18. City-Nacht Berlin am 01.08.2009

Veröffentlicht am 05.08.2009 | 8 Kommentare

City-Nacht LaufshirtAm vergangenen Wochenende bin ich mit Monika und Klaus die 18. City-Nacht in Berlin gelaufen, ein 10-km-Lauf durch die westliche Innenstadt. Es sollte einer meiner Vorbereitungs-Wettkämpfe auf dem Weg zum Herbst-Marathon sein, bei dem ich auch meine längst fällige 10-km-Bestzeit auf unter 45 Minuten unterbieten wollte. Zuerst war es ja noch ganz lustig mit all dem Drumherum, aber dann gab es ein extrem schlimmes Ende…

Vor dem Lauf

Aufwärmen im StartblockLäufer bei der City-Nacht

Es hatte so nett angefangen. Monika und Klaus hatten mich abgeholt und wir waren frühzeitig vor Ort. Noch eben das knall-orange Finisher-Funktionsshirt abgeholt (ein Geschenk des Sponsors) und ein paar Witzchen hier und dort gemacht. Auf dem Weg zum Startbereich haben wir dann auch noch zufällig Eva und Frank – unsere Mitläufer beim Mauerweg-Lauf – getroffen und kurz geplaudert. Im Startblock standen Klaus und ich dann ausgerechnet vor der Bühne mit den „Animierdamen“! Na, da mussten wir natürlich auch noch zur Freude meiner zuschauenden Familie mitmachen.

Das Rennen

Klaus und ich liefen recht schnell los, hatten auf unseren geplanten 4:30er-Schnitt nach vier Kilometern schon einen Vorsprung von einer Minute. Wir verloren uns aus den Augen. Ich beschloss, auf jeden Fall jetzt auf die 4:30 min/km runter zu gehen. Bis Kilometer 5-6 ging das auch, aber dann spürte ich, dass auch das nicht bis ins Ziel so weitergehen würde. Kilometer 7 war schon sehr anstrengend, ich wollte nur noch ins Ziel. Dann nach einer gefühlten Ewigkeit die Kehre am Kurfürstendamm. Wann kommt hier nun Kilometer 8? Da, endlich, aber jetzt noch zwei Kilometer… Mir gehen langsam die Kräfte aus. Au weia, jetzt sehe ich das Schild: Kilometer 9 ist erst da hinten…

Das Ende

Und das waren die letzten Eindrücke an die ich mich erinnern kann. Filmriss. Wieder aufgewacht bin ich im Krankenwagen! Absolut fertig, immer wieder kurz davor wegzudriften, in ärztlicher Behandlung auf dem Weg zum Johanniter-Zelt. Ich erspare euch und mir mal die weiteren Details, nur so viel: wenig später war ich in Betreuung der Johanniter, mit Infusionstropf, Messgeräten und vielen Sanitätern um mich herum und all der Sorge (Hoffentlich kriegt meine Familie keinen Schock!) und dem Ärger (Wie kann man nur so blöd sein?) in mir drin.

City-Nacht StartnummerSobald ich wieder halbwegs denken konnte, versuchte ich mich zu bewegen, um meinen Kreislauf wieder in Schwung zu bekommen. Erst bin ich im Liegen mit den Beinen „gegangen“, später, viel später, konnte ich mich aufsetzen. Nochmals später wagte ich es, mich hinzustellen. Und endlich, nach langer langer Zeit, begann ich Schritt für Schritt das Zelt abzugehen. Alles unter den Augen meiner besorgten Frau und der argwöhnischen Sanitäter. Beim Anblick meiner Startnummer auf einem Arztkoffer, zusammen mit meinen Patientenunterlagen, stieg unwillkürlich der Zorn über mich selber wieder hoch. Nach fast zwei Stunden konnte ich dann – immer noch in einem nicht gerade verlässlichen Zustand – den Heimweg antreten.

An dieser Stelle möchte ich auf jeden Fall Doro, Monika und Klaus danken (sie wissen schon wofür) und auch allen, die mich wieder auf die Beine gebracht haben: dem unbekannten Läufer, der mich aufgefangen und an den Krankenwagen übergeben haben muss (ich hatte keinerlei Blessuren, bin also nicht gefallen), dem Sanitäter/Arzt im Krankenwagen, der mich durch seine positiven Sprüche bei „Laune“ und Bewusstsein gehalten hat und den Johannitern, die mich mit allem Drum und Dran betreut haben und mich auch dann noch auf und ab gehen ließen, als sie schon ihr Zelt abbauen mussten.

Fragen

Wie konnte es dazu kommen? Was lernen wir (ich) daraus? Wie geht es nach solch einem einschneidenden Erlebnis weiter? Was bisher nicht erwähnt wurde: es war sehr schwül-warm bei diesem Lauf, schätzungsweise 25 Grad (das Auto zeigte kurz vor Mitternacht noch 24 Grad). Das scheint für mich schon ein großer Risiko-Faktor zu sein, denn ich bin schon 2005 bei einem Halbmarathon mit ähnlichen Temperaturen im Ziel umgekippt. Ich hätte mein Zeitziel von unter 45 Minuten von Anfang an bei diesen Bedingungen vergessen sollen! Dazu kommt, dass Klaus und ich auch noch überschnell gestartet sind. Was das Trinken angeht, kann ich eigentlich sagen, dass alles im grünen Bereich gewesen sein müsste, denn ich war vor dem Start gut hydriert und habe auch bei Kilometer 5,5 einen Becher Wasser getrunken.

Darüber, wie es jetzt weitergeht, bin ich mir nicht so sicher. Ich habe in den letzten Tagen viel gegrübelt. Der erste Gedanke war, nie wieder einen Wettkampf zu laufen. Überaschenderweise haben mir aber fast alle (Lauf-)Freunde davon abgeraten und mir viel eher empfohlen, den psychischen (Eigen-)Druck bei Wettkämpfen rauszunehmen, mehr Spaß bei einem solchen Lauf zu haben und die Bestzeiten in Zukunft mal zu vergessen. Ist was dran, mal sehen…

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Kommentare

  1. Hannes

    Oh weh, was für ein Erlebnis. Grausam – und irgendwie verständlich, dass man sich dann erstmal viele Gedanken macht, klar, das möchte man nicht wieder erleben. Aber eigentlich denke ich, dass das durch das Zusammenspiel vieler Faktoren einmalig bleiben wird. – Ich dachte auch beim Lesen oben schon gleich wieder, dass das ja wie eigentlich immer ein sehr flotter Start war – das ist immer ungünstig.

    Aber du kannst ja froh sein, dass du ansonsten heil davon gekommen bist. Wünsche dir weiter alles Gute, dass du wohl auf den Beinen bleibst. Überleg es dir gut mit dem Laufen – es ist doch so schön, auch im Wettbewerb!

  2. Sabrina

    Hallo,

    schöner Laufbericht, auch wenn er ein tragisches Ende hat!!

    Mir ist ähnliches im Februar 2008 bei einem Trainingslauf passiert. Ca. 20 Minuten nach dem 21 km Trainingslauf habe ich Kreislaufprobleme bekommen. Ich weiß nicht ob ich bewusstlos war. Bei mir war wahrscheinlich die Ursache, dass ich zu wenig getrunken habe. Ich war deswegen auch beim Arzt. Nachdem ich ihm erzählt habe welche Sportumfänge ich betreibe, hat er mich für verrückt erklärt und mich gar nicht weiter ernst genommen. Ich selber bin mir zu 99 Prozent sicher, dass ich zu wenig getrunken habe.
    Nach dem Vorfall gingen mir natürlich auch viele Gedanken durch den Kopf. Es ging soweit, dass ich dachte, wäre es vielleicht besser du hörst mit dem ganzen Sport auf. Deine Gedanken kann ich daher sehr gut nachvollziehen. Ich denke es wäre der falsche Weg, wenn du keine Wettkämpfe mehr läufst.
    Wichtig ist meiner Meinung nach, dass man erst mal den Schock selbst verarbeitet. Dazu gehört einfach, dass man wieder Wettkämpfe läuft, evtl. etwas langsamer angehen.

    Aus meiner Geschichte habe ich die Konsequenz gezogen, dass ich grundsätzlich mit Trinkflaschen laufe. Auch bei einem 10 km Trainingslauf.

    Ich wünsche dir alles Gute!!!!

    Gruß aus Schönberg/Holstein

    Sabrina

  3. manuela

    Hey, du machst ja Sachen! Ich denke auch, weitermachen mit etwas weniger Ehrgeiz, was die Zeiten betrifft und vielleicht mal “ohne Kopf” zu laufen. Erhol’ dich noch gut und das Gleiche gilt auch für deine family und deine Freunde!!!
    Lieber Gruß
    Manuela

  4. Farmin Gorerunner

    Hallo Andreas,

    übel, so etwas zu lesen, noch übler, wenn das einem selbst passiert ;-)
    Nun, wahrscheinlich bist Du nicht der Hitze-Läufer, wenn Dir das schon einmal passiert ist. Vielleicht warst Du aber auch für die 45 Minuten nicht ausreichend trainiert? Auf den ersten 4 Kilometern seid Ihr beide dann 15 Sekunden (!) pro Kilometer schneller gewesen und wenn Deine Form vielleicht bei 47 Minuten liegen sollte, dann ist das schon recht viel (die Topleute laufen mittlerweile fast alle “negative splits”!).
    Am Trinken/Dehydrierung sollte es nicht gelegen haben. Wer bei einem 10km Lauf etwas trinken muss, macht meiner Meinung nach sowieso was falsch. Den trockenen Mund befeuchten ist ok, aber wenn man Durst verspürt, stimmt schon in der Vorbereitung was nicht. Ich meine auch, dass 25 Grad nicht sooo viel sind. Aber das ist typbedingt ja unterschiedlich.
    Jetzt mal was Konstruktives ;-): Ich würde mir da jetzt den Kopf nicht darüber zerbrechen. Der Schreck sass bei der Familie wohl sowieso am Heftigsten. Einfach mal mehr ausloten, wo Dein Wettkampftempo liegt. Ich würde im Training mal den 4:35er-Schnitt testen, für 5 Kilometer. Und dann schau mal wie Du Dich fühlst. Auch solltest Du beim nächsten Mal von Anfang an DEIN Tempo laufen und Dich nicht mitziehen lassen, wenngleich dies natürlich verlockend ist.
    Also, mach’ Dir mal keinen Kopf! Schau Dir nochmal Dein Training zu diesem Lauf an, vielleicht ist da auch was nicht perfekt gelaufen. Ich hoffe, Du hast nach dem Lauf auch ein Blutbild beim Arzt machen lassen. Vielleicht gibt es da auffällige Werte?
    Auf alle Fälle würde ich an Deiner Stelle recht bald wieder einen Lauf in Angriff nehmen… mit Ziel 47 Minuten. Wenn Du da dann gut durchkommst, dann Schritt für Schritt weitermachen.
    Alles Gute!

    http://farmingorerunner.blogspot.com

  5. webmaster@startblog-f.de

    Danke für eure netten Wünsche und Ratschläge! Werde mal versuchen, alles zu beherzigen und die Sache in Zukunft etwas ruhiger angehen…

  6. Hartmut

    Hallo Andreas!

    Was machst du denn für Sachen wenn ich im Urlaub bin?! Meine Familie und ich fahren Sonntag abend wieder nach Hause. Ich freue mich wieder auf unsere Trainingsläufe und dann sehen wir beide wie es weiter geht. Ich werde dann vom Mitternachtslauf mit Sabrina berichten.
    Bis bald!
    Hartmut

  7. Marek

    Junge Junge das hört sich ja abenteuerlich an. Das muss ein ziemlicher Schock sein, wenn man das so im Nachhinein realisiert. Wer weiß, da kam bestimmt einiges zusammen. Ich war auch dabei, die Temperaturen fand ich nicht so extrem, außer dass ich schnell einen trockenen Mund hatte. Ich wollte auch Bestzeit laufen (<40min), hat auch nicht geklappt. Man überschätzt sich auf 10km sehr leicht und geht zu schnell an. Bin mit 4min bis km6 gelaufen und dann ging es auch nicht mehr. Erhol dich gut! Und Wettkämpfe wirst du natürlich wieder laufen!

  8. Andreas II

    Mensch Meier !!!
    Da ist man mal zwei Wochen im Urlaub und du machst solche Sachen. Mir ist so was ähnliches beim Hannover Marathon vor 5 Jahren passiert. Am Starttag war es schwül und mein Kreislauf ist damit überhaupt nicht klar gekommen. Nach 38 Kilometern war dann Feierabend. “Hitzeläufe” sind für mich eine Qual. Gut das du gleich medizinische Hilfe hattest. So konnte das Schlimmste verhindert werden.
    Der nächste 10km Lauf kommt bestimmt und dann einfach relaxt an die Sache rangehen (denke an die Wettkämpfe der Kategorie C).

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