Laufen in Kassel – ein Lauf zur documenta

Veröffentlicht am 06.07.2012 | 9 Kommentare

documenta-Plakat an einer Litfaßsäule

Mein zweiter Lauf am vergangenen Kassel-Wochenende war ein Lauf zur documenta. Nicht, dass ich nicht am Vortag schon fast einen ganzen Tag lang durch diverse Ausstellungshallen gepilgert wäre (direkt nach meinem Lauf zum Herkules, uff). Aber an diesem Morgen wollte ich mal die Kunstwerke und die Stimmung in der Karlsaue läuferisch genießen…

Berliner Bär auf SockelSegment der Berliner Mauer mit über Stacheldraht springenden Soldaten

Anfangs musste ich ein wenig durch die Stadt und war ziemlich erstaunt, als durch den Morgennebel plötzlich ein Stückchen Berlin auftauchte: Da standen tatsächlich der Berliner Bär  und ein Mauersegment vor mir. Und zwar an der Berliner Brücke am Berliner Platz!

Der Himmelsstürmer (Man walking to the sky) von Jonathan Borofsky

Bald war ich in der Innenstadt und konnte am Hauptbahnhof den „Himmelsstürmer“ (Man walking to the sky) von Jonathan Borofsky entdecken.

Treppenstraße in Kassel im Morgennebel

Die Treppenstraße, die zum Zentrum der documenta führt, war noch leer und neblig.

Rotes Palais und Museum Fridericianum im Nebel

Am Friedrichsplatz angekommen bot sich mir ein merkwürdiges Bild: Durch die neblige Stille tönte aus dem Roten Palais laute klassische Musik, während ein einsamer Müllmann zwischen den Säulen kehrte und über ihm auf dem Dach „Die Fremden“ von Thomas Schütte – ein Klassiker der documenta 9 – in die Ferne sahen.

Museum Friedricianum und Café-Stühle und eingeklappte Sonnenschirme davor

Das Museum Friedricianum sieht man zu documenta-Zeiten nicht oft so menschenleer. Da muss man schon früh aufstehen ;-)

Occupy-Camp auf dem Friedrichsplatz mit Gemälde

Das Occupy-Camp auf dem Friedrichsplatz schlief noch, hatte aber für einsame Kunstsuchende wie mich vorsichtshalber noch ein eigenes Werk ausgestellt.

Adam-und-Eva-Aufkleber unten auf Poller

Den Adam-und-Eva-Aufkleber hatte ich bereits gestern entdeckt, der musste jetzt aber unbedingt aufs Foto  ;-)

documenta-Halle mit Eingang

Die documenta-Halle schien schon still auf den Besucheransturm des heutigen Tages zu warten.

Blick von außen in die documenta-Halle

Durch die spiegelnden Scheiben konnte ich die Kunstwerke von Etel Adnan, Gustav Metzger und Julie Mehretu sehen, die ich gestern noch von nahem betrachtet hatte.

Großer Bilderrahmen aus Metall

Der documenta-Klassiker „Rahmenbau“ von Haus-Rucker-Co lenkte an diesem Morgen nicht wie üblich den Blick auf die Orangerie, sondern zeigte nur einen Nebelausschnitt.

„Idee di pietra“ (Ansichten eines Steins) von Giuseppe Penone auf der documenta (13)

Auf der Wiese nebenan stand „Idee di pietra“ (Ansichten eines Steins) von Giuseppe Penone, ein Bronzebaum mit echtem Stein.

Leerer documenta-Shop im weißen Container

Der documenta-Shop erholte sich noch vom gestrigen Besucheransturm.

Orangerie in der Karlsaue

Die Orangerie in der Karlsaue ist immer wieder schön. Es war so still, dass ich deutlich meine Schritte auf dem feinen Kies hören konnte.

„Doing nothing“ von Song Dong, 6 m hoher Grashügel

Im Zentrum der Karlswiese sah ich nun „Doing nothing“ von Song Dong, einen bewachsenen Grashügel aus Wohlstandsmüll, verziert mit chinesischen Schriftzeichen.

Magischer Baum von Issa Saab in der Karlsaue

Ich lief vorbei am magischen Baum von Issa Saab. Sah interessant aus, aber von Magie war nichts zu spüren, wie ich so alleine davor stand.

Joggerin in der Karlsaue, im Vordergrund Skulptur von Pluto und Proserpina

Natürlich gibt es in der barocken Karlsaue auch jede Menge klassische Skulpturen, wie die von Pluto und Proserpina, die hier den Joggern beim Laufen zusehen – oder mit sich selbst beschäftigt sind.

Hirschgraben mit Brücke in der Karlsaue in Kassel

Ich lief am Hirschgraben entlang auf eine Brücke zu. Ein Schwan zog gelassen seine Spur durch das Wasser.

Perspektivische Uhr

Und wieder Kunst: „Clocked Perspective“ von Anri Sala am Ende des Hirschgrabens.

Tempel im Aueteich

Im Aueteich gibt es eine kleine Insel mit einem kleinen klassizistischen Tempel, den ich jetzt zwischen den Bäumen hindurch sah.

Geheimnisvolle Baumsilhouetten

Am Ufer des Aueteichs ragten geheimnisvolle Baumsilhouetten im Gegenlicht aus der Wiese.

Transition von Gabriel Lester in der Karlsaue zur documenta (13)

Beim Anblick von Gabriel Lesters Betonröhre „Transition“ dachte ich, ob man dort wohl immer im Kreis laufen kann, bis man als besserer Läufer wieder heraus kommt?

Mangoldfähre von Christian Philipp Müller

Inzwischen war ich auf dem Rückweg und kam an der „Mangoldfähre“ von Christian Philipp Müller vorbei.

Orangerie, Skulpturen und die Zypressen von Maria Loboda

Ich war nun wieder an der Orangerie angekommen. Der Morgennebel hatte sich deutlich gelichtet und zwischen den Skulpturen konnte ich die Zypressen von Maria Loboda erkennen.

Schriftzug Kunst an einem grauen Gebäude

Damit war mein Karlsaue-Kunst-Rundlauf beendet und ich machte mich wieder auf das Stück durch die Stadt nach Hause. Aber Kunst ist offensichtlich überall in Kassel…

Schild Kassel Bad Wilhelmshöhe

Eine letzte kleine Steigung zur Brücke über die Bahntrasse und ich war schon fast wieder am Frühstückstisch.

Laufstrecke (Detail) durch die Karlsaue in Kassel

Nach etwas mehr als 13 Kilometern im 5:40er-Schnitt (aber mit vielen Fotopausen) war ich zurück und hatte mal wieder viel gesehen auf einem Lauf in einer fremden Stadt!

Kategorien

F-Klasse-Laufen, Lauferfahrungen

9 Kommentare zu “Laufen in Kassel – ein Lauf zur documenta”

  1. Eddy sagt:

    Danke für die tollen Eindrücke! Ich denke, ich muss auch mal nach Kassel reisen.. ;-)

  2. webmaster@startblog-f.de sagt:

    @Eddy
    Kann ich auf jeden Fall empfehlen. Und nicht nur zum Laufen ;-)

  3. "Der Blaue" (Ingo) sagt:

    ein wahrhaftiger kunstlauf, der lust auf die ausstellung macht (wie merkst du dir bloß die namen der künstler und objekte?)
    p.s.: vielleicht klappts bei mir mit ratzeburg ja doch noch, da die anmeldung erst am 01.09. startet?

  4. webmaster@startblog-f.de sagt:

    @Der Blaue
    Nee, nix mit merken: Zum einen habe ich natürlich vor dem documenta-Besuch ein bisschen gelesen, und zum anderen gucke ich beim Schreiben dann vieles nach.

    Würde mich freuen, wenn wir uns in Ratzeburg sehen würden, aber mach mal ganz langsam und erhol dich, das ist noch etwas hin…

  5. Hanna sagt:

    Impressionen wie im nebelverhangenen Venedig. Naja, fast ;-)

  6. webmaster@startblog-f.de sagt:

    @Hanna
    Nur dass in Venedig das Laufen durch die Kanäle nicht so leicht fällt ;-)

  7. Din sagt:

    Sobald ich eine neue oder andere Stadt aus als Berlin betrete, müssen die Laufschuhe raus aus der Reistasche. Ich kann auch nicht anders und muss immer wieder gleich etwas entdecken wollen!

    Kassel war ich noch nie, sieht aber nach einer wunderbaren Runde mit vielen schönen Eindrücken aus.
    Die Aussicht vom Herkules oben ist ja auch beeindruckend. Das hat sich wirklich gelohnt.

    Viele Grüße, auch an den Streak-Runner. 900 Tage, unglaublich!

  8. webmaster@startblog-f.de sagt:

    @Din
    Ja, das „laufende“ Entdecken neuer Städte und Landschaften macht mir auch sehr viel Spaß. Ich freue mich immer wieder, wenn ich mal auf Reisen zum Laufen komme.

  9. thierry geoffroy /colonel sagt:

    excellent , thanks !!
    http://www.emergencyrooms.org/documenta_kassel.html

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