Läufer-Leistungsdiagnostik und Herz-Check: Von Spiroergometrie, VO2max und Anaerober Schwelle

Veröffentlicht am 30.05.2010 | 4 Kommentare

Diagramm Leistungsdiagnostik mit Herzfrequenz, VO2 und anaerober Schwelle

Marathon-Läufer, gerade wenn sie nicht mehr ganz jung sind, sollten hin und wieder einen detaillierten Gesundheits-Check machen lassen. Da ich bereits einmal die erschreckende Erfahrung gemacht habe, bei einem Lauf umzukippen, war es nun mal an der Zeit, vor dem diesjährigen Herbst-Marathon das Herz prüfen zu lassen. Und da ich ja ein laufbegeisterter, neugieriger Mensch bin, habe ich die Untersuchung gleich sinnvollerweise mit einer kompletten Leistungsdiagnostik verbunden…

Echokardiografie und Lungenfunktionsprüfung

Nach dem Eingangsgespräch mit dem Kardiologen – Pluspunkt: ebenfalls Marathon-Läufer – und einer Echokardiografie (Ultraschall-Untersuchung des Herzens), die keine beunruhigenden Auffälligkeiten zeigte – bei der ich aber erstaunt über Lautsprecher meinen Herzklappen beim Arbeiten zuhören konnte – ging es zur Bodyplethysmografie (Lungenfunktionsprüfung). Hier musste in einer luftdichten Kammer über ein Mundstück geatmet werden, zum Teil gegen einen Widerstand. Nicht so meine Sache, wenn man mich nicht normal atmen lässt, war aber für einen guten Zweck und auch schnell absolviert.

Laufband-Spiroergometrie und Fahrrad-Ergometer

Nun ging es zum eigentlichen Kernstück der Leistungsdiagnostik, dem Laufen auf dem Ergometer, sprich Laufband. Häufig wird solch eine Untersuchung mit einem Laktattest verbunden, in meinem Fall hatte der Arzt aber zu einer Spiroergometrie geraten, die wesentlich mehr (vor allem für mich relevante) Messdaten produziert. Hierbei wird nicht nur die Herzfrequenz beim Laufen gemessen, sondern auch die Atemgase bei der körperlichen Belastung untersucht (u.a. zur Ermittlung der unter Läufern sagenumwobenen VO2max). Ich bekam neben dem Brustgurt also auch eine Atemmaske angeschnallt.

Dann ging es auf dem Laufband los. Über einen Zeitraum von 12 Minuten wurde das Lauftempo kontinuierlich von anfangs 6 km/h bis auf 12 km/h gesteigert. Das ist für einen trainierten Läufer an sich kaum ein Problem, nur das Laufen mit Atemmaske und auf dem ungewohnten Laufband war für mich schon eine kleine Herausforderung. Mit konzentriertem Blick auf das Display absolvierte ich den Test und kam mir dabei wie ein Astronaut im Training vor. Der Arzt war auf jeden Fall zufrieden mit mir, die Werte sahen gut aus.

Da ich aber anscheinend noch frisch aussah, schlug er vor, gleich im Anschluss eine Messrunde auf dem Fahrrad-Ergometer zu machen, was noch bessere Einblicke in die Arbeit meines Herzens unter Belastung erlauben würde (auf dem Laufband wurde die Herzfrequenz mit einem Läufer-Brustgurt gemessen, auf dem Fahrrad-Ergometer war ein medizinisches EKG möglich). Also habe ich noch ein bisschen bis 325 Watt gestrampelt und bin dabei so richtig ins Schwitzen gekommen. Schön, dass es gleich nebenan eine Dusche gab!

Langzeit-EKG

Damit nicht genug – der Arzt wollte meinem Herzen wirklich auf den Grund gehen – besprachen wir, in den Folgetagen auch noch ein Langzeit-EKG zu machen, mit der Auflage, dass ich in der Zeit eine belastende Laufeinheit machen sollte. Also bin ich wenige Tage später verdrahtet und verkabelt früh am Morgen zu einem Tempodauerlauf aufgebrochen. War zuerst nicht so einfach, da das Messgerät auf meinem Rücken derart wackelte, dass ich noch mal stehen bleiben und alles fester ziehen musste. Nach dem üblichen 10-minütigen Einlaufen bin ich dann für 25 Minuten durchgestartet und habe abschließend sogar noch einen Extra-Zahn zugelegt, damit auf dem EKG auch was zu sehen ist ;-)

VO2max und Anaerobe Schwelle

Am Abend hatte ich dann meinen Termin zum „Entkabeln“ und zur abschließenden Besprechung. Was die Gesundheit des Herzens angeht war wie erhofft alles in Ordnung. Da mein Herz wie bei vielen Sportlern recht langsam schlägt, empfahl der Arzt mir auf jeden Fall nicht nach Belastungen abrupt stehen zu bleiben (ein Rat, der übrigens uneingeschränkt für jeden Wettkampf-Läufer gilt).

Die große Freude aber kam zum Schluss, denn meine Leistungswerte behaupteten tatsächlich ich sei „topfit“. Meine VO2max liegt demnach bei 53,81 ml/min/kg, was in der Fitnesstabelle nach Cooper für mein Alter den höchsten Fitnesslevel „Superior“ ergibt (Tabelle Cooper VO2max Fitnesslevels). Muss man ja nicht ganz so ernst nehmen – es sagt natürlich gar nichts über Wettkampf-Zeiten aus (die bei mir ja eher moderat sind) – aber ich habe nun schwarz auf weiß, was ich schon immer wusste: dass mir das Laufen sehr gut tut!

Ein für das weitere Lauftraining wichtiger Wert ist übrigens noch die Anaerobe Schwelle. Bei Wikipedia heißt es: „Die anaerobe Schwelle hat im Leistungstraining eine große Bedeutung, da dem Training mit einer Intensität knapp unterhalb dieses Grenzwertes ein hoher Effekt bei der Entwicklung der aeroben Leistungsfähigkeit nachgesagt wird.“ Laut Leistungsdiagnostik liegt meine individuelle anaerobe Schwelle (iANS) bei einer Herzfrequenz von 143. Das werde ich in Zukunft auf jeden Fall im Lauftraining berücksichtigen.

Kleines Detail am Rande: Die Anaerobe Schwelle wird meist durch den bereits eingangs erwähnten Laktattest bestimmt. Dieses Verfahren ist allerdings inzwischen umstritten und es wird empfohlen, die „Schwelle“ auf Basis mehrerer Parameter zu ermitteln, u.a. der VO2max. Da lag ich also gar nicht so verkehrt mit der Spiroergometrie ;-)

Diagramm Leistungsdiagnostik VO2 max

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F-Klasse-Laufen, Lauftraining

4 Kommentare zu “Läufer-Leistungsdiagnostik und Herz-Check: Von Spiroergometrie, VO2max und Anaerober Schwelle”

  1. Gerd sagt:

    Wow, da hast Du ja das volle Programm absolviert.
    Ich bin der Meinung, dass Du nur mit der Spiroergometrie aussagekräftige Werte erhälst.
    Aber das hast Du ja bereits erwähnt.
    Schön das bei Dir alles OK ist!

  2. webmaster@startblog-f.de sagt:

    Ich bin auch froh, dass ich es endlich mal gemacht habe. Ist ein beruhigendes Gefühl. Vielleicht mache ich das jetzt regelmäßig (alle 2 Jahre?)…

  3. Hannes sagt:

    0,00 % Körperfett, na, das ist aber gefährlich *grins*

    Glückwunsch zu diesem guten Ergebnis! So ein Rundum-Check ist sicher verdammt sinnvoll – steht bei mir auch schon seit längerem auf der Wunschliste *grübel*

  4. webmaster@startblog-f.de sagt:

    @Hannes
    Für dich kommt wohl eher die Leistungsdiagnostik zur Optimierung des Lauftrainings in Frage. Im Gesundheits-Check-Läuferalter bist du ja noch nicht ;-)

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