Kuriose Laufkilometer-Vergleiche bei der Fußball-EM

Veröffentlicht am 09.07.2016 | 2 Kommentare

Laufkilometer-Vergleiche auf der UEFA-EM-Website

Kurios bei dieser Fußball-EM 2016 ist nicht nur Deutschlands Ausscheiden gegen Frankreich, sondern auch, was die offizielle Website der UEFA so an Informationen bereit hält…

Mich hat ja schon früher interessiert, wie viele Kilometer die Profi-Fußballer so pro Spiel laufen – und ob man das überhaupt mit „normalen“ Läufern vergleichen kann. Auf der Suche nach Laufkilometer-Angaben zur aktuellen Fußball-EM bin ich über die UEFA-News-Meldung „Die besten Sprinter und Läufer der EURO“ gestolpert und fand ein paar merkwürdige Informationen.

Der schnellste Läufer bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels (21.06.2016) war Kingsley Coman mit 32,8 km/h, wobei berücksichtigt werden muss, dass das die Höchstgeschwindigkeit über 2 Meter (!) war.

Die meisten Laufkilometer in einem Spiel hatte (bis zum 21.06.2016) der Italiener Marco Parolo. Mit 12,570 m wird seine gelaufene Distanz angegeben. Die drei Stellen hinter dem Komma sind kein Irrtum, die UEFA misst offensichtlich auch Lauf-Zentimeter.

Wer die Laufleistung eines Fußballers würdigen will, muss berücksichtigen, dass die gelaufenen Kilometer in immer wechselnden Geschwindigkeiten gelaufen werden, vieles davon im Sprint. Der Hinweis, dass Parolos „Langlaufeinlage“ einem 90-minütigen Lauf mit 8,38 km/h (= 7:10 min/km) entspricht, haut dagegen wirklich keinen Läufer vom Hocker.

Richtig lustig wird es aber aus Läufersicht beim letzten Vergleich:

10.35: Die Durchschnittsgeschwindigkeit eines Marathonläufers, der einen Marathon (42.16km) in einer Zeit von 4:04:32 Stunden absolviert.“

Häh? Mal abgesehen davon, dass es sich beim Anfangswert nicht um Meter (wie in der Überschrift behauptet) sondern um km/h handelt, und der englische Dezimalpunkt für die deutsche Übersetzung nicht gegen ein Komma getauscht wurde: Wie kommt man auf so merkwürdige Angaben als Marathon-Vergleichswert? Und warum weiß man bei einem der größten Sportverbände der Welt nicht, wie lang ein Marathon ist? Mal abgesehen davon, dass das alles überhaupt nichts über die Leistung des armen Marco Parolo aussagt.

Ein Blick auf die englische Fassung des Artikels brachte etwas Klarheit. Im Original kam der Autor nämlich auf die merkwürdige Zielzeit von 4:04:32 Stunden, da es sich um die „median average time“ des London-Marathons handelt. Aha.

Liebe UEFA, wenn ihr die Leistung eurer Spieler würdigen wollt, dann bringt doch bitte etwas angemessenere Vergleiche! Wenn der lauffreudigste Spieler 12,5 km in einer Geschwindigkeit von 8,38 km/h gelaufen ist, wirkt das nämlich im genannten Vergleich zu Paula Radcliffe – die 42,195 km (da habt ihr sie, die Zahl!) in 18,68 km/h geschafft hat – seeeehr kurz und seeeehr langsam.

PS: Wer etwas mehr zu den Lauf-Leistungen von Profi-Fußballern erfahren möchte, findet Informationen in meinem früheren Artikel Sind Fußballer schlechte Läufer?

Kategorien

F wie Fundstücke, F-Klasse-Laufen

2 Kommentare zu “Kuriose Laufkilometer-Vergleiche bei der Fußball-EM”

  1. Din sagt:

    Danke für diesen Beitrag! Der hat mir gerade mit ordentlich Schmunzeln bei mir und noch mehr Gegrübele bei der Familie gesorgt.

  2. Andreas sagt:

    @Din
    Ja, da kann man wirklich nur Schmunzeln bei solch merkwürdigen Statistiken.

Kommentare sind geschlossen.