Schneematsch, Sulz und Sun City

Veröffentlicht am 12.12.2010 | Kommentare deaktiviert für Schneematsch, Sulz und Sun City

Läufer auf Parkweg mit Schneematsch

Am heutigen 3. Advent mussten wir mit unserem Wochenendlauf etwas improvisieren, denn gestern hatte das große Tauwetter eingesetzt, und von der weißen Pracht waren nur noch schlecht zu „belaufender“ Schneematsch und vereinzelte Eisflecken übrig geblieben. So liefen Andreas V., Monika, Klaus, Hartmut und ich denn zuerst auf Fußwegen in Richtung Britzer Garten, dem ehemaligen Bundesgartenschau-Gelände von 1985…

StraßenschilderSonnenuhr

Dort mussten wir allerdings auf Park- und Fußwegen laufen, die so voller Schneematsch waren, dass es bei jedem Laufschritt kräftig zur Seite spritzte und wir alle innerhalb weniger Minuten nasse Füße hatten. Kurz nachdem wir diesen feuchten Streckenabschnitt hinter uns hatten, wiesen Hartmut und Andreas V. mich auf ein Straßenschild hin, das sei ja genau passend.

Als ahnungsloser Zugereister dachte ich, es handelte sich um eine umgangssprachliche Berliner Vokabel, habe mich aber später von Wikipedia eines besseren belehren lassen: „Sulz ist eine Form von nassem und schwerem Schnee“. Habt ihr natürlich alle gewusst. Nur ich nicht ;-)

Der Himmel war etwas trübe, und die Sonnenuhr am U-Bahnhof Alt-Mariendorf hatte deshalb verständlicherweise eine kleine Pause eingelegt. Aber wenige Laufmeter weiter strahlte eine Leuchtwerbung „Sun City“ umso verheißungsvoller.

Leuchtreklame Sun City

Bei dem Namen wurden bei mir gleich die Erinnerungen wach. Den Song „Sun City“ habe ich mir 1985 (was für ein Zufall: das Jahr der Berliner BuGa, s.o.) sogar als Single(!) in der Maxi-Version gekauft. Das Projekt Artists United Against Apartheid, eine Sammlung von 49 Rock- und Rap-Stars unter der Führung von Steven van Zandt, bezog damals musikalisch Stellung gegen das Apartheid-Regime in Südafrika. Im Gegensatz zum „We are the World“-Geschmuse eine richtig gute Nummer mit druckvollem Gitarren-Riff (das in der offiziellen Version leider etwas untergeht) und vielen gut gesungenen Einlagen der Musikhelden von damals.

Relocation to phony homelands
Separation of families I can’t understand
23 million can’t vote because they’re black
We’re stabbing our brothers and sisters in the back
I ain’t gonna play Sun City

Der junge, damals noch charismatische Bono jagt mir mit seiner Zeile noch immer Schauer über den Rücken. Sämtliche Musiker des Songs – Bruce Springsteen, Bob Dylan, Run DMC, Lou Reed, Peter Gabriel, Pete Townsend, Keith Richards, Ringo Starr, George Clinton, Herbie Hancock, Miles Davis, und, und, und – findet ihr übrigens hier.

Läufer auf matschigem Weg

Kann es sein, dass ich etwas abgeschweift bin? ;-)

Auf jeden Fall haben wir unseren Lauf dann erst einmal auf wunderbar freigeräumten Fußwegen fortgesetzt. Nachdem wir Monika und Klaus zuhause „abgesetzt“ hatten, sind Andreas V., Hartmut und ich noch eine weitere kleine Zusatzrunde gelaufen. Bei wechselnden Bodenverhältnissen zwischen einwandfrei, matschig und glatt.

Und ganz zum Schluss, als Andreas V. dann abgebogen war, hat Hartmut mich noch einmal kräftig gezogen. Für mich war es wahrscheinlich bereits Halbmarathon-Renntempo… Aber dann war ich auch zufrieden wieder zuhause. Um noch ein letztes Mal die heute fehlende Sonne zu bemühen: Here comes the sun, here comes the sun and I say it’s alright!

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