13. Naturmarathon Marienwerder (Halbmarathon) am 11.03.2017

Veröffentlicht am 12.03.2017 | 4 Kommentare

Für mein Debüt beim Naturmarathon in Marienwerder hatte ich über eine Stunde Anfahrt in Kauf genommen, aber es hat sich in jeder Hinsicht gelohnt! Nicht nur, dass ich die familiäre Atmosphäre solcher kleiner Laufevents enorm mag, ich traf überraschenderweise vor dem Start auch noch zwei bekannte Gesichter: Sylke, die sich die Marathondistanz vorgenommen hatte, und Stocki, der als Trainingslauf die drei Runden (31,5 km) laufen wollte. Und dann war da noch mein eigener Halbmarathon, der ganz anders lief als zuvor gedacht…

Ich hatte mir im Vorfeld endlich mal wieder eine Zeit deutlich unter 1:50h gewünscht, da ich diese Marke in den letzten beiden Jahren aus verschiedenen Gründen zum Teil deutlich überschritten hatte. Mit dem 5:10er-Schnitt im Kopf lief ich also los, als der Startschuss ohne großes Drumherum unvermittelt ertönte.

Vor dem Start hatte mich noch die Durchsage „Denkt daran, dass es ein Crosslauf ist, achtet etwas auf eure Füße“ etwas verwirrt, damit hatte ich nicht gerechnet. Es ging auch gleich in den Wald, auf einen schmalen Pfad, der teilweise sandig war und auch einige kleine Wurzeln aufwies. „OK, dann vergiss es also mit den 1:50h…“ seufzte ich im Stillen und kämpfte mich mit den anderen über den ersten Kilometer.

Glücklicherweise wurde der Pfad dann fester, und ich stellte fest, dass ich auf dem zweiten Kilometer mit knapp unter 5 Minuten viel zu schnell geworden war.

Zufällig traf ich Sarah von den Flitzpiepen, die für die 10,5 km gemeldet war. Nach ein paar Worten ließ ich aber abreißen, weil ich mich nach dem vorangegangenen sehr schnellen Kilometer lieber wieder auf mein eigentliches Zieltempo von 5:10 min/km einpendeln wollte.

Die Strecke führte nun auf einem breiteren Forstweg sehr schön durch den Wald. Aber nicht lange, denn dann ging es auch schon wieder auf etwas anspruchsvollerem Terrain weiter.

Es machte richtig Spaß, so durch den Wald zu laufen, war aber auch so kräfteraubend, dass ich regelrecht aufatmete, als es nach einer Linksbiegung auf einen asphaltierten Weg ging. Und sogar noch leicht abschüssig, wie herrlich!

Was wohl die Pferde am Wegesrand über diese schwer atmenden, bunt gekleideten Menschen dachten, die da an ihnen vorbeizogen?

Über eine kleine Brücke und Kopfsteinpflaster ging es erneut in den Wald und schließlich wieder auf Asphalt weiter.

Beim kleinen Restaurant „Der Schleusengraf“, das sich rühmt, das älteste Amtsgebäude Deutschlands zu sein, wurden uns unsere Optionen auf zwei Schildern gezeigt: Links ging es zum „Leidensweg“, sprich: führte die Strecke weiter, und rechts gab es Bier…

Der Mann am Straßenrand rief auch noch: „Hier gibt’s ein Frühstücksbier!“ Ja, toll, aber: nein! Gemeinsam mit den anderen um mich herum lief ich stoisch weiter mein Tempo und bog nach links.

Waren das Bienenkörbe im Wagen auf der Wiese?

Auf der anderen Seite gab es eine sumpfige Landschaft zu bestaunen.

Es ging nun am Finowkanal entlang. Seit vielleicht einem Kilometer lief ich nun gemeinsam mit einem anderen Läufer im weißen SCC-Eventshirt.

Wir hielten konstant ein für mich immer noch unerwartet hohes Tempo von 5:00 min/km und sammelten so den/die eine/n oder andere/n Läufer/in ein.

Eine kurze fiese Steigung führte zur Brücke hinauf. Links von uns lag eigentlich der Start-Ziel-Bereich, aber wir mussten erst noch nach rechts.

Eine Pendelstrecke! Wie immer eine kleine mentale Herausforderung, aber Helge – so hieß mein spontaner Laufpartner im weißen Shirt – und ich zogen unbeirrt voran.

Bei der Kirche Marienwerder war der Wendepunkt erreicht und wir liefen in die Gegenrichtung auf das Ziel zu.

War für uns aber leider noch nicht das Ziel, sondern nur das Ende der ersten Runde ;-) In 52:30, mit exaktem 5er-Schnitt, passierten wir den orangenen Zielbogen (in den Ergebnissen wurde später für mich merkwürdigerweise 52:50 gezeigt).

Nun ging es auf die zweite Runde. Helge, der bereits mehrmals in Marienwerder gestartet war, meinte, dieser Teil zu Beginn des zweiten Durchgangs würde aufgrund des weichen Bodens am meisten Kraft kosten. Aber wir bekamen auch das mit unverändert gutem Tempo in den Griff. Irritierend war nur, dass uns inzwischen erste Marathonläufer und Drei-Runden-Läufer mit hohem Tempo überholten. Diese waren 10 Minuten nach uns gestartet…

Aber auch wir beiden überholten den einen oder anderen.

Ab Kilometer 15 spürte ich ein erstes Ziehen in der rechten Wade. Dieses machte sich immer stärker bemerkbar, irgendwann dann auch ein Ziehen in der linken Wade. Mist, es drohten Krämpfe. Auf den letzten drei Kilometern schickte ich daher Helge voraus, der gerne unter 1:45h bleiben wollte. Ich war ohnehin weitaus besser in der Zeit als ich es mir erhofft hatte und musste das Rennen nur noch halbwegs anständig über die Runden bekommen.

Wie so oft: Man denkt, man wird bewusst langsamer, aber so langsam ist das dann auch wieder nicht. Auf jeden Fall blieb Helge immer in Sichtweite, obwohl er, wie er mir hinterher erzählte, das Tempo auf 4:40 min/km steigerte. Beim „Schleusengraf“ wurde gerade lautstark zur Gitarre der Werner-Song „Beinhart“ gesungen als ich vorbeilief. In der Tat: Meine Beine waren hart, aber zu den befürchteten Krämpfen kam es nicht ;-)

Die Strecke am Finowkanal entlang verging wie im Flug, ein letztes Mal keuchend die scharfe Steigung zur Brücke hinauf, die Pendelstrecke hin und zurück, dann  wieder hoch zur Brücke – und herunter auslaufen ins Ziel, wo mich Helge schon erwartete. Geschafft!

Ich war in 1:45:22 im Ziel, er 36 Sekunden vor mir. Wir beglückwünschten uns und plauderten noch ein wenig, bevor wir uns verabschiedeten.

Ich guckte später auf meinem Fußweg zum Auto noch etwas den vorbeilaufenden Teilnehmern zu und sah dabei zufällig Stocki auf dem Weg zu seiner dritten Runde. Wie ich später in den Ergebnissen gesehen habe, hat er seinen Plan sekundengenau umgesetzt.

Ich habe erstaunlicherweise mein ungeplant hohes Tempo auch auf der zweiten Runde beibehalten können, und das Beste: Selten bin ich bisher so früh im Jahr so schnell auf der Halbmarathon-Distanz gewesen – schon gar nicht auf so einer Naturstrecke!

Ein wirklich gut organisiertes, gelungenes, sehr familiäres Laufevent! Da bleibt mir nur zu sagen: „Auf Wiedersehen vielleicht schon im nächsten Jahr, Marienwerder!“

PS: Danke an Helge, der mich so gut und gleichmäßig auf über der Hälfte der Strecke begleitet hat und Glückwünsche an Sylke, die ihren Marathon gewohnt lässig absolviert hat, Stocki, der seinen Plan exakt umgesetzt hat und Sarah, die sogar auf’s Treppchen gelaufen ist!

Kategorien

F-Klasse-Laufen, Laufevents

Kommentare

  1. Din

    Das hört sich nach einem gelungenen Lauf und einer tollen Veranstaltung an! Ist ja auch gar nicht so weit weg. Deshalb werde ich mir das mal für die Jahre, die noch kommen, notieren.

    Die Schilder sind ja wirklich der Hammer! Sehr schöne Eindrücke, die du auch von der Natur eingefangen hast.

    Dein P.S. liest sich ganz so, als wäre das auch für alle anderen ein sehr erfolgreicher Lauf gewesen. Herzlichen Glückwunsch an dich und an alle.

  2. Andreas

    @Din
    Kann ich nur empfehlen, den Lauf! Hat sehr viel Spaß gemacht. Die Anfahrt aus dem Berliner Süden ist allerdings nicht ganz so kurz: Man kann entweder 56 km quer durch die Stadt oder 106 km drumherum fahren. Ich habe den langen Weg gewählt, weil der tatsächlich zeitlich ein paar Minuten kürzer war…

  3. Stocki

    Es war schön, dass wir uns mal wieder bei einem Lauf getroffen haben. Für mich war es das vierte Mal in Marienwerder und es macht immer wieder Spaß. Eine gut organisierte Veranstaltung und der Mix aus Waldboden und Straße passt super. Deinem schönen Bericht kann ich nur zustimmen.

    Vielleicht sehen wir uns bei den 25KM von Berlin?

    Stocki

  4. Andreas

    @Stocki
    Hat mich auch sehr gefreut, dich dort so überraschend getroffen zu haben! Vielleicht nächstes Jahr wieder? Aber erst einmal bei den 25km von Berlin, da bin ich auf jeden Fall am Start. Bis dann also!

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