Lauf-Blog für Läuferinnen und Läufer der F-Klasse

Lauf auf dem Jakobsweg von Berlin nach Leipzig – Etappe 5: 26 km von Kemberg nach Bad Düben

Veröffentlicht am 28.06.2023 | Kommentare deaktiviert für Lauf auf dem Jakobsweg von Berlin nach Leipzig – Etappe 5: 26 km von Kemberg nach Bad Düben

Karte mit der Strecke von Kemberg durch die Dübener Heide nach Bad Düben

Nach der „Regenerations-Etappe“ vom Vortag war die 5. Etappe mit 26 Kilometern ebenfalls „kurz“. Ein letztes Mal Luftholen vor der finalen und längsten Etappe. Läuferisch (und auch aus Radfahrersicht) betrachtet, der wohl schönste Abschnitt zwischen Berlin und Leipzig. Denn es ging fast ausschließlich durch den Naturpark Dübener Heide, ein leicht hügeliges Waldgebiet. Grün soweit das Auge reicht, mit gut ausgebauten Wegen. Naja, bis auf die Passage der „Heide Biber Tour“, die Andreas V. und ich wohl nicht so leicht vergessen werden…

Fenster mit Blumenkasten, daneben ein Regenfallrohr mit einem Jakobsweg-Aufkleber

Nach einem späten Frühstück waren wir um kurz nach 10 Uhr wieder auf der Strecke. Bei 20 Grad und mit schweren Beinen und vollem Bauch.

Altes Fachwerkhaus an dem ein altes Schild hängt „Café Alte Liebe“

Die Beine hatten in der Tat inzwischen eine gewisse „Grundschwere“. Das und die Tatsache, dass es kurz hinter unserer Unterkunft gleich stetig bergauf ging legten nahe, auch diese Etappe mit einem Geh-Kilometer zu beginnen.

Rückseite einer eingeschossigen Fabrikhalle

Als es dann links hinter einer Fabrik wieder eben wurde, setzte ich mich in Trab.

Waldweg zwischen hohen Kiefern

Nach den gestrigen Erlebnissen mit dem kaputten Rad waren wir beide absolut happy, dass wir unsere Tour überhaupt fortsetzen konnten. Aber der feste Waldweg und die Landschaft gaben noch einen weiteren Motivationsschub.

Läufer bei einer Gehpause

Was nicht hieß, dass es keine Gehpausen gegeben hätte. Aber sie waren meist kurz, dann trabte ich schon wieder weiter.

Ortsschild Lubast, Stadt Kemberg

Die Sonne schien noch nicht sehr stark, aber stark genug, dass man den Unterschied zwischen offener und baumbestandener Strecke merklich spürte. Wir kamen durch das Örtchen Lubast

Holzpfahl mit Querbalken, auf dem bemalte Gefäße stehen, darunter hängt ein Schild „Töpferei seit 1874“

… in dem es die älteste noch produzierende Töpferei Sachsen-Anhalts gibt.

Hellblaue Holz-Sitzgelegenheit mit dem Satzanfang „Das ist das Allergrößte...“

An der selbstgebauten Holz-Sitzgruppe gefiel mir vor allem das Zitat. „Das ist das Allergrößte…“…

Hellblaue Sitzgelegenheit von der anderen Seite mit dem Satzende „wenn ich des Nächsten Schwachheit ertragen kann“ (Luther)

… wenn ich des Nächsten Schwachheit ertragen kann.“ von Luther. Passt auch sehr gut in unsere heutige Zeit.

Breiter befestigter Waldweg, im Hintergrund Radfahrer

Was folgte war eine regelrechte „Wald-Autobahn“ mit sehr guten Bedingungen für Läufer und Radfahrer.

Breiter befestigter Weg mit Läufer

Inzwischen hatte sich die Frühstücksschwere des Anfangs verflüchtigt und ich war im Flow.

Informationskasten „Bungalowsiedlung Mark Zschiesewitz e.V.“

Mark Zschiesewitz – schöne Ortsnamen gab es hier, die ich als Norddeutscher entweder nicht unfallfrei sprechen oder fehlerfrei schreiben kann.

Altes grün bemaltes Fahrrad steht an einen Holzzaun gelehnt

Nach ein wenig Wohn-Idylle in der Waldsiedlung…

Breiter fester Weg im Wald

… ging es wieder in die Natur.

Historischer Stein-Wegweiser nach Radis mit alter Inschrift

Was für ein Kontrast: Da stand ich nun als Läufer mit Laufuhr, digitaler Karte und GPS-Ortung vor einem alten Stein mit Richtungs- und Entfernungsangaben aus einem vergangenen Jahrhundert (und zwar sehr wahrscheinlich dem vorletzten Jahrhundert!).

Zwei Spuren führen durch den Wald mit dichtem Gebüsch am Rand

Auf diesem Abschnitt kamen auch so einige Höhenmeter zusammen. Abwärts ließ Andreas V. das Rad ausrollen, …

Schottersteine auf dem Waldweg

… musste nur aufpassen, dass er auf dem Schotter nicht ins Schlingern kam…

Begleiter schiebt sein Fahrrad eine Steigung im Wald hinauf

… und aufwärts wurde geschoben, denn die Steigungen waren lang und beharrlich.

Etwas verschwommenes Selfie von Läufer und Radfahrer unterwegs im Wald

Wir amüsierten uns, dass das Team-Selfie durch die Feuchtigkeit auf  der Linse aussah wie mit einem „Romantik-Filter“ gemacht.

Holzpfeiler am Reichsapfelweg mit sehr vielen handbeschrifteten Richtungshinweisen und dem etwas modernerem Jakobsweg-Lutherweg-Schild

Nicht weit von uns war die Hohe Gieck, mit 193 Metern die höchste Erhebung der Dübener Heide.

Befestigter breiter Weg im Wald

Bis zum Lutherstein wollte ich noch durchlaufen, dann wäre ungefähr Halbzeit und eine gute Gelegenheit für eine Pause.

Lutherstein: Flacher Findling auf einer Baum-Lichtung

Und da lag er schon, der Lutherstein, auf einer Lichtung an der Bundesstraße, direkt neben einem Auto-Rastplatz. Bis hierhin sollen seine Studenten (es waren wohl nur Männer) Luther auf dem Weg zur Leipziger Disputation begleitet haben.

Läufer sitzt auf einer kleinen Steinmauer und fotografiert gerade

Wir machten eine Pause, tranken etwas, ich aß einen Riegel – und fotografierte meine angestaubten Schuhe. Was man halt so macht, um sich die Zeit zu vertreiben. Na, dann konnte ich auch ebenso gut wieder weiter laufen…

Holzschild Lutherweg geradeaus

Ein paar Dutzend Meter vom Rastplatz führte ein deutlich ausgeschilderter, aber doch merkwürdig schmaler, zugewachsener Pfad in den Wald.

Begleiter mit bepacktem Fahrrad steht hinter einem Baumstamm, der halbhoch quer über den Waldweg liegt

Kurz darauf lag zudem noch ein umgestürzter Baum halbhoch über dem Weg. Gemeinsam wuchteten wir das Fahrrad auf die andere Seite.

Begleiter schiebt sein Fahrrad auf schmalem laubbedecktem Waldpfad

Der Pfad wurde immer schmaler, bis er irgendwann einfach aufhörte. Was nun? Mir fiel ein, dass ich kurz zuvor drei Holzstufen am Rande gesehen hatte, die seitwärts in die Höhe führten… Also noch einmal wieder zurück.

Drei Holzstufen führen nach links hinauf

Richtig, da waren sie! Und erst jetzt fiel uns die Beschilderung am Baum auf, die wir vorhin wohl übersehen hatten. Die meinten es ernst, das war der Weg!

Rad-Begleiter macht eine kurze Pause bei einem anstieg im Wald

Fairerweise muss man sagen, dass der Jakobsweg/Lutherweg ein Wanderweg ist. Aber wir waren nun mal auch mit dem Begleitfahrrad unterwegs und mussten jetzt diese steile Anhöhe bewältigen. Auf dem Foto (Verschnaufpause zur Hälfte) sieht es nicht so schlimm aus, aber die Steigung war schon für Fußgänger sportlich – mit dem vollgepackten Rad ein Kraftakt, den wir nur mit vereinten Kräften bewältigten.

Schild Lutherweg/Jakobsweg nach rechts

Nachdem das geschafft war, verliefen wir uns auch noch, bemerkten es aber schnell, so dass wir nur vielleicht 100 Meter zurück mussten. Ah, hier ging es seitwärts ab, das hatten wir übersehen!

Laubbedeckter Waldpfad auf nach rechts etwas abschüssigem Gelände

Weiter ging es über einen laubbedeckten Waldpfad, der erst einmal wieder hinab führte.

Quer verlaufender Weg, links ein Schilder-Pfahl mit Hinweis auf die Heide Biber Tour

Offensichtlich waren wir auf der „Heide-Biber-Tour“. Etwa 200 Biber leben im Naturpark Dübener Heide, was dem Nager auch die Position als Wappentier des Naturparks beschert hat.

Begleiter schiebt sein Rad eine Steigung im Wald hinauf

Im Folgenden verlief der schmale Weg häufig bergauf – an Fahren war nicht zu denken, das Laufen war anstrengend (oder ebenfalls nicht möglich).

Von Hölzern eingerahmte Info-Tafel „Mit Billi Bockert auf der Heide Biber Tour“ mit einer comic-haften Illustration und Erläuterungen

Für Kinder führt hier der Cartoon-Biber Billi Bockert durch die Welt der Biber. Und für unsere Tour verkneife ich mir jetzt mal ein „Sind wir bald da-a?“. So einige Kilometer hatten wir nämlich noch vor uns.

Radfahrer auf abschüssigem laubbedecktem Waldpfad

Wo es bergauf geht, geht es auch wieder bergab: Andreas V. bugsierte vorsichtig fahrend das schwere Fahrrad hinunter, und für den Läufer galt „Auf die Füße achten, und nur nicht umknicken!“.

Holzschild mit Cartoon eines Bibers

Noch ein Gruß unseres neuen Freundes Billi…

Überdachte Info-Tafel zum Heidedorf Torgau mit vergilbter Landkarte und Anzeigen von Handwerkern und Restaurants

… und dann waren wir in der Nähe des Heidedorfs Tornau. Behauptete zumindest diese vergilbte Info-und-Werbe-Tafel. Von Häusern bekamen wir nämlich nichts zu sehen.

Radfahrer zwischen Holzstapeln im Wald

Irgendwo in unserer Nähe musste auch der Hammerbach fließen, aber wir sahen und hörten nichts von ihm. Schade, ein sanftes Bachplätschern wäre schon erfrischend gewesen.

Zweispuriger fester Sandweg entlang eines Feldes

Nach einem kurzen Abschnitt am Waldrand…

HandbeschriftetesSchild Holzskulpturen-Wiese

… überquerten wir eine Landstraße und kamen zur Holzskulpturen-Wiese.

Holzskulptur mit einem altem sitzenden Paar

Am Wegesrand standen nun zahlreiche Kunstwerke aus Holz, von denen ich natürlich so einige fotografieren musste.

Holzskulptur eines märchenhaften Männergesichts mit großer Nase und einem wilden Bart

Sand-Schotter-Weg, an dessen Rand Holzskulpturen stehen

Holzskulptur eines Menschen der die Maske eines Menschengesichts hochhebt

Holzskulptur eines bärtigen Mannes schaut uns an, dahinter auf einer vertrockneten Wiese viele weitere Holzskulpturen

Zum Schluss erreichten wir die eigentliche Wiese, auf der viele weitere Skulpturen des jährlich stattfindenden Wettbewerbs „Kunst mit Kettensägen“ standen.

Grün-weiß gestreifter Grenzpfosten, an dem unten zwei steinerne Biber nagen

Der interessanteste Grenzpfosten, den ich je gesehen habe: Offensichtlich überschritten wir gerade die Landesgrenze von Sachsen-Anhalt nach Sachsen!

Ortsschild Bad Düben, OT Hammermühle, Kreis Nordsachsen

Wir waren jetzt in Bad Düben angekommen. Aber bis zu unserer Unterkunft nahe des Ortskerns waren es noch so einige Kilometer.

Läufer von hinten, läuft auf einer Asphaltstraße in einer Vorortgegend ohne Fußwege

Über eine asphaltierte Straße lief ich durch den Vorort Hammermühle

Alte drehbare Holzmühle auf einer vertrockneten Wiese

… bis ich die Kurstadt Bad Düben erreichte. Die alte Windmühle…

Kleines Wehr an einem Bach

… und der Bach sahen noch nicht sehr städtisch aus…

Gepflasterter Geh- und Radweg neben der Straße, mit Radfahrer weit voraus

… aber der gut gepflasterte Gehweg neben der Straße ließ schon den Kurort erkennen.

Läufer auf Fußweg neben der Straße, die mit einem Grünstreifen getrennt ist

Ich lief nun locker und absolut entspannt, wurde sogar etwas schneller.

Läufer wartet an einer roten Ampel in der Stadt

Andreas V. unterhielt sich mit einem Radfahrer aus dem Ort über unser Projekt, der auch ganz interessiert war.

Häuserreihe mit einem alten gelben Ziegelstein-Haus, daneben ein grau verputztes Haus mit „Reparatur Werkstatt“ über einem rostroten breiten Tor

Zu unserer Unterkunft mussten wir noch durch den Ort durch, da sie sich am süd-westlichen Rand befand.

In eine verputzte Hauswand eingelassene, bemalte spanische Kacheln u.a. mit dem Namen „Santiago de Compostela“ und der Jakobsweg-Muschel

An einem Haus entdeckte ich den bisher schönsten Hinweis auf den Jakobsweg, mit original (?) spanischen Kacheln. Der Teufel steckte allerdings im Detail (wenn ich das mal in Bezug auf einen Pilgerweg sagen darf): Der Pfeil zeigte korrekt nach rechts, die beiden Muscheln aber nach links.

Stadtkirche St. Nikolai in Bad Düben

Nahezu unglaublich: Auf dieser Etappe sahen wir nur eine (!) Kirche, und zwar diese, die Stadtkirche St. Nikolai in Bad Düben!

Altes, renoviertes Haus mit Schild einer Druckerei, davor vorbeifahrender Rad-Begleiter

Wir guckten und fuhren und liefen…

Historisches Eckhaus in orangerot mit grau abgesetzten Fenstern und Tür, über der in Fraktur eine Inschrift steht

… und kamen, vorbei an schön restaurierten Fachwerkhäusern, auf dem Markt an.

Rathaus in Bad Düben, unter der Turmuhr stoßen gerade zwei Ziegenböcke mit ihren Hörnern aneinander

Mit dem Gongschlag gewissermaßen, denn es war genau 14 Uhr, und am Rathaus kamen unter der Turmuhr zwei Ziegenböcke links und rechts aus den Klappen und stießen in der Mitte mit den Hörnern aneinander.

Lächelnder Begleiter am Tisch eines Eis-Cafés

Wieder eine Etappe geschafft, da hatten wir uns ein Eis verdient!

Höhenprofil einer App

Es waren „nur“ 26 Kilometer, aber diese hatten ein deutliches Höhenprofil.

Fassade des historischen Gasthauses Goldener Löwe mit dem Relief eines goldenen Löwen über der Eingangstür

Nach dem Eis auf dem Marktplatz spazierten wir das letzte Stück zu unserer Unterkunft, der Burgschänke Goldener Löwe, einem Gebäude mit einer vielhundertjährigen Geschichte.

„The same procedure as every day!“ – Sachen waschen, duschen, kurzes Nickerchen und dann ein gemeinsamer Sightseeing-Spaziergang (vor allem zur nahe gelegenen Burg Düben, wo 1533 der Berliner Kaufmann Kohlhase um sein Recht kämpfte – Vorlage für Kleists Novelle). Nach einem zünftig-deftigen Essen in der Burgschänke ging ich zufrieden ins Bett. Genau 161 Lauf-Kilometer hatte ich bereits geschafft und ohne Blessuren überstanden. Morgen käme das (lange) Finale nach Leipzig!

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