
Bevor ich mir am Japan-Tag die Stadt mit 700.000 anderen Besucherinnen und Besuchern teilen musste, wollte ich Düsseldorf erst einmal (fast) für mich alleine haben. Also ging es bereits früh am Morgen um Viertel nach sechs los zu einem 10km-Sightseeing-Lauf…

Nach dem ersten „Säulenheiligen“ („Der Fotograf“) kam ich schon bald zur nächsten Kunstaktion: „11 mittelamerikanische Verkehrsinseln in Düsseldorf-City“ heißt das Kunstprojekt mit Palmen mitten in Düsseldorf.

Von der Skulptur „Die Kugelspielerin“ gibt es viele Kopien, von denen eine sogar in Berlin-Köpenick steht.

Es gibt erstaunlich viele Gänse in Düsseldorf – und sie fühlen sich hier anscheinend auch im Straßenverkehr sehr zuhause.

Schon wieder Kunst! Auf einer Wiese mit Blick auf den Kaiserteich entdeckte ich die „Sandalenbinderin“.

Wenn ich es richtig verstanden habe, ist der Kaiserteich ein Teil der Südlichen Düssel – dem Fluss, dem die Stadt ihren Namen verdankt. Das Ständehaus spiegelte sich sehr schön im Wasser, also wurde mein Fotostopp etwas verlängert.

Dann ging es aber gleich weiter und ich kam zum Rheinturm, vor dem im starken Kontrast das Kontorhaus „Anno 1915“ steht.

Gleich dahinter liegt die Marina Düsseldorf mit dem Medienhafen.

Der Neue Zollhof ist ein Gebäudeensemble, das der Architekt Frank Gehry entworfen hat.

Nach diesem kleinen Abstecher nach Westen lief ich nun am Parlamentsufer in die andere Richtung, der Sonne entgegen.

Durch das Dach der vielen Platanen, die die Promenade säumen, konnte ich auch den Rheinturm noch einmal sehen.

Vorbei ging es nun am Landtag Nordrhein-Westfalen und über eine etwas versteckte Fußgänger-und-Radfahrer-„Schnecke“…

… hinauf auf die Rheinkniebrücke.

Ich hatte mir von dort einen schönen Blick auf die Stadt erhofft, aber Düsseldorf versteckte sich leider im Gegenlicht. Nun gut, dann wieder zurück ans Rheinufer.

Dort wartete Johannes Rau auf dem gleichnamigen Platz. Mit goldener Hand und direkt neben einem Baustellenschild. Eine weitere Kunstinstallation?

Etwas weiter Richtung Rheinufer kam ich zu einer Skulptur am „Ort für die Erinnerung und Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt“.

So viel Müll – und der Japan-Tag hatte noch nicht einmal begonnen! Das waren noch die Hinterlassenschaften des Freitagabends, und die Müllabfuhr war auch schon fleißig, wie ich später sehen sollte. Warum die Leute es aber nicht schaffen, ihren Müll vernünftig zu entsorgen, bleibt mir ein Rätsel.

Auf dem Rhein waren die ersten Binnenschiffe unterwegs, als ich die noch schattige Promenade entlang lief.

Ich kam an der Pegeluhr vorbei…

… und an den Kasematten. Hier gibt es Außengastronomie mit angeblich 5.000 Sitzplätzen – und wenn man nicht gerade um 7 Uhr morgens vorbeiläuft, ist hier die Hölle los…

… Ballermann am Rhein sozusagen.

Etwas gediegener dagegen der Schlossturm (mit Schifffahrtsmuseum) und die Kirche St. Lambertus, zu der ich später noch kommen sollte.

Auf dem Burgplatz wurde bereits für japanisches Bier geworben…

… und ein einsamer japanischer Läufer fotografierte die Hauptbühne.

Die Zelte für Gastronomie, Kunst und Kultur standen schon bereit.

Zufällig entdeckte ich eine weitere „Säulenheilige“ – „Die Fremde“. Und direkt darunter auf der Litfaßsäule passenderweise Werbung für die deutsche Rentenversicherung.

Angekommen an der Kirche St. Lambertus entdeckte ich an der Seite den Kalvarienberg, eine historische Figurengruppe, die die Kreuzigung darstellt. Da musste ich natürlich gleich an den Kalvarienberg von meinem Lauf im Ahrtahl denken. Es gab sogar noch eine weitere Verbindung zu diesem Lauf gerade mal eine Woche zuvor: Ende des 14. Jahrhunderts sollen die Gebeine des Heiligen Apollinaris von Remagen hierher überführt worden sein.

Durch eine kleine Gasse kam ich zum Stadterhebungsmonument, das an der Nördlichen Düssel steht.

In diesem Bereich ist sie nur ein kurzer, von Mauern eingefasster Kanal, in dem ich aber einen großen Fisch entdeckte.

An einem Restaurant bemühten sich viele Maneki-nekos, den Inhabern Glück und Gäste zu bringen. Ich habe aber meine Zweifel, ob das funktioniert, wenn nur zweidimensional eine Pfotenbewegung der Winkekatze angedeutet wird.

Auf der Ratinger Straße lief ich nun an der Kreuzherrenkirche vorbei und weiter…

… bis zum Ratinger Tor. Diese beiden klassizistischen weißen Gebäude links und rechts der Straße bildeten früher ein Zolltor.

Mein Weg führte mich nun durch den Hofgarten und über die Goldene Brücke, der ältesten Fußgängerbrücke der Stadt.

Nach dem Denkmal für den Komponisten Robert Schumann…

… und den Dramatiker Christian Dietrich Grabbe…

… kam ich bei der Deutschen Oper am Rhein wieder aus dem Hofgarten heraus.

Wenn ich richtig gerechnet habe, kehrte hier, im ehemaligen „Hühner-Hugo“ (wo inzwischen amerikanische Hähnchen aufgetischt werden), vor 60 Jahren der junge Marius Müller-Westernhagen ein („Nach jedem Gig zum Hühner-Hugo, dort verfraßen wir unser Geld“ aus „Mit 18“).

Die Düsseldorfer Altstadt, aka „längste Theke der Welt“, zeigte sich von ihrer ruhigen Seite. Bis auf das Röhren der Müllautos, denn die Reinigungsteams hatten richtig viel zu tun.

In den 50er-Jahren warb die Sparkasse mit dem „Dukatenscheißer“ in Stein und Gold.

Am Ende der Bolkerstraße erreichte ich den Marktplatz, der durch japanische Torii und Zelte für den Japan-Tag etwas anders aussah als gewöhnlich. Über dem Ganzen wachte aber nach wie vor das Reiterstandbild von Jan Wellem.
Plötzlich fiel mir ein: Mist, ich hatte ja das Heine-Haus übersehen! Das sollte doch unbedingt noch mit in meinen Bericht hinein. Ich kann doch nicht den Düsseldorfer Westernhagen nennen und den Düsseldorfer Heine ignorieren! Also wieder zurück in die Bolkerstraße…

… ein Foto von Heinrich Heines Geburtshaus gemacht…

… und wieder zurück zum Rathaus auf dem Marktplatz.

Weiter ging es auf meiner privaten Sightseeing-Tour zu Brauerei und Gasthaus „Zum Uerige“, auf dem ein fröhlicher Wirt als Wetterfahne den Passanten zuprostet. Passend dazu die Inschrift „Dat leckere Dröppke“ am Erker.

Das Wilhelm-Marx-Haus war nicht nur eines der ersten Hochhäuser in Düsseldorf sondern auch eines der frühesten in Deutschland.

Nun war ich auf der Königsallee, der „Kö“, angekommen und wurde von der „Grünen Mathilde“ begrüßt.

Nach dem Tritonbrunnen…

… erreichte ich das Girardet-Haus…

… und entdeckte plötzlich blaue Streifen auf dem Asphalt! Marathon? Richtig, der fand hier in Düsseldorf vor einigen Wochen statt.

Im Kögraben spiegelten sich die Bäume…

…während in der Kö-Galerie die Beleuchtung mit der goldenen Morgensonne draußen wetteiferte.

Vielfach war japanisch dekoriert (es wurden an diesem Tag in einigen Kaufhäusern auch japanische Aktivitäten angeboten).

Cartier war noch geschlossen, aber mir reichte ohnehin meine einfache Laufuhr.

Ein lebensgroßer Roboter warb auf dem Fußweg für einen neueröffneten Shop.

Die glatte goldene Fassade von Gucci lud zu einem Läufer-Selfie mit Schaufensterpuppen ein.

Keine Ahnung, wie viele städtische Kanaldeckel ich auf den diversen Sightseeing-Läufen schon fotografiert habe. Dieser ist auf jeden Fall nun neu in der Sammlung (und wegen des Lichteinfalls verkehrt herum aufgenommen).

Wieder ein Abschnitt mit diversen Denkmälern und Skulpturen: Das Bismarck-Denkmal,…

… das Kaiser-Wilhelm-Denkmal…

… und die Skulptur „Schmied mit Knabe“ auf dem Martin-Luther-Platz.

An der eingerüsteten Johanneskirche schien ein verwitterter Engel um Entschuldigung für die Bauarbeiten zu bitten.

Von weitem sah ich das Dreischeibenhaus, das als Symbol des deutschen Wirtschaftswunders gilt.

Das Interessanteste hatte ich mir für den Schluss aufgehoben: Klar, dass ich am Japan-Tag auch durch die Immermannstraße laufen musste, die mit ihren Geschäften und Restaurants das Zentrum des Japanischen Viertels in Düsseldorf bildet.

Hier gibt es unter anderem japanische Plakate in den Schaufenstern zu bewundern, …

… besonders für japanische Köstlichkeiten wie Karaage, Onigiri und Ramen.

Ein Supermarkt mit langen Gängen voller bunter Verpackungen, …

… Werbung für alles mögliche…

… in verschiedensten japanischen Designs.

Dazwischen wieder „Säulenheilige“ – diese hier heißen „Vater und Sohn“.

Ein japanisches Geschäft reihte sich an das andere – Tee, Souvenirs, …

… Ramen-Restaurants, …

… japanisches Street Food…

… und noch einmal Ramen.

Fast am Ende der Straße angelangt, stieß ich auf einen Stadtplan, der mir noch einmal Little Tokyo im Überblick zeigte.

Nach ungefähr 10 Kilometern und werweißwievielen Fotos beendete ich meinen Sightseeing-Lauf. Die Aufzeichnung meiner Laufuhr war ziemlich ungenau, denn die Strecke auf der Karte sieht so krakelig aus, als hätte ich abwechselnd Kirin und Sake getrunken. Vermutlich lag es an den zahlreichen Stops, die ich für die Fotos (und manche Ampel) eingelegt hatte.
Ich musste im Laufe des Tages übrigens häufiger an diesen schönen Lauf durch die fast leere Stadt denken. Denn ab etwa 10 oder 11 Uhr waren die Düsseldorfer Innenstadt, die Rheinpromenade und das Japanische Viertel bis spät in die Nacht wegen des Japan-Tags proppevoll. Der frühe Vogel hat die Stadt für sich! (Japanisches Sprichwort ;-)