Laufen nach Trainingsplan – Fluch oder Segen?

Veröffentlicht am 12.01.2008 | Kommentare deaktiviert für Laufen nach Trainingsplan – Fluch oder Segen?

Laufen nach Trainingsplan
Ist das Laufen nach einem Trainingsplan etwas für überehrgeizige Bürokraten? Oder bringt nur ein straffer Trainingsplan den Erfolg beim nächsten Laufevent? Ich habe mal ein paar Gedanken dazu zusammengetragen…

In den Kommentaren zum Artikel „Wie steigert man das Laufpensum im Frühjahr“ klang es schon an: Zuallererst sollte immer der Spaß am Laufen kommen! Das ist auch 100%ig meine Meinung. Allerdings vertrete ich auch gerne die andere Seite, die sagt: Ohne Trainingsplan bringt es nichts, mit großen Erwartungen an Wettkämpfen teilzunehmen! Selbstverständlich gibt es viele Freizeitläufer, die einfach mehrmals in der Woche ihre Laufschuhe anziehen und im immer gleichen Tempo die immer gleiche Strecke laufen, und die dann hin und wieder einfach zum Spaß an einem Laufevent teilnehmen. Das finde ich vollkommen richtig und in Ordnung. Es gibt aber auch eine Menge Läufer, die – vom Ehrgeiz gepackt – sich schnelle Zielzeiten vornehmen, aber nicht sehen, dass sie sich dafür eigentlich im Vorfeld überhaupt nicht vorbereitet haben…

Die beste Zeit bei größtmöglichem Spaß erreicht ein F-Klasse-Läufer meiner Meinung nach so:

  1. Für den kommenden Laufevent (z.B. Halbmarathon) die mögliche Zielzeit realistisch einschätzen
  2. Trainingsplan für diese Zielzeit recherchieren oder selber zusammenstellen
  3. Bestmöglich nach diesem Trainingsplan laufen und dabei eine ausreichende Gesamt-Vorbereitungszeit einplanen
  4. Ruhetage nach starken Belastungen (sehr langer Lauf, Tempolauf, Intervalltraining) einhalten
  5. Bei Verletzungen, Krankheiten, Stress oder akuter Unlust rechtzeitig mit dem Laufen aussetzen
  6. Anschließend nach Trainingsplan weiter trainieren und keinesfalls versuchen, die versäumten Trainingseinheiten nachzuholen
  7. Kurz vor dem Laufevent noch einmal eine kurze Denkpause einlegen: Hab ich durchgängig und gut nach dem Trainingsplan laufen können? Wie viele Zwangspausen kamen dazwischen? Wie ist die Stimmung? Bin ich körperlich fit?
  8. Und dann kommt der schwerste Teil der gesamten Vorbereitung: Das Revidieren der ursprünglich geplanten Zielzeit!
  9. Mit dieser neuen, ehrlichen Zielzeit im Kopf geht es dann an den Start

Die größte Gefahr für ambitionierte Freizeitläufer lauert in der Vorstellung, dass man immer das Ergebnis des letzten Jahres verbessern müsste. Ohne zu beachten, dass man im vergangenen Jahr vielleicht optimale Trainingsbedingungen hatte, während man in diesem Jahr vielleicht schon von der zweiten Verletzung geplagt wird, der berufliche Stress jeden Tag neue Höchstwerte erreicht und auch die Familie ihre Zeit einfordert. Unter diesen Umständen kann eine Halbmarathon-Zeit, die 5 Minuten langsamer ist als beim letzten Mal durchaus eine beachtliche Leistung darstellen!

Noch einmal zusammengefasst: ein Trainingsplan ist das ideale Hilfsmittel, sich für eine gewünschte Zielzeit vorzubereiten, aber er ist nicht das Allerwichtigste im Läuferleben. Sobald das Laufen in Stress ausartet, ein Übertraining droht oder man sich fragt, wozu man das alles macht, sollte man rechtzeitig eine Pause einlegen, um danach wieder voller Elan und Spaß das Laufen zu genießen!

Kategorien

F-Klasse-Laufen, Lauftraining

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