Das erste Mal – Wie haben andere Läufer angefangen? | Teil 2

Veröffentlicht am 21.04.2009 | 2 Kommentare

Neue LaufschuheVor einiger Zeit habe ich unter dem Titel „Das erste Mal – Wie haben andere Läufer angefangen?“ einige Berichte von befreundeten Läufern zusammengetragen. Darüber wie sich ihre ersten Laufschritte angefühlt haben, wie ihre ersten Lauferfahrungen waren. Inzwischen sind neue Berichte bei mir eingegangen, die ich – gerade als Motivation für Laufanfänger – in diesem zweiten Teil vorstellen will. Wer möchte, kann mir gerne seine eigenen ersten Erfahrungen als Läufer für Teil 3 schicken, der sicherlich auch noch kommen wird…

Nachdem ich in meiner Jugend zunächst leistungsorientiert Fußball gespielt habe und dann später zur Leichtathletik gewechselt bin, kam dann während der Studienphase die erste Ruhephase was Sport betrifft. Diese Phase wurde nur kurz unterbrochen, durch eine halbherzige „Kneipenwette“, Anfang Mai die 25 km von Berlin zu laufen. Das muss so um 1984/85 gewesen sein. Damals waren die 25 km der große Laufevent in West-Berlin und wurden von den französischen Alliierten organisiert (deswegen auch umgangssprachlich „Franzosenlauf“).  Als Leichtathlet, der von der Sprintstrecke kommt, sind 25 km eine sehr, sehr lange Strecke. Nach den ersten kleinen Waldläufen stellte ich schnell fest, dass es tausend Entschuldigungen gibt, gerade heute nicht zu trainieren und so wurde die Idee schnell aufgegeben. Es dauerte dann weitere 10 Jahre, 2 Kinder und ca. 15 kg am Körper mehr, bis ich einen weiteren Anlauf unternahm.

Da ich damals direkt am Lichtenrader Wäldchen wohnte, machte ich mich mutig auf die ca. 2,1 km Runde. Nach etwa 500 Metern setzte die Schnappatmung ein und nach kurzer Gehpause ging es weiter. Es dauerte nicht lange und ich hörte Schritte und Stimmen hinter mir, die zwei älteren Herrschaften gehörten, die dann locker grüßend an mir vorbeizogen. Eine kurzes Tempointervall nach dem Motto „da bleibe ich aber dran“ führte dazu, dass die Runde damit beendet war und meine Motivation zu laufen einen großen Dämpfer erhielt. Diesmal war der Wille aber stärker und peu à peu wurden die Runden länger, die Kilos weniger und die Lust am Laufen größer. Langsam entwickelte ich mich vom Anfänger zum Läufer aus Leidenschaft; es kamen die ersten Wettkämpfe (Halbmarathon in Berlin und Hannover) und durch Arbeitskollegen wurde ich mit dem Virus „Marathon“ infiziert.

Und dann kamen viele „erste Male“: Zum ersten Mal Vorbereitung auf den Berlin-Marathon, das erste Mal drei Stunden am Stück laufen, das erste Mal wirklich das Anmeldeformular ausfüllen, das erste Mal im Startblog-F stehen, das erste Mal Marathon-Atmosphäre schnuppern, das erste Mal bei Kilometer 33 keine Lebensenergie mehr im Körper haben, das erste Mal die Ziellinie mit 4:04 Stunden überqueren, das erste Mal den „Runner’s High“ spüren.

Andreas II.

Ich wollte nie Langläufer werden!

Als Kind von 7 Jahren habe ich in einem regnerischen Herbst das Fußballspielen ausprobiert. Es war einfach furchtbar (Schotterbelag) und schweinekalt. Danach habe ich mich dem Schwimmen gewidmet, machte aber auch nicht wirklich Spaß. Nach ein paar Jahren Pause bin ich dann zum Handball gekommen und treu geblieben. In der Halle konnte man immer gut Sport treiben.

Nach der Schule meine wirklich ersten Lauferfahrungen (sehr schmerzvolle, wir hatten „No Name“-Einheitshallenschuhe als Ausrüstung) bei der Polizei. Dort mussten wir bei Wind und Wetter mit ohne ABC-Maske usw. laufen. Seinerzeit stand unser 1. Lehrjahr der Grundausbildung der Bundeswehr in nichts nach. Nach der Ausbildung voller Tatendrang meldete ich mich mit 2 Kollegen der Hundertschaft zum 25 km de Berlin ohne Training an. Auf der alten Strecke (Kaiserdamm hoch). Es war die Hölle, aber angekommen.

Danach folgte 15 Jahre Laufauszeit. Der Handball ging wegen des strapazierten Rückens nicht mehr. Trainer einer Mannschaft war auch nicht die Erfüllung auf Dauer. Nebenher hatte ich eine Familie gegründet und hatte 2 Kinder, das 3. war unterwegs, etwas musste passieren. Auch ein Mann nimmt bei einer Schwangerschaft zu, nicht nur die Frau. Die Frauen haben den Vorteil durch das Stillen viel Energie im Sitzen zu verbrauchen, Männer leider nicht. Ich überlegte mir was mir noch bliebe um Job (Schichtdienst) und Familie und Sport miteinander zu kombinieren. Es waren das Laufen und Fahrradfahren auf dem Weg von und zur Arbeit. Als Ziel setzte ich mir dann gleich einen Halbmarathon.

Eine weise Entscheidung, denn ich brauche Ziele um mich zu (quälen) motivieren. Der Rest ist schnell erzählt, ich laufe jetzt regelmäßig seit 2005. Ich bin in Hamburg, Köln und Berlin Marathon gelaufen. Ich werde sicherlich nie der schnellste Läufer werden aber bin bis jetzt verletzungsfrei geblieben.

Zum Schluss: meine Kinder (mittlerweile 4) sind alle im Leichtathletik-Verein, feuern mich immer gerne an und haben auch mal für einen langen Lauf am freien Wochenende Verständnis. Mein ältester Sohn (Schüler D) läuft in seiner Altersklasse jetzt schon Zeiten, wovon ich träumen kann.

Andreas V.

Die Erinnerungen an meine ersten läuferischen Erfahrungen reichen in die Mitte der 70er Jahre zurück. „Lauf einmal um den Pudding“, ordnete meine Mutter ihrem pubertierenden Sohn vor Bundesjugendspielen und Stadtmeisterschaften regelmäßig an. Der Pudding ist eine ca. fünf Kilometer lange Runde vor den Toren Meinerzhagens im Sauerland. Dort geht es  ganz schön rauf und runter – deutsches Mittelgebirge eben. Angst hatte ich damals weniger vor der Strecke als vor den Schäferhunden, die mich an jedem Hof bellend erwarteten. Damals gab es im Sauerland noch reichlich landwirtschaftliche Betriebe, und bestimmt waren es die Hunde, die mir schnelle Beine machten. Mit einem aus heutiger Sicht völlig unvernünftigem und nicht ausreichenden Training kämpfte ich meist schon einen Tag nach dem von meiner Mutter verordneten Training auf der Tartanbahn im heimischen Volmestadion um Punkte für Sieger- bzw. Ehrenurkunde oder den bedeutenden Titel des Stadtmeisters über 1.000 Meter. Dieser blieb mir, wen wundert es, natürlich bei Zeiten um die drei Minuten verwehrt.

Es kam der Lebensabschnitt, den manch einer als Sex, Drugs and Rock’n’Roll in Erinnerung hat und der meinen Aufstieg zu einer sauerländischen Lauflegende auf unbestimmte Zeit verschob. Dem Pudding blieb ich in dieser Zeit dennoch treu, denn man konnte abseits des Weges den eben erwähnten Lastern ungestört nachgehen.

Es vergingen annähernd 20 Jahre bis ich wieder auf der Fünf-Kilometer-Runde trainieren sollte. Der Neuanfang verlief nebulös, es gab keinen Tag X, gelaufen bin ich immer mal wieder mit Freunden, Nachbarn oder allein. Spätestens aber mit Beginn des neuen Jahrtausends begann ich ernsthaft und ausdauernd zu trainieren. Die Zigaretten wurden endgültig bei Seite gelegt. Ich folgte zunächst den Anweisungen des forever young Gurus Dr. Strunz. Wenig später trainierte ich nach den Plänen von Peter Greif, machte Fortschritte, schloss mich einer Trainingsgemeinschaft an und lernte Qual und Freude des Laufens kennen. Meine Runden im Berliner Grunewald sind heute erheblich länger geworden, dafür aber auch flacher und Hofhunde gibt es im Sauerland auch nicht mehr so viele – zumindest bellt mich keiner mehr an, wenn ich um den Pudding laufe.

Johannes

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Lauferfahrungen

2 Kommentare zu “Das erste Mal – Wie haben andere Läufer angefangen? | Teil 2”

  1. Hannes sagt:

    Und ich hatte schon befürchtet, mit dem einmaligen Artikel wäre die Serie schon zu Ende gewesen. Schön, dass es doch noch weiter geht.

    Wieder sind interessante „Anfänge“ dabei – da kommt einem so einiges bekannt vor. Oft ist es ja scheinbar so, dass in der Kindheit alle sportlich sind und dann bis zur Familiengründung nichts mehr machen. – Mal sehen, ob ich auch ins Nichtstun falle.

  2. Hanna sagt:

    Schöne Laufanfänger-Stories! Inzwischen arbeite ich endlich auch an meiner Story und hoffe, eines Tages –wie ihr– das F-Niveau erreichen zu können ;-) Noch kämpfe ich allerdings mit Überschätzungen im Sinne des Zitats von neulich und der ernüchternden Realität… Jedenfalls ist dieser Blog sehr motivationsfördernd für mich. Danke dafür.

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