Olympia-Fackelläufer 1936 in Marienfelde

Veröffentlicht am 10.01.2015 | 2 Kommentare

Olympia 1936: Fackelläufer auf einer Allee bei Berlin-Marienfelde

Vor vielen Monaten erzählte mir Klaus von einem Foto, das er im Bundesarchiv entdeckt hatte. Ein Fackelläufer mit Begleitläufern auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 1936 in Berlin. Das Besondere an dem Foto: Die Läufer auf dieser Allee, umrahmt von Zuschauern mit Nazigruß, laufen da, wo wir jetzt auch laufen, in Berlin-Marienfelde! Wir sind also recht nahe dran an einem dunklen Kapitel der (Sport-)Geschichte…

1936 – Begleitmannschaft vom Olympischen Komitee in Berlin-Marienfelde und Presse, Höhe Krug-Drogerie 20

Nach ein wenig Recherche habe ich dank des Arbeitskreises Historisches Marienfelde weitere Fotos vom Lauf der Olympia-Fackelläufer durch Berlin-Marienfelde entdeckt, die der Sammlung Hans-Werner Fabarius entstammen.

1936 – Olympiafieber beim Eintreffen des Fackelläufers am Nassen Dreieck in Berlin-Marienfelde

Dieses Foto zeigt den Fackelläufer am „Nassen Dreieck“, einer Straßenecke, die aufgrund der dort befindlichen drei Gaststätten so genannt wurde. Die Bezeichnung existiert noch heute, nur dass sich nun dort, wo auf dem alten Foto eine euphorische Menge mit Nazigruß den Fackelläufer empfängt, ein italienisches Eiscafé und Restaurant befindet – und auf der anderen Seite der Straße ein kroatisches und ein chinesisches Restaurant. Welch ein Kontrast zur schwarz-weißen Vergangenheit des Fotos!

Olympia 1936 – Eintreffen des Fackelläufers am Nassen Dreieck, Höhe Schulgarten, in Berlin-Marienfelde

Auf dem letzten Foto der Reihe sieht man die Läufer auf Höhe des damaligen Schulgartens auf der Straße stadteinwärts laufen, die heute Marienfelder Allee heißt.

Mich haben diese alten Aufnahmen sehr beschäftigt. Wie alle Schüler habe auch ich stundenlang im Geschichtsunterricht das „Dritte Reich“ durcharbeiten müssen, aber die Gedanken bekommen eine andere Dimension, wenn man einen direkten Bezug zum eigenen Leben herstellen kann. Dass diese Menschen auf den Fotos genau da jubeln und laufen, wo ich auch heute mit meinen Freunden laufe, das macht nachdenklich.

Dazu kommt, dass die Olympischen Spiele 1936, die von den Nationalsozialisten für ihre Propaganda missbraucht wurden, im Berliner Olympiastadion stattfanden, wo ich bereits mehrmals ins Ziel des Big 25 gelaufen bin.

Laufen ist ein so schöner Sport, aber man sollte die Vergangenheit nicht vergessen und sich darüber freuen, dass man heute und hier laufen kann, wo, wann und mit wem man möchte. Und wachsam sein, dass das so bleibt.

Glauben Sie mir, diejenigen der internationalen Sportler, die nach Berlin gehen, werden dort nichts anderes sein als Gladiatoren, Gefangene und Spaßmacher eines Diktators, der sich bereits als Herr dieser Welt fühlt.“
Heinrich Mann auf der Konferenz zur Verteidigung der Olympischen Idee am 6. und 7. Juni 1936 in Paris

Ich danke dem Arbeitskreis Historisches Marienfelde für die Hilfe und die Erlaubnis, die Fotos zu veröffentlichen. Das erste Foto entstammt dem Bundesarchiv.

Kategorien

F-Klasse-Laufen, Laufgeschichte

2 Kommentare zu “Olympia-Fackelläufer 1936 in Marienfelde”

  1. Claudi sagt:

    Das ist ja wirklich interessant! Danke für’s zeigen…
    Mir geht es manchmal ähnlich, wie Dir. Hier in Frankfurt gibt es vor vielen Häusern goldenen Pflastersteine mit den Namen der deportierten jüdischen ehemaligen Bewohner, die niemals zurückkehrten… das macht mich auch oft nachdenklich und gibt mir einen ganz anderen Bezug zur Geschichte, als der, den man durch ein Buch bekommt. Und man kann nur hoffen, dass sich nicht alles in der Geschichte irgendwann wiederholt!

  2. Andreas sagt:

    @Claudi
    Ja, ich glaube, solche Erinnerungen sind nötig. Wir vergessen leider oft, wie gut es uns geht, und dass das nicht selbstverständlich ist.

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