Laufen in Kassel – ein Lauf hinauf zum Herkules

Veröffentlicht am 03.07.2012 | 6 Kommentare

Blick vom Herkules

Vergangenes Wochenende war ich mit der Familie zu einem documenta-Besuch in Kassel. Und natürlich wollte ich die Gelegenheit nutzen, wieder neue Landschaften zu erlaufen und hatte mir gleich als erstes Lauf-Highlight den Herkules zum Ziel genommen. Meine Kasseler Freundin Kathi hatte mich zwar gewarnt, dass das ziemlich anstrengend werden würde, aber solch ein Lauf-Abenteuer konnte ich mir ja nicht entgehen lassen. Also bin ich erwartungsvoll vor dem Frühstück los…

Landschaft mit Herkules am Horizont

Schon nach den ersten eineinhalb Kilometern konnte ich mein Ziel hoch oben über den Baumspitzen herausragen sehen. Der Herkules steht nämlich auf dem Karlsberg im Bergpark Wilhelmshöhe und befindet sich etwa 350 m über dem Level von Kassel.

Café bei Schloss Wilhelmshöhe

Zuerst ging es nur leicht aber doch stetig bergauf. Nach etwa 2,5 km erreichte ich Schloss Wilhelmshöhe. Beim Schloss-Café an der Straße waren noch die Sonnenschirme eingeklappt; kein Wunder, denn es war noch früh und darüber hinaus hatte es über Nacht geregnet.

Schloss Wilhelmshöhe

Ein kurzer Seitenblick auf das Schloss (1786-1798 erbaut, später regelmäßig Sommerresidenz der deutschen Kaiserfamilie, heute als Museum genutzt) und weiter ging es.

Aquädukt im Bergpark

Nun lief ich direkt von der Straße in den Park, der bis auf einen Arbeiter im Baufahrzeug menschenleer war. Hier ging es auch gleich richtig los: Der Anblick des Aquädukts lenkte mich zwar ab, konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es ab jetzt recht anspruchsvoll bergauf ging. Mein Lauftempo reduzierte sich jedenfalls deutlich.

Blick von halber Höhe auf den Herkules

Aber schön war es hier auf jeden Fall! Kurz darauf kreuzte ich die Sichtachse zwischen Herkules und Schloss Wilhelmshöhe. Ein staunender Blick nach rechts oben…

Blick von oben auf das Schloss und die Stadt

… und ein ebenso staunender Blick nach links unten – beide natürlich im Foto festgehalten – und ich setzte meinen „Berglauf“ fort.

Wegweiser im Bergpark

Ein Schild versprach mir, dass es nur noch 2 km bergauf seien. Die schaffe ich jetzt auch noch. Gewohnt, meine ruhigen Läufe im 5:45-6:00 min/km-Schnitt zu machen, stellte ich erstaunt fest, dass mich die Steigung zu einer „Geschwindigkeit“ von 6:10-6:30 min/km zwang.

Weg hinauf zum Herkules

Glücklicherweise war es so schön im Bergpark, dass ich viel fotografierte und meine kurzen Fotopausen dankbar zur Erholung nutzte ;-) Und einige wenige Male passierte es sogar, dass ich auf dem Serpentinenweg hoch zum Herkules ein kurzes Stück abwärts laufen durfte.

Blick hinunter auf den Serpentinen-Pfad

Ein kurzer Blick zur Seite zeigte mir, dass ich schon einiges an Höhenmetern geschafft hatte. Nun konnte es nicht mehr weit bis zum „Gipfel“ sein…

Herkules zwischen den Bäumen

… und da sah ich ihn schon, den Herkules!

Blick auf die Herkules-Statue

Ich war am Ziel, war auf etwa 6 km ca. 340-350 Höhenmeter gelaufen und genoss erst einmal die schöne Aussicht (siehe erstes Foto). Da es aber sehr zugig und kühl dort oben war, machte ich bald, dass ich weiter kam. Herkules hatte zwar noch weniger an als ich, aber mein dünnes Laufshirt hielt auch nicht wirklich warm.

Abgebrochene Säule mit Wegmarkierung

Zuerst fand ich meinen geplanten Rückweg von hier oben nicht, denn dank zahlreicher Bauzäune ging es nicht weiter wie ich wollte. Da half auch kein abgebrochener Wegweiser…

Schmaler Pfad vom Herkules hinab

Dann aber hatte ich meinen Waldweg hinunter ins Tal gefunden – glaubte ich zumindest. Ich lief auf einem sehr schmalen Pfad; mal sehen, was das wird, dachte ich mir, sieht auf jeden Fall spannend aus.

Schmaler, matschiger Pfad

Durch den Nachtregen war der Boden matschig und entsprechend rutschig, aus dem entspannten, schnellen Bergablaufen wurde es also nichts. Ich musste ziemlich auf meine Füße achten und den Bergabschwung etwas bremsen.

Markierung mit Nummer 15 auf einem Baum

Die Markierungen mit der „15“ zeigten, dass ich noch auf dem selben Weg war. Ob es der richtige war, würde sich zeigen.

Schmaler Pfad mit kantigen Steinen

Ich bekam nun ganz schön Fahrt, versuchte aber abzubremsen, da plötzlich kantige, rutschige Steine im Weg waren. Das sah höllisch gefährlich aus, denn auf dem schmalen mit groben Steinen übersäten Pfad konnte ich nicht ausweichen. Ich rutschte hin und wieder leicht ab, was mir jedes Mal einen kleinen Schrecken einjagte. Wenn ich jetzt hier stürze, breche ich mir wer weiß was…

Baumwurzeln quer über den Weg

Zur Abwechslung gab es auch hervorstehende Baumwurzeln, aber die waren vergleichsweise einfach zu „belaufen“.

Steiler Pfad mit kantigen, rutschigen Steinen

An einer Stelle musste ich mich sogar abwärts „tasten“, da der Weg plötzlich recht steil wurde und die Steine kein Laufen oder Gehen zuließen.

Blick auf kleinen See mit Reiher

Endlich habe ich das Gröbste überstanden und laufe an einem kleinen idyllischen See vorbei, über den genau in dem Moment ein Reiher gleitet.

Waldpfad zwischen Büschen und Bäumen

Der Weg wird jetzt besser, ich laufe auf läuferfreundlichem Waldboden.

Bühne für das Stück Black Rider an der Löwenburg

An einer Lichtung komme ich aus dem Wald und stehe plötzlich quasi auf der Bühne, die Scheinwerfer auf mich gerichtet! Allerdings sind die Zuschauersitze leer, es handelt sich um die Aufbauten für das Stück „Black Rider“, dass das Staatstheater Kassel hier unter Einbeziehung der Natur an der Löwenburg spielt.

Löwenburg im Bergpark Kassel

Ich bewundere kurz die Löwenburg – eine Nachahmung einer mittelalterlichen, als romantische Ruine angelegten Ritterburg – und will dann weiter, finde aber zuerst nicht den richtigen Weg. Als ich ihn endlich gefunden habe, geht die Post ab: Ich laufe nämlich auf einer asphaltierten Straße mit ziemlichem Gefälle… Meine Beine fliegen förmlich unter mir weg und ich komme locker auf 3:45 min/km, ein Gefühl wie Fliegen!

Schmaler Weg in Kassel

Bald geht es schon durch Stadtgebiet, wobei ich aber gar nicht nur durch Straßen laufe, sondern auch über schmale Trampelpfade komme.

Lauf-Strecke zum Herkules in Kassel

Nach fast 11,5 km bin ich wieder „zuhause“ und freue mich auf Dusche und Frühstück. Dieser Lauf hatte wirklich von allem etwas: Berglauf, Orientierungslauf, Trail-Lauf, Tempodauerlauf, Sightseeing-Lauf.

Und natürlich hatte Kathi Recht: es war anstrengend! Aber wäre doch schade gewesen, wenn ich dieses Lauf-Abenteuer verpasst hätte… ;-)

Kategorien

F-Klasse-Laufen, Lauferfahrungen

6 Kommentare zu “Laufen in Kassel – ein Lauf hinauf zum Herkules”

  1. Hanna sagt:

    Ganz schön anspruchsvoll: Laufen wie Herkules. Obwohl, der steht ja nur in der Gegend rum ;-) Tolle Tour!

  2. Pierle sagt:

    Vor dem Frühstück schon einmal zum Herkules hoch? Dafür hast du dir dann aber ein Extra-Brötchen verdient ;-)

  3. ultraistgut sagt:

    Um den Besuch auf der Documenta beneide ich dich, auf die Wilhelmshöhe bin ich auch schon “ gestiegen “ – schön, alles miteinander verbinden zu können.

  4. webmaster@startblog-f.de sagt:

    @Hanna
    Soweit ich weiß, konnte Herkules vor lauter Kraft nicht laufen ;-)

    @Carsten
    Ich habe es mir nicht nur verdient, sondern tatsächlich auch ein Extra-Brötchen gegessen!

    @Margitta
    War wirklich ein sehr schönes, erlebnisreiches Wochenende, es gab viel zu sehen. Und der Artikel über meinen Frühmorgenlauf zur documenta (am Folgetag) kommt in Kürze!

  5. "Der Blaue" (Ingo) sagt:

    tolles abenteuer gesund überstanden mit vielen verschiedenen arten von läufen. einfach großartig!

  6. webmaster@startblog-f.de sagt:

    @Der Blaue
    Ja, hat mir wirklich sehr gefallen. Da merkt man richtig, was für ein Flachland-Läufer man sonst ist…

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