Gegen den Wind – ein langer Lauf in Bremen

Veröffentlicht am 05.02.2009 | 4 Kommentare

Himmel am frühen Morgen

Am vergangenen Sonntag habe ich in Bremen meinen langen Lauf zum Wochenabschluss absolviert. Es war ziemlich kalt – einige Grad unter 0 – als ich frühmorgens loslief und dazu etwas windig. Etwas. Dachte ich zumindest auf dem Hinweg. Als ich dann nach einer Stunde umdrehte, um den Rückweg anzutreten, verschlug es mir den Atem: der Gegenwind blies mir eiskalt ins Gesicht, meine Laufjacke flatterte und meine Oberschenkel froren immer weiter ein…

EhlersdammBahnhof Bremen-Mahndorf

Als ich um kurz vor 7 Uhr loslief, war es in Bremen-Osterholz noch dunkel. Der Unterschied zu Berlin war deutlich. „Im Osten geht die Sonne auf…“ ist für den Frühmorgen-Läufer, gerade im Winter, nicht nur ein Spruch: die offizielle Sonnenaufgang-Zeit an diesem Tag war 8:10 Uhr in Bremen, aber bereits 7:50 Uhr in Berlin. Also 20 Minuten länger als zuhause im Dunkeln laufen. Nicht schlimm, aber es gibt Schöneres.

Zuerst einmal den langen, dunklen Ehlersdamm entlang bis zum Bahnhof Mahndorf. Alles still, nur vereinzelt Autos, die mir entgegenkommen. Am Bahnhof kein Zug weit und breit, dafür krähen irgendwo in der Nähe Hähne.

Windräder

Ich schlage meine übliche Richtung ein, passiere den Bahnübergang und komme nach ein, zwei Straßen auf die Strecke aus der Stadt heraus. Über der Autobahnbrücke drehen sich majestätisch langsam im Halbdunkel die Windräder.

Bank am Deich

Ich laufe immer weiter auf dem Weg zwischen den Feldern, spüre, dass es doch empfindlich kalt an den Beinen ist. An der Gasstation biege ich rechts ab. Meine übliche Strecke verläuft links in Richtung Bollen, aber heute möchte ich mal anders laufen. Immer weiter geht es den Deich entlang. Langsam wird es heller. Die aufsteigende Sonne färbt den Himmel am Horizont zartorange.

Schnaps-TrägerKronkorken

Diese fast endlos erscheinende Strecke am Deich ist offensichtlich auch beliebtes Terrain für Bremer Kohlfahrten, denn ich entdecke am Wegesrand zuerst ein leuchtend gelbes Tragegestell für Schnäpse und wenig später den Kronkorken einer Beck’s-Flasche. Ansonsten sieht es hier sehr aufgeräumt und übersichtlich aus: nur Deich, Acker und dazwischen der schmale Asphaltweg, auf dem ich unterwegs bin.

Himmel mit Schwänen

Nach einer Stunde komme ich an einen Eisenbahntunnel und beschließe, nun den Rückweg anzutreten. Kaum habe ich die ersten Schritte Richtung Heimat getan, wird mir bewusst, dass die zweite Hälfte meines langen Sonntagslaufs nicht so einfach werden würde. „Ist doch kein Kindergeburtstag…!“ fällt mir spontan Hartmuts Spruch bei solchen Gelegenheiten ein. Nein, wahrlich nicht: der Wind bläst mir heftig entgegen und erschwert nicht nur das Laufen, sondern lässt mich auch rapide kälter werden. Aus einem Seitenweg biegt ein anderer Läufer einige Dutzend Meter vor mir auf den Deichweg ein, läuft noch ein Stück und beginnt dann zu gehen. Im Vorbeilaufen grüße ich ihn: „Moin, ganz schön windig heute!“ Worauf er mir in breitem Bremisch „Jau, is ja ekelich!“ hinterher ruft.

Nun komme ich auf das schwierigste Stück, einen Abschnitt über etwa 2 Kilometer auf dem Deich. Hier weht der Wind noch einmal etwas stärker und meine Jacke flattert geräuschvoll vor sich hin. Ich ärgere mich, dass ich das Wetter so unterschätzt habe, denn so langsam wird es ungesund. Erinnerungen an meinen Gegenwind-Lauf in Dänemark werden in mir wach.

Weg zur AutobahnbrückeSchild Badestelle

Nachdem ich an der Gasstation wieder abgebogen bin, kommt der Wind nicht mehr von vorne, so dass das Laufen wieder leichter ist. Ich bin aber bereits so durchgefroren, dass ich nur noch schnell unter die Dusche will. Das Schild „Badestelle“ hinter der Autobahnbrücke ist allerdings kein Trost und kommt offensichtlich aus einer anderen Welt („Ah, Sommer!“).

EhlersdammPferde auf der Weide

Bald bin ich auf meiner „Zielgeraden“, dem bereits erwähnten Ehlersdamm. Wie so oft – und dieses Mal auch aus besonders gutem Grund – laufe ich auf diesem Abschnitt schneller. Nach ziemlich genau zwei Stunden bin ich wieder zuhause.

Wie kalt es auf diesem langen Lauf gewesen war, konnte ich übrigens nach dem Duschen an meinen Oberschenkeln ablesen: sie waren feuerrot! Aber nach einem wunderbaren Frühstück mit Brötchen, Ei und Kaffee (trinke ich selten, dann aber gerne) war die Welt wieder in Ordnung…

Kategorien

Lauferfahrungen

Kommentare

  1. Hannes

    Die Bilder vom Morgen sind doch aber schön. Dafür hat sich das Warten auf den Sonnenaufgabg gelohnt.

    Und gegen den Wind ist immer grausam. Da schaue ich gerne vorher in den Wetterbericht, um wenigstens auf dem Rückweg den Rückenwind zu haben.

  2. webmaster@startblog-f.de

    Ich glaube, ich werde mir auch so langsam angewöhnen, vorher den Wetterbericht anzusehen. Dann bleiben einem zumindest Überraschungen erspart…

    Aber wie du sagst: die Bilder sind schön, und es war auch insgesamt ein schöner Lauf!

  3. Dieter Nehring

    Hallo Andreas,

    Ein sehr schöner Ausflugslaufbericht. Wunderbar, bin richtig neidisch geworden. Mein Fazit: Wetter = oft, eine neue Herausforderung = Lauferfahrung = neues Wohlgefühl.
    Gestern bin ich mit Marika, im Norden von Berlin, über 3 Stunden über frostige Wiesen und Felder gelaufen, haben dann um 13.30 Uhr gefrühstückt und hätten uns einen besseren Tag nicht wünschen können.
    Gruß, Turboigel

  4. webmaster@startblog-f.de

    @Turboigel
    Da seid ihr ja bereits gut im Training mit 3 Stunden bei den derzeitigen Temperaturen!
    Ich stelle übrigens auch immer wieder fest, dass die Tage, die mit einem mehr oder weniger langen Lauf beginnen, die schönsten sind. Man startet danach zufrieden mit sich und der Welt in den Rest-Tag… ;-)

Schreibe einen Kommentar


− 1 = 3