Als Läufer öfter mal nach dem Sinn fragen

Veröffentlicht am 18.10.2014 | 2 Kommentare

Der Denker von Auguste Rodin

„Der Denker“ von Auguste Rodin (Foto: Ji-Elle/Wikimedia Commons)

Als Läufer sollte man öfter mal nach dem Sinn fragen. Nein, nicht nach dem Sinn des Laufens an sich, das ist unbestritten und ohne Nachdenken gut und richtig. Ich meine auch nicht die Sinnfragen, die einen manchmal in der Endphase eines langen Wettkampfs beschleichen (von wegen „Warum tue ich mir das hier an?“). Es geht vielmehr darum, dass jede Laufeinheit einen Sinn haben sollte…

Warum laufe ich in diesem Tempo und über diese Distanz?

Für Hobby- und Freizeitläufer ohne Wettkampfambitionen sind selbstverständlich  „Ich will einfach nur etwas für meine Gesundheit tun!“ oder „Ich will Spaß mit meinen Freunden haben!“ angemessene Antworten auf diese Frage. Wer sich aber mit Zeitvorstellungen für einen Wettkampf angemeldet hat und sich im besten Falle an einem Trainingsplan orientiert, der sollte sich öfter bei den Laufeinheiten fragen, warum der (hoffentlich gute) Trainingsplan genau diese Distanz in genau diesem Tempo vorsieht. Und warum er als Läufer tunlichst nicht davon abweichen sollte.

Ist man gesundheitlich angeschlagen oder einfach nicht gut drauf, dann bringt es nichts, die planmäßige Intervalleinheit im vorgegebenen Tempo durchzuziehen. Da hilft nur eine Reduzierung der Belastung oder ein Verzicht auf diese Trainingseinheit.

Die meisten Läufer haben aber eher das Problem – und ich schließe mich da keinesfalls aus – dass sie, wenn sie sich gut fühlen, noch ein paar Kilometer drauflegen oder ein höheres Tempo anschlagen.

Wenn ihnen das in jeder Trainingseinheit passiert, dann haben sie eventuell den Trainingsplan nicht richtig gewählt. Meist ist es aber eher der Fall, dass sie ein unnötiges Verletzungsrisiko eingehen oder am Wettkampftag nicht auf den Punkt fit sind, weil sie sich im Training müde gelaufen haben.

In den Pausen wird man schneller

Das komplette Lauftraining, egal über welche Distanzen, basiert auf dem Prinzip der Superkompensation. Der Körper wird einer neuen, höheren Belastung ausgesetzt und passt sich nach dieser Anstrengung an, um auf weitere, ähnlich hohe Belastungen vorbereitet zu sein.

Ein gutes Lauftraining setzt also immer wieder neue, höhere Reize, woraufhin sich die Leistungsfähigkeit verbessert, da der Körper zwischen den Läufen daran arbeitet, besser mit den Anforderungen zurecht zu kommen. Das wird oft einfach mit dem Satz „In den Pausen wird man schneller!“ zusammengefasst.

Pausen sind also dringend nötig. Von den Trabpausen innerhalb eines Intervalltrainings über die Ruhetage nach schweren Laufeinheiten bis hin zu Regenerationswochen, Taperingwochen und längeren Phasen mit reduziertem Training zwischen den Laufsaisons.

Schnell ist schnell, und langsam ist langsam

Ebenso wichtig wie die Pausen ist die Einhaltung der vom Trainingsplan vorgegebenen Geschwindigkeiten und Distanzen, denn die sollen ja gewährleisten, dass man sich über einen längeren Zeitraum verbessert, ohne ein unnötiges Verletzungsrisiko einzugehen. Denn eine Verletzung bedeutet eine Zwangspause, mit der man unweigerlich aus dem Trainingsplan raus ist.

Aber selbst wenn man sich keine Verletzung einfängt, eine Gefährdung der nächsten Einheit(en) riskiert man immer. Es nützt wenig, den samstäglichen Tempodauerlauf schneller und weiter zu laufen, nur um dann am Sonntag beim langen Lauf festzustellen, dass man „irgendwie heute nicht so gut drauf“ ist.

Wie gesagt, immer unter der Voraussetzung, der Trainingsplan ist dem Leistungsvermögen angemessen gewählt und nicht von vorneherein „unterdimensioniert“.

Macht nix, kann ja jedem mal passieren

Natürlich wird es immer wieder passieren, dass man den einen oder anderen Trainingslauf zu schnell oder zu weit läuft. Passiert mir öfter. Tja, das Wetter ist so herrlich, man ist so im „Flow“, und den kleinen Umweg mit den Extrakilometern, den kriegt man doch auch noch hin… Was soll’s?

Aber ab und zu fragen, ob einem das beim Erreichen der Wettkampf-Bestzeit hilft, sollte man sich schon ;-)

 

Kategorien

F-Klasse-Laufen, Lauftraining

2 Kommentare zu “Als Läufer öfter mal nach dem Sinn fragen”

  1. Din sagt:

    Eine schöne Zusammenfassung. Sich auf andere zu verlassen oder auch auf den eigenen Plan ist schön und gut, aber hin und wieder doch noch einmal darüber nachdenken, ob einen das auch tatsächlich weiter bringt, sollte man in der Tat schon. Unbedingt wie ich finde bei Themen, die in deinem letzten Absatz stecken. Manchmal sind wir wirklich Trainingsstreber! Oft aber unbewusst :D Interessanterweise haben mir gerade in diesem Jahr immer wieder die Trainer Pausen regelrecht verordnet. Auch wenn es mit etwas Mauerei am Anfang (weil, wie du sagst, doch das Wetter so schön war, trotz Wettkampf etc.) einherging, so musste ich schnell wieder den Sinn darin feststellen.

  2. Andreas sagt:

    @Din
    Das ist ja gerade das Erstaunliche, dass – so wie du es auch beschreibst – die Trainer nicht antreiben, sondern die Pausen verordnen müssen ;-)

    Immerhin gut, wenn man einen Trainer hat, der einen darauf hinweist!

Kommentare sind geschlossen.