liegt keine offizielle amtliche Absage vor, sind sie in diesem Fall nicht nur rückzahlungspflichtig, sie müssen sogar Schadenersatz leisten, wenn sie den Lauf von sich aus absagen! Und das, wo schon hohe Kosten in der Vorbereitung angefallen sind und Sponsoren nun abspringen… Entschuldigt bitte, liebe Veranstalter, diese rechtlichen Zusammenhänge waren mir nicht klar.

Kategorien

F-Klasse-Laufen, Lauferfahrungen

4 Kommentare zu “Wie laufe ich in Corona-Zeiten?”

  1. Thomas sagt:

    Hi Andreas,

    das könnte ich fast alles unterschreiben. Einzig mit dem „Wettkampftraining“ halte ich es anders. Mir hilft es sehr, wenn ich einen Trainingplan habe, daher bin ich einfach in einen neuen 10-km-Plan gestartet – ohne am Ende einen geplanten Lauf zu haben. Dazu gehören natürlich auch Intervalle – sicher gefolgt von dem angesprochenen „Open Window“-Effekt. Allerdings ist es auch bei mir so, dass ich beim Laufen mit niemandem Kontakt habe und auch sonst durch Homeoffice total isoliert bin. Das Risiko hält sich also in Grenzen. Ich brauche die Belastung aber einfach auch für den Kopf, um durch die anstrengende Zeit zu kommen.

    Herzliche Grüße

    Thomas

  2. Andreas sagt:

    Hallo Thomas,
    da hast du vollkommen Recht, würde ich unter den Umständen genauso machen. Und es ist ja auch tatsächlich sehr nötig, sich in diesen Tagen und Wochen mal den Kopf „leer zu laufen“.

    Viel Spaß und Erfolg weiterhin bei deinem Training!
    Andreas

  3. Marko sagt:

    Ich denke, der „Sinn“ des Laufens sollten nicht die Wettkämpfe sein. Deshalb halte ich auch weiter an meinem Trainingsrhythmus fest, vielleicht mit ein zwei zusätzlichen Ruhetagen. Jetzt einfach aufzuhören bringt eher nur zusätzliche mentale Probleme, da man die Situation dann auch nicht mehr so gut verarbeitet wie beim Lauftraining.

  4. Andreas sagt:

    Hallo Marko,
    du bringst es auf den Punkt: Wettkämpfe können dazugehören, müssen aber nicht. Wem das Laufleben ohne Wettkämpfe sinnlos erscheint, der macht meiner Meinung nach etwas falsch.

    Viel Spaß weiterhin mit deinem Training!
    Andreas

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