Ein Bremen-Sightseeing-Lauf

Veröffentlicht am 05.08.2008 | 2 Kommentare

Parkhotel Bremen am Hollersee

Die letzte Woche habe ich bei schönstem Sommerwetter in Bremen verbracht und dabei auch am Dienstag in aller Frühe einen Sightseeing-Lauf durch meine Heimatstadt gemacht. Stadtmusikanten, Roland, Lichtbringer und Kaiser Friedrich haben mir dabei zugesehen. Sonst war ja auch noch kaum einer auf den Beinen…

Gestartet bin ich am Torfkanal, am südwestlichen Ende des Bürgerparks, die Hollerallee in Richtung Westen. Das Parkhotel und der Hollersee mitsamt der Statuen lagen noch verschlafen in der Morgensonne.

Elefant (Anti-Kolonial-Denkmal)Mosaik im Bremer Hauptbahnhof

Von hier aus ging es nun südlich an der Stadthalle (neudeutsch: AWD-Dome) und der Bürgerweide vorbei. Nach einem kleinen Fototermin beim Elefanten – 1932 als Reichs-Kolonial-Ehrenmal geboren und nun seit 1990 geläutert als Anti-Kolonial-Denkmal im Ruhestand – wollte ich durch den Lloydtunnel zum Bahnhofsvorplatz. Aber der Lloydtunnel hatte seine besten Zeiten wohl längst gesehen und war verwuchert und gesperrt. Hier bin ich früher alljährlich im Herbst mit meinen Eltern und Geschwistern zum Freimarkt gegangen. Man ging an einem Ende erwartungsfroh hinein und am anderen Ende kam man in der Jahrmarkt-Wunderwelt heraus. Heutzutage geht es mitten durch die Shopping-Passage des Bahnhofs. Leuchtet auch. Nur kälter.

Ich laufe also zwischen Geschäften und Reisenden durch bis in die Bahnhofshalle, die sich noch ein wenig ihren alten Charme bewahren konnte. Zumindest im oberen Bereich, in dem ein Mosaik aus den 50er-Jahren Bremens Bedeutung als Tabakumschlagplatz darstellt.

Überseemuseum BremenKanaldeckel mit Bremer Schlüssel

Von außen wiederum sieht man, warum Bremens Hauptbahnhof als einer der schönsten in Deutschland gilt. Ein beeindruckendes Eingangsportal. Wenige Meter entfernt liegt das Überseemuseum mit einer nicht minder schönen Fassade. Ich laufe weiter in Richtung Innenstadt und „stolpere“ dabei über einen Kanaldeckel mit Bremer Schlüssel. Der wird mir auf meinem Lauf noch öfter in den verschiedensten Formen begegnen (der Schlüssel, nicht der Kanaldeckel).

Bremer Wallmühle

Nach einigen Minuten bin ich an den Wallanlagen angekommen und mache das Foto, das nahezu jeder Bremen-Tourist macht (die wenigsten allerdings wochentags um 7:30 Uhr): die Wallmühle mit den bunt bepflanzten Wallanlagen.

SögestraßeWerder-Bremen-Trikots

Gleich darauf laufe ich an „den Schweinen“ vorbei in die Sögestraße. Alle Bremer sagen übrigens: „Wir treffen uns bei den Schweinen.“ Kein Schwein sagt: „Wir treffen uns beim Hirten.“ ;-)

Hier beginnt für viele Bremer meist der Einkaufsbummel und auch für mich beginnt nun die Bummelei… Wie soll man auch laufen, wenn alle paar Meter die nächste Sehenswürdigkeit fotografiert werden will?

A propos Laufen: In einem Schaufenster sind die aktuellen Werder-Trikots ausgestellt, und die laufen bestimmt prächtig! Die Bremer lieben nämlich „ihren“ Verein. Auf Schritt und Tritt begegnet man in der Stadt der Begeisterung für den SV Werder Bremen: auf Fahnen in Fenstern und Vorgärten, auf T-Shirts und Trikots, auf Brieftaschen an der Supermarktkasse… sogar Rollstuhlfahrer mit Werder-Fahne habe ich gesehen.

Bremer StadtmusikantenBremer Rathaus Arkaden

Inzwischen bin ich in „Bremens guter Stube“ angekommen und stehe minutenlang fotografierend mittendrin (von wegen Läufer!). Im Gegensatz zu mir muss der Esel der Bremer Stadtmusikanten ein erfolgreicher Läufer sein: er hat inzwischen goldene Beine (mit denen er sich offensichtlich auch eine goldene Nase verdient hat)… Gleich um die Ecke ist der Marktplatz und mir fällt sofort auf, dass ich die Arkaden am Rathaus noch niemals so menschenleer gesehen habe.

Schütting am Bremer Marktplatz

Gegenüber vom stattlichen Bremer Rathaus befindet sich der nicht minder stattliche Schütting, ein Renaissance-Prachtbau, den sich die Sprecher der Bremer Kaufmannschaft 1537 bauen ließen. Oberhalb des Portals steht in goldenen Lettern der Leitspruch der Bremer Kaufleute „Buten un Binnen, Wagen un Winnen“.

Bremer RathausBremer Roland

Mit diesem Spruch hat es Bremen auch – lange vor der Globalisierung – weit gebracht, wie man unschwer am prachtvollen Rathaus sehen kann. Der Roland davor ist immerhin von 1404 und steht für die Freiheit und Rechte der Stadt Bremen. Ziert sich etwas fotografiert zu werden der Gute, hält sich standhaft im Schatten. Aber nach wenigen Minuten sind wir beide zufrieden und ich laufe (ja, tatsächlich!) über den Marktplatz hinüber in die Böttcherstraße.

Böttcherstraße mit LichtbringerTreppe in der Böttcherstraße

Unter dem „Lichtbringer“ von Bernhard Hoetger hindurch geht es die bekannte schmale Straße entlang, die ich fast für mich alleine habe. Für Architektur-Freunde ist dieses kleine Stück Bremen mit seiner expressionistischen Fassadenlandschaft wirklich ein Genuss.

Pfannkuchenschiff an der SchlachteBiergärten an der Schlachte

Am Ende der Böttcherstraße wird man etwas jäh wieder in die Gegenwart zurückgeholt und muss durch den Fußgängertunnel um die vierspurige Martinistraße kreuzen zu können. Aber die Belohnung folgt wenige Minuten später, denn ich komme am Martinianleger wieder heraus. Hier starten viele Hafenrundfahrten und nach rechts zieht sich die Schlachte hin. Vorbei am „Pannekoekschip“, auf dem man, wie der Name schon sagt, Pfannkuchen in allen Variationen essen kann, laufe ich auf die in den letzten Jahren immer größer gewordenen Biergärten der Schlachte zu.

Teerhof und Neues Museum Weserburg

Auf der Bürgermeister-Smidt-Brücke komme ich nun zum Teerhof, dem Ende einer lang gezogenen Weserinsel. Hier befindet sich das Neue Museum Weserburg, das zeitgenössische Kunst der letzten 30 Jahre zeigt. Da ein Museumsbesuch bei einem Sightseeing-Lauf wenig Sinn macht – mal abgesehen davon, dass das Museum natürlich noch geschlossen ist – laufe ich weiter zur anderen Weserseite.

Fahrräder

An der Kleinen Weser entlang geht es nun bis zur Wilhelm-Kaisen-Brücke. Dieser Streckenabschnitt ist recht idyllisch und ruhig, was noch durch die zahlreichen am Geländer geparkten Fahrräder unterstrichen wird (Bremen ist eine absolute Fahrrad-Stadt).

SchnoorGasthof Kaiser Friedrich

Nachdem ich die Wilhelm-Kaisen-Brücke überquert und dabei einen langen Blick über die Weser geworfen habe, komme ich rechts über ein paar unscheinbare Stufen abwärts zu einem weiteren architektonischen Kleinod, dem Schnoor. Hier reihen sich dicht an dicht wunderschöne kleine Häuser an einer schmalen Gasse entlang (wie an einer Schnur, daher der Name).

SchnoorSchnoor

Zahlreiche Kunsthandwerker, Restaurants und Cafés haben sich in den liebevoll restaurierten alten Häusern niedergelassen – das älteste noch erhaltene Gebäude ist immerhin aus dem Jahr 1512! Hier kann man schlendern, gucken und staunen und ich muss gestehen, dass ich genau das auch getan habe…

Osterdeich mit Weserstadion

Aus dem Schnoor heraus geht es anschließend auf den Osterdeich, wo ich wieder etwas Fahrt aufnehmen und „richtig“ laufen kann. Hier bin ich vor vielen vielen Jahren gerne mit dem Rad an der Weser entlang in die Stadt und zurück gefahren. Am Horizont taucht nun das Weserstadion mit seinen charakteristischen vier Lichtmasten auf, aber so weit wollte ich heute eigentlich nicht mehr und kehre deshalb auf Höhe der Fähre „Hal över“ um.

Osterdeich mit Blick auf die umgedrehte Kommode

Den Rückweg laufe ich dann oben auf dem Deich, mit schönem Blick auf die Weser, die Deichwiesen und die „umgedrehte Kommode“, wie das alte Wasserwerk im Volksmund genannt wird.

Theater am GoetheplatzWallanlagen in Bremen

Nachdem ich rechts abgebogen bin, komme ich nach kurzem Lauf durch einen Parkweg am Theater am Goetheplatz heraus, das sich nahezu mediterran zeigt mit den Palmen eines Cafés davor. Vorbei an der Kunsthalle biege ich nun rechts in die Wallanlagen ab.

Die Liegende von Gerhard Marcks

Witzig finde ich, dass – aus welchem Grund auch immer – die „Liegende“ von Gerhard Marcks sich vor einer Reihe von Zuschauer-Parkbänken räkelt. In diesem Moment allerdings vor leeren Rängen, was ihr absolut nichts auszumachen scheint. Am Wasser der Wallanlagen entlang geht es nun bis zu einer kleinen Brücke, die mich direkt in die Rembertistraße führt.

Zentralbibliothek für MusikHaus an der Hollerallee

Auf meinem Weg in Richtung „Stern“, einer Kreuzung am südöstlichen Ende des Bürgerparks, passiere ich die Musikbibliothek, in der ich mir früher hin und wieder Gitarrenschulen und andere Musikbücher (ich erinnere mich komischerweise recht genau an eine „Geschichte des Reggae“) ausgeliehen habe. Vom „Stern“ wiederum biege ich auf meine „Zielgerade“, die Hollerallee ein. Auch hier stehen, direkt gegenüber dem Bürgerpark, einige prächtige Villen, zumeist im Besitz von Institutionen.

Parkhotel Bremen

Das Parkhotel am Hollersee ist inzwischen aufgewacht und präsentiert sich dem entspannten Sightseeing-Läufer wesentlich heller und freundlicher als noch zu Beginn der Tour. Hier biege ich in den Bürgerpark ein, um mit einem kleinen Schlenker zum Marcus-Brunnen meinen Sightseeing-Lauf durch Bremen zu beenden…

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Lauferfahrungen

2 Kommentare zu “Ein Bremen-Sightseeing-Lauf”

  1. Hannes sagt:

    Der Hinweis hat sich gelohnt. Eine richtig schöne Tour, tolle Bilder – du hast es geschafft, mir Bremen schmackhaft zu machen *lach*

  2. ortsdienst sagt:

    Deine Fotos sind sehr schön, wenn du magst kannst du diese auch auf http://www.ortsdienst.de/Bremen/ bei jeglichen Sehenswürdigkeiten hochladen!

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