Lauf-Blog für Läuferinnen und Läufer der F-Klasse

Drei-Dorfkirchen-Lauf

Veröffentlicht am 23.12.2022 | 2 Kommentare

Blick über den kleinen Dorfteich auf die Dorfkirche Marienfelde, die sich mit den umgebenden Bäumen im Teich spiegelt

Gestern morgen habe ich den ersten Tag meines Urlaubs mit einem längeren Sightseeing-Lauf begonnen. Erst beim Loslaufen fiel dabei die Entscheidung, alle drei alten Dorfkirchen der Umgebung zu besuchen…

Eingangsbereich Rennbahn Berlin mit Leuchtwerbung

Mein erstes Wegstück führte mich  an der Trabrennbahn Mariendorf vorbei, die in den 1920ern zu den größten und meistbesuchten Trabrennbahnen Deutschlands gehörte.

Historisches Haus mit Skulpturen an der Fassade

Über die Straße Alt-Mariendorf kam ich…

Kreuzung mit U-Bahnhof-Eingang Alt-Mariendorf

… zum U-Bahnhof Alt-Mariendorf, an dem schon der Verkehr vorbeirauschte.

Dorfkirche Alt-Mariendorf zwischen Bäumen

Am Rande der vielbefahrenen Kreuzung steht die Dorfkirche Mariendorf, die aus dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts stammt…

Dorfkirche Alt-Mariendorf

… und somit eine der ältesten Dorfkirchen im Berliner Stadtgebiet ist.

Ladenfassade EIS Franz Hennig mit Schaufenster Lebkuchen-Schmidt

Beim Weiterlaufen fiel mir auf der gegenüberliegenden Straßenseite das Schaufenster des traditionsreichen Berliner Eis-Cafés Eis-Hennig auf: Lebkuchen?

Schaufenster mit Waren und Beschilderungen „ausverkauft“

Anscheinend wird der legendäre Berliner Eisladen in den Wintermonaten vom ebenso traditonsreichen Nürnberger Lebkuchen-Schmidt genutzt. Mit Erfolg, wie es scheint, denn die Artikel im Fenster waren zum großen Teil mit „ausverkauft“-Schildern versehen.

Grafisch gestalteter Bauzaun neben einem schmalen Fahrradweg

Weiter ging es auf dem Mariendorfer Damm Richtung Süden.

Straße mit Fußweg und Auto

Eine Hauptverkehrsader im Süden Berlins, aber läuferisch eher uninteressant.

Großer Weihnachtsmannschlitten, aus dem ein rot-weißes Kostüm heraushängt

Bis auf die kleinen Entdeckungen am Rande. Wie diesen großen Weihnachtsmann-Schlitten, aus dem der Fahrzeughalter anscheinend überstürzt ausgestiegen war, denn das rot-weiße Kostüm hing schlapp über der Brüstung.

Deko-Stern mit Schweif zwischen Baumsilhouetten

Der Weihnachtsstern am Himmel zeigte mir den Weg…

Beleuchtetes Blumengeschäft auf der anderen Straßenseite

… aber statt einer Krippe fand ich nur einen beleuchteten Blumenladen.

Werbeatelier mit einem Schaufenster, in dem ein mannshohes gelb leuchtendes „S“ steht

Ein Werbeatelier zeigte ein mannshohes „S“ in seinem Schaufenster, das wechselnd in verschiedenen bunten Farben leuchtete. „S“ wie „Schon schöne Schaufenster-Show!“

Mini-Container mit Aufschrift „Corona Teststation“ vor vielen anderen Werbeschildern an der Fassade dahinter

Auch im dritten Jahr gab es auf meinen Vorweihnachtsläufen Corona-Test-Container zu sehen.

Werbeplakat für den Weihnachtscircus mit einem Weihnachtsmann

Ein Plakat warb für einen Zirkus und versuchte, an der tristen Straße Weihnachtsstimmung zu verbreiten.

Geschäftsfassade mit gelben Plakaten für Feuerwerksverkauf

Dieses Motiv musste ich unbedingt festhalten. Zum einen, weil ich auch mal mit aufs Bild wollte, und zum anderen, weil ich das Angebot sehr praktisch fand: Man verkauft Feuerwerk und bietet gleichzeitig „Schadensregulierung leicht gemacht!“ an.

Schild Hookah-Bar über dem Eingang zu einer Sommerterrasse, auf der Müll liegt

Die Terrasse dieser Bar hatte sicher auch mal schönere Tage gesehen.

Schaufenster eines Modegeschäfts mit weißem Weihnachtsbaum und Schaufensterpuppen

Weihnachtsbaum und Sonnenbrillen – und wer es sich leisten kann, zeigt viel Plastik.

Weihnachtliche Tannengestecke mit roten und weißen Kugeln vor einem Blumenladen

Da sah es vor diesem Blumenladen doch etwas natürlicher nach Weihnachten aus.

Durch Baustellenabsperrungen eng verkleinerter Fußweg an einem Brautmodengeschäft

Für eine ganze Weile musste ich dann auf dem durch eine Baustelle sehr verengten Fußweg laufen…

Kleine Villa, die mit großen roten Schleifen weihnachtlich geschmückt ist, im Eingang steht eine Weihnachtsmann-Figur mit Hund

… bevor es wieder einen freien Laufweg an einer ruhigeren Straße gab. Und sehr aufwendig dekorierte Häuser, bei denen der Weihnachtsmann persönlich (mit Hund!) an der Tür wachte.

Alte Dorfstraße mit historischer Laterne und alten Häusern

Ich war nämlich inzwischen in die dörfliche Straße Alt-Lichtenrade abgebogen…

Altes Gemeindehaus mit der Dorfkirche Alt-Lichtenrade dahinter

… die mich geradewegs in den alten Dorfkern mit dem ehemaligen Pfarrhaus und der Dorfkirche Lichtenrade führte.

 

Weißer zackiger Deko-Stern vor dem Kirchturm aus Feldsteinen

Lichtenrade gehört zum früheren Bezirk Tempelhof, in dem es drei weitere Feldsteinkirchen gibt: Tempelhof, Mariendorf und Marienfelde. Sie wurden vom Templerorden gebaut auf dessen Bodeneigentum, um die Mitte des 13. Jahrhunderts. Die Dorfkirche Lichtenrade wurde etwa 50 Jahre später errichtet, auf einem anderen Grundrisstyp. Sie ist also – anders als manchmal behauptet – keine Tempelritterkirche.“
aus Wikipedia

Blick auf die Dorfkirche Alt-Lichtenrade

Mist, da hätte ich doch gleich auch noch die vierte alte Dorfkirche in Tempelhof mit in den Lauf einbauen können. Das wären aber noch etliche Kilometer mehr gewesen. Man kann nicht alles haben…

Straßenschilder Marienfelder Straße und Alt-Lichtenrade

Nun sollte es zurück Richtung Heimat gehen – mit der dritten, der Dorfkirche Marienfelde.

Trister Hauseingang, darüber die Beschriftung „Tanzschule Laurana“

Ich schaute mich…

Historisches, restauriertes Haus mit schmiedeeisernem, kunstvollem Geländer an der Eingangstreppe, die von zwei großen Bäumen gesäumt wird

… noch ein wenig auf dem Dorfanger um…

Blick über den Dorfteich auf die alte Dorfkirche Lichtenrade

… und staunte über die Größe des Dorfteichs. Nachher auf Wikipedia erfuhr ich, dass er Giebelpfuhl heißt und wohl der größte Dorfteich Berlins ist.

Historisch aussehender grüner Brunnen an einer großen Kreuzung

Nach diesem kleinen historischen Ausflug landete ich wenige hundert Meter später wieder in der dezembertrüben Realität des Stadtteils…

Mit rot-weißen Absperrungen eingerahmte Straßenbaustelle

… mit großen Baustellen in der Lichtenrader Bahnhofstraße.

Schaufenster-Dekoration mit vielen, vielen bunten Weihnachtskugeln

Die Geschäfte versuchen das Beste daraus zu machen und ein wenig Weihnachtsatmosphäre zu verbreiten.

Geschmückter Weihnachtsbaum, im Hintergrund die Großbaustelle am S-Bahnhof Lichtenrade

Ebenso wie die Deutsche Bahn, die sich mit einem Weihnachtsbaum für die „Engelsgeduld“ der Anwohnerinnen und Anwohner mit der Riesenbaustelle bedankt.

Baustelle mit Kränen und Ramme, im Vordergrund abgestellte Fahrräder vor dem Bauzaun

Die historischen Gebäude um den S-Bahnhof standen nach wie vor völlig unbeeindruckt von all dem Trubel an ihrem Platz.

Großer gelber Sattelschlepper vor zweistöckigen Baucontainern, in denen Licht brennt

Und auch in den Baucontainern schien die Zeit still zu stehen, denn ich konnte von draußen Poster sehen, wie sie wohl schon vor 50 Jahren so manchen Arbeiterspind zierten.

Röhrenförmige Stahlarmierungen liegen auf der Baustelle

Noch ein paar Fotos…

Von verschmutzten Holzwänden eingerahmte Fußgänger-Führung um die Baustelle

… vom ganzen Baustellen-Drumherum…

Blick über die neuen Gleise auf den neuen Bahnsteig, an der Seite eine hohe, mit Graffiti beschmierte neue Lärmschutzwand

… und der neuen Gleisanlage mit dem neuem Bahnsteig im Hintergrund…

Baustellen-Fußgänger-Durchgang, hinter den Holzwänden ist der Balkon eines Wohnhauses mit Weihnachtsbäumchen zu sehen

… und dann ab durch den Bautunnel…

Blick durch den Drahtzaun auf die Baustelle mit der zukünftigen Unterführung

… auf die andere Seite. Hier konnte man schon erkennen, wo die Straße später mal unter der Bahnstrecke durchführen wird.

Einsame Straße im Nieselregen, am Straßenrand ein Transporter mit Werbeaufbau, auf dem in bunter Typografie Konzerte im nächsten Jahr beworben werden

Es hatte mittlerweile zu nieseln begonnen…

Weg zwischen wilder Wiese und Parzellen

… und ich legte nach all der Fotografiererei einen Lauf-Zahn zu. Besonders, nachdem ich festgestellt hatte, dass der Handy-Akku bald leer sein würde. Wäre doch blöd, wenn ich ausgerechnet die dritte und letzte Dorfkirche nicht mehr im Bild festhalten könnte!

Dorfkirche Marienfelde aus Feldsteinen mit massivem Turm

Hat aber noch geklappt, und ich machte erleichtert ein paar Bilder von der Dorfkirche Marienfelde, die als die älteste Berlins gilt. 1220 – 1230 – 1240? Da streiten sich die Experten. Als Marienfelder kenne ich natürlich alle möglichen Fakten zur Dorfkirche, was ich aber erst nach dem Lauf erfahren habe, ist, dass die Kirche Anfang der 1920er-Jahre unter der Leitung des berühmten, damals in Marienfelde wohnenden Architekten Bruno Möhring restauriert und umgestaltet wurde.

Kunstvoll verziertes altes Metall-Grabkreuz auf dem Kirchhof

So, der Lauf neigte sich dem Ende zu. Ein letztes Bild vom Kirchhof…

Historische Laterne vor historischen Gebäuden in Alt-Marienfelde

… und dann auf der ehemaligen Dorfstraße Alt-Marienfelde

Blick zwischen dunklen Sträuchern auf den historischen Gutshof Marienfelde

… mit kleinem Schlenk zum Gutshof

Marmorstatue eines auf einem Baumstamm lehnenden nackten Jünglings

… und durch den Gutspark Marienfelde mit den beiden Skulpturen…

Marmorstatue einer jungen Frau in faltigem Gewand

… und zurück nach Hause! Puh, 16 Kilometer gelaufen, viel gesehen, viel fotografiert und sich dabei noch etwas benieseln gelassen – kann es einen besseren Start in den Weihnachtsurlaub geben?

(Antwort: Ja, aber nur, was den meteorologischen Aspekt des Ausflugs angeht ;-)

 

Kategorien

F-Klasse-Laufen, Lauferfahrungen

2 Kommentare zu “Drei-Dorfkirchen-Lauf”

  1. Daniel sagt:

    Schöne Bildungsreise um alte Dorfkirchen. ?

  2. Andreas sagt:

    Bildungsreise trifft es tatsächlich ganz gut, wobei die Bildung bei mir meist erst im Nachhinein durch das Recherchieren und Nachlesen kommt, was ich denn da eigentlich so gesehen habe ;-)

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